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Marburger Mittelstands-Barometer zeigt positive Trendwende im Mittelstand

26.01.2007
Für 2007 ermittelte eine Umfrage der Forschungsstelle mittelständische Wirtschaft (FMW) eine gute Stimmungs- und Geschäftslage im Mittelstand. Bereits zum dritten Mal wurden im Rahmen des Marburger Mittelstands-Barometers (MMB) bundesweit 2337 Unternehmer und Unternehmerinnen zu ihrer Stimmungs- und Geschäftslage befragt.

Das zentrale Ergebnis der Kooperationsstudie zwischen dem Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) und der Forschungsstelle mittelständische Wirtschaft (FMW) der Philipps-Universität Marburg lautet: Trotz Bürokratie und Steuerbelastung positive Trendwende bei Arbeitsplätzen im Mittelstand.

Das Marburger Mittelstands-Barometer ermittelt einmal jährlich die Zusammenhänge zwischen der Schaffung von Arbeitsplätzen, wahr­genommenen Geschäftslage, Freude am Unternehmer­tum, Gründungskli­ma und Unterneh­merbild in der Öffentlichkeit. Die Schaffung von Arbeitsplätzen wird demnach in großem Maße von der wahrgenommenen Geschäftslage der Unternehmer determiniert. Diese wiederum wird von der Freude am Unternehmertum bestimmt. Schließlich hängt diese vom Gründungsklima und dem Unternehmerbild in der Öffentlichkeit ab.

Besonders aufschlussreich war es herauszufinden, ob und inwiefern 2006 die von allen erhoffte Trendwende bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen eingetreten ist. Zusätzlich konnten die diesjährigen Ergebnisse mit den Werten aus den Jahren 2004 und 2005 verglichen werden.

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Die zentralen Befunde des MMB bestätigen den positiven Trend der deutschen Wirtschaft - die Stimmung im Mittelstand ist derzeit so gut wie seit langem nicht mehr. Diese Entwicklung spiegelt sich auch am Arbeitsmarkt wieder. Im vergangenen Jahr hat jeder dritte Unternehmer neue Arbeitsplätze geschaffen. Auch für das kommende Jahr setzt sich gemäß den Befunden des MMB dieser Trend weiter fort. Insgesamt determinieren die ermittelten psychischen Faktoren die wahrgenommene Geschäftslage zu 32%. Die Schaffung von Arbeits­plät­zen lässt sich sogar zu 68% mit dem Eisbergmo­dell erklären. Möchte man auch in Zukunft die Si­tuation am Arbeitsmarkt und die Geschäftslage verbessern, muss man auch bei diesen psychi­schen Faktoren ansetzen.

Positiv zu bewerten ist die Tatsache, dass im Längsschnitt bei allen fünf Faktoren eine Verbesserung eingetreten ist. Die Freude am Unternehmertum weist dabei die größte Steiger­ungsrate mit einem Anstieg um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nach wie vor unbefriedigende Werte ergeben sich beim Unternehmerbild in der Öffentlichkeit und beim Gründungsklima, die sich gegenüber dem Vorjahr nur geringfügig verbessert haben.

Eingetrübt werden die positiven Tendenzen des Eisbergmodells hauptsächlich durch störende Rahmenbedingungen, wobei hauptsächlich die überbordende Bürokratie und strangulierende Regulierungen sowie die hohe Belastung durch Steuern und Abgaben beklagt werden.

Die kaum spürbaren Veränderungen der Bewertung der Rahmenbedingungen zeigen im Grundsatz, dass sich mit dem Wechsel der Bundesregierung im letzten Jahr nach Meinung der Befragten in den Bereichen Bürokratie und Regulierung überhaupt nichts getan hat und bei der Steuerbelastung sogar verschlechtert hat. Die tiefgreifendste Verbesserung zeigt sich bei der Bewertung des Konjunkturklimas.

Aufschlussreiche Befunde ergeben sich auch beim Bundesländer-Ranking. Die Nase vorn hat in diesem Jahr Niedersachsen, das bei vier der fünf Eisbergfaktoren den ersten Rang belegt. Entgegengesetzt hierzu hat sich die Lage in Hessen mit teils drastischen Verschlechterungen entwickelt. So bildet Hessen bei der Schaffung von Arbeitsplätzen sogar das Schlusslicht. Wie bereits im Vorjahr verzeichnet der Westen Deutschlands durchweg die positivsten Ergebnisse. Allerdings hat der Osten aufgeholt und schätzt das Gründungsklima zusam­men mit den Norddeutschen mitt­lerweile positiver ein als vergleichsweise der Süden und Westen der Republik.

Auffallend ist, dass im Hinblick auf die Branchen die Ergebnisse teilweise stark differieren. Das liegt sicher auch daran, dass im Groß- und Außenhandel sowie im Dienstleistungsbereich tätige Unternehmern stärker vom konjunkturellen Aufschwung profitieren als Unternehmen aus dem Baugewerbe oder Handwerk. Die gute Stimmungs- und Geschäftslage spiegelt sich insbe­sondere bei jungen Unternehmen wider, die jünger als sieben Jahre sind und von Unter­nehmern, die jünger als 42 Jahre sind, geleitet werden. In diesen Unterneh­men werden die meisten Arbeitsplätze geschaffen. Aber auch umsatz- und mitarbeiterstarke Unternehmen schätzen ihre Geschäftslage aufgrund ihrer relativ stärkeren Internationalisierung besonders positiv ein.

Die Ergebnisse des Marburger Mittelstand-Barometers 2006 belegen, dass kleine und mittlere Unternehmen nach wie vor die wichtigsten Arbeitgeber in Deutschland sind und auch im nächsten Jahr bleiben werden. Daher muss die Politik es sich zur Aufgabe machen, deren Handlungsfähigkeit konsequent zu fördern. Eine der Hauptempfehlungen, so Professor Dr. Michael Lingenfelder, Sprecher der FMW, ist der Abbau überbordender Bürokratie und strangulierender Regulierungen. Das Bürokratieabbauprogramm der Bundesregierung muss deutlich mehr an Fahrt aufnehmen und konkrete sowie berechenbare Entlastungsziele enthalten. Das seit 2003 in der Diskussion stehende Gesetzesprojekt zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für kleine Unternehmen (small company act) sollte kurzfristig verabschiedet werden.

Zweitens sollte die Belastung durch Steuern und Abgaben auf ein für den Mittelstand erträgliches Niveau reduziert werden. Die Ergebnisse zeigen, dass sich nach dem Regierungswechsel 2005 die Steuerproblematik im Mittelstand in diesem Jahr verschärft hat. Eine spürbare Entlastung des Mittelstands durch Reduktion der Steuern und Abgaben sowie die konsequente Vereinfachung des Steuerrechts müssen im Rahmen einer mittelstandszentrierten Unternehmenssteuerreform noch 2007 praxiswirksam werden.

Eine neue Kultur der Selbstständigkeit kann sich nur entwickeln in einem Klima der sozialen Marktwirtschaft, in der unternehmerische Initiative nicht behindert, sondern die notwendige Entfaltungsmöglichkeiten bekommt.

Zu den Voraussetzungen für eine breite Gründerwelle zählen z.B. die Förderung der Innovationsfähigkeiten der kleinen und mittleren Unternehmen, insbesondere durch Clusterbildung und regionale Netzwerke, gezielte beratende und unterstützende Programme in der Markteintritts- und Frühentwicklungsphase sowie eine Reduzierung und Vereinfachung der Genehmigungsverfahren.

Kontakt und nähere Informationen:
Philipps-Universität Marburg; Forschungsstelle mittelständische Wirtschaft (FMW)
Prof. Dr. Michael Lingenfelder
Universitätsstr. 24; 35037 Marburg
Tel.: 06421/28-23763
E-Mail: stadler@wiwi.uni-marburg.de

Dr. Viola Düwert | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-marburg.de

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