Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Continuo - wenn aus "Patchwork-Biografien" neue Berufschancen erwachsen

01.02.2007
Hochschule Niederrhein und AW-AG Aachen schlossen Modellprojekt zu Beschäftigungsfähigkeit und Diskontinuität ab

Aus Schwächen Stärken machen: Ein Modellprojekt zu Beschäftigungsfähigkeit und Diskontinuität in der Erwerbsbiographie mit dem Namen "Continuo" haben die Hochschule Niederrhein (Fachbereich Sozialwesen) und die AW-AG Gesellschaft für Arbeit und Weiterbildung in Aachen abgeschlossen. Die Entwicklungsergebnisse werden am 19. April von 13 bis 17 Uhr in Aachen im Technologiezentrum AGIT, Dennewartstr. 25/27, 52068 Aachen, vorgestellt.

Das Projekt wurde gefördert aus Mitteln des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW und des Europäischen Sozialfonds. Zur Abschlussveranstaltung kann man sich ab dem 20. Februar über die Internetseite des Modellprojekts www.modellprojekt-continuo.de anmelden. Die Teilnahme ist kostenlos.

Die Zielsetzung des Projekts erläutert Prof. Dr. Edeltraud Vomberg, die seitens der Hochschule Niederrhein das Projekt betreute:

Die Erwerbsarbeitsgesellschaft wandelt sich - und vormals eher atypische Beschäftigungsverhältnisse werden zur Normalität: Immer häufiger werden flexible Teilzeitregelungen verabredet, Arbeitsverträge werden zeitlich befristet oder als Werkverträge geschlossen. Zunehmend werden auch geringfügig Beschäftigte, Leiharbeitnehmer oder kleine selbstständige Leistungsanbieter in die Unternehmensabläufe eingebunden.

Die Erwerbstätigen reagieren auf die veränderten Anforderungen der Unternehmen und die erschwerten Bedingungen am Arbeitsmarkt mit flexiblen Wechseln zwischen den verschiedenen Erwerbsformen - die Erwerbsbiographien werden vielseitiger und komplexer. Damit verbunden sind neue Chancen, aber auch Risiken.

Insbesondere steigt auch das Risiko von Brüchen und damit der Entwertung erworbener Qualifikationen und Erfahrungen, etwa durch Phasen der Erwerbslosigkeit oder erzwungener Umorientierung. Die Risiken zu minimieren und die Chancen zu verbessern sind Ziele des Modellprojektes Continuo.

Das Entwicklungsprodukt des Projektes ist ein internetgestütztes Instrument zur Erfassung von überfachlichen Kompetenzen. Es ist in der Lage, insbesondere auch Schlüsselkompetenzen von Menschen mit wechselhaften Berufsbiografien erkennbar zu machen. Mit Hilfe des Instrumentes können diese Schlüsselkompetenzen mit den Anforderungen von kleinen und mittleren Unternehmen oder sozialen Einrichtungen verglichen werden, um so die Bewerberauswahl, die Auswahl von Auftragnehmern und ggf. die Umsetzung von Mitarbeitern innerhalb eines Unternehmens zielgerichteter zu betreiben.

Wie wurde im Modellprojekt vorgegangen?

Um diese Ziele zu erreichen wurde in den vergangenen zwei Jahren an zwei Aufgabenbereichen gearbeitet: 1. hat das Modellprojekt Continuo mit 11 Unternehmen der Region Mönchengladbach/Neuss und Aachen intensiv Erfahrungen im Umgang mit Menschen mit diskontinuierlicher Erwerbsbiografie im Unternehmen ausgewertet. Dabei wurden die Möglichkeiten der Unternehmen ausgelotet, diese Menschen nutzbringend für die Unternehmensentwicklung einzusetzen und deren Integration ins Unternehmen zu fördern. Zugleich wurde aber auch 2. ermittelt, welche besonderen positiven Kompetenzen diese Menschen in die Unternehmen einbringen, die Menschen mit kontinuierlichen Erwerbsbiografien möglicherweise weniger ausgeprägt mitbringen.

Eine große Fülle von auf dem Markt befindlichen Profilinginstrumenten zur Personalauswahl und Personalentwicklung wurden darauf hin untersucht, inwiefern sie die besonderen Kompetenzen, die Menschen durch berufliche Wechsel und Brüche entwickeln, einbeziehen. Das Ergebnis war ernüchternd: Trotz einer Fülle solcher Personalauswahlinstrumente liegt bisher keines vor, dass diesen Aspekt spezifisch in den Blick nimmt, obwohl häufige Wechsel und Brüche immer häufiger die Realität von Erwerbstätigen ist.

Ein Katalog von 39 Merkmalen wurde erarbeitet, mit dem ein Profiling von Schlüsselkompetenzen sinnvoll ist. Diese Merkmale sind für jede Personalauswahl brauchbar und werden im entwickelten Continuo-Profilinginstrument immer mit Blick auf die aus beruflichen Brüchen oder Wechseln gewonnenen besonderen Erfahrungen gestaltet.

Nutzen für Unternehmen

Das im Projekt entwickelte Instrument dient kleinen und mittleren Unternehmen sowie sozialen Einrichtungen als Auswahlinstrument für jede Personalentscheidung, unabhängig davon, ob es sich um Menschen mit Brüchen und Wechseln in der Berufsbiografie handelt. Es ist so konstruiert, dass es eine spontane negative Bewertung von Brüchen und Wechseln in der Berufsbiografie nicht nur weitestgehend ausschließt, sondern den Blick auf die daraus resultierenden Stärken lenkt. Dazu werden biografische Fragen, Selbsteinschätzungsfragen und ein strukturierter Interviewleitfaden für das Auswahlgespräch kombiniert.

Ausgangspunkt für die Auswahl ist dabei immer die Anforderung des konkret zu besetzenden Arbeitsplatzes oder der zu vergebenden Aufgabe. Dazu wird das Unternehmen durch einen kurzen Fragenkatalog zur strategischen Ausrichtung des Unternehmens, der Bedeutung der zu vergebenden Aufgabe und den konkreten Anforderungen im Bereich der Schlüsselkompetenzen gelenkt.

Am Ende der ca. 30-minütigen Arbeit des Unternehmens steht ein Anforderungsprofil für die Bewerber/innen, das je nach Wunsch des Unternehmens mit den acht bis zehn wichtigsten Merkmalen weiterarbeitet. Ausgehend davon werden für die Bewerber/innen zwei Fragebögen (biografieorientierter Fragebogen und Selbsteinschätzungsbogen) generiert, die diesen in Papierform oder als EDV-Version zugesandt werden. Diese können online oder schriftlich beantwortet werden. Nach dem Rücklauf kann der Unternehmer aus den Ergebnissen der Bewerberbefragung den Vergleich zu seinem Anforderungsprofil erkennen.

Aus den EDV-Daten wird automatisch ein Gesprächsleitfaden für ein strukturiertes Bewerberinterview erzeugt und kann zu diesem Zweck ausgedruckt werden.

Nach Durchführung des strukturierten Bewerberinterviews kann die personalverantwortliche Person zu jedem Kompetenzmerkmal, das im Interview abgefragt wurde, einen skalierten Profilwert in die Software eingeben und erhält so einen Vergleich von Anforderungswerten und Profilwerten der Person als Gesamtauswertung.

Wendet ein Unternehmen dieses Instrument konsequent an, kann es sichergehen, bezüglich der Schlüsselkompetenzen, die richtigen Bewerber/innen ausgesucht zu haben und dabei für jede/n Bewerber/in die gleichen Kriterien angewandt zu haben.

Der Aufwand für das Unternehmen ist gering, das Verfahren ist klar strukturiert und für jede Stelle oder Aufgabe - unabhängig von der Branche - zu nutzen. Lediglich die fachliche Beurteilung muss ergänzt werden.

Nutzen für die Bewerber/innen

Das entwickelte Instrument hat für Bewerber/innen den Nutzen, dass ihre Stärken - die auch durch Brüche und Wechsel in der Berufsbiografie entwickelt wurden - unabhängig von Vorurteilen über solche Diskontinuitäten beurteilt werden. Sie haben die Chance, durch einen umfassenden Fragebogen zu unterschiedlichen Merkmalen ihre Kompetenzen sichtbar zu machen und in einem zielgenauen Verfahren auf die wirklichen Anforderungen der Stelle hin im Bewerberinterview befragt zu werden.

Diskontinuitäten, wie sie durch Flexibilisierungsforderungen der Unternehmen immer häufiger werden, verlieren so ihre negative Bewertung und führen zu mehr Integration in das Erwerbsleben und zu weniger Ausgrenzung.

Einsatzgebiete des Continuo-Profilinginstrumentes

Branchenunabhängig
Unabhängig davon, ob eine Person eine kontinuierliche oder diskontinuierliche Erwerbsbiografie hat
Für kleine und mittlere Unternehmen
Auch für größere Unternehmen nutzbar, insbesondere für den personenbezogenen Teil
Soziale Einrichtungen
Für Neu-Einstellungsverfahren
Für Personalentwicklungsentscheidungen und Umsetzungsverfahren
Für Auswahl von Auftragnehmern, die als Selbständige Zulieferarbeiten übernehmen
Für Menschen mit diskontinuierlichen Erwerbsbiografien zur Vorbereitung auf ein Auswahlgespräch

Mitwirkende am Entwicklungsprojekt:

Hochschule Niederrhein, Fachbereich Sozialwesen, Mönchengladbach:
Prof. Dr. Edeltraud Vomberg
Dr. Helga Unger
Dipl. Sozialwirtin Martina Maaßen-Pyritz
Dipl. Sozialwirtin Dagmar Weßler-Poßberg
Dipl. Theologin Jolanda Hoppe
André Kahl (stud. Mitarbeiter)
Isabell Mölls (stud. Mitarbeiterin)
Beatrix Immig (stud. Mitarbeiterin)
AW-AG Gesellschaft für Arbeit und Weiterbildung , Aachen
Dipl. BW Horst Zaar
Dipl. Ing. Paul Fuchs-Fronhofen (freie Mitarbeit)
Dipl. Ing. Claus Heseding (freie Mitarbeit - EDV-Realisierung)
Kooperierende Unternehmen:
AK media, Gesellschaft für Medienproduktion und Kommunikation mbH, Aachen
Caritasverband für die Region Mönchengladbach-Rheydt e.V.
Chevalier Sicherheit GmbH, Sicherheitsdienstleistungen, Krefeld
De-media Gesellschaft für elektronische Medien mbH, Neuss
Enaix Aktiengesellschaft linux systems & training, Aachen
Geyr Gebäudemanagement GmbH, Mönchengladbach
Geyr Gebäudereinigung, Mönchengladbach
Hallmann Sicherheitsdienst, Willich
Matricel GmbH, Life-Sience-Unternehmen mit Schwerpunkt im Tissue-Engineering, Herzogenrath
Silent Partners Messe Concept GmbH, Baesweiler
Zinnober Film- und Fernsehproduktion GmbH, Aachen
Kontakt:
Projektbüro "continuo", Tel. 02161-186-5638 (Di u Mi 10-12h) oder 0241-968-2633
info@modellprojekt-continuo.de

Rudolf Haupt | idw
Weitere Informationen:
http://www.modellprojekt-continuo.de

Weitere Berichte zu: Modellprojekt Schlüsselkompetenz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland
25.04.2017 | Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Kräftiger Anstieg setzt sich fort
25.04.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie