Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Finanzlage deutscher Krankenhäuser: Spreu trennt sich vom Weizen

23.01.2007
Trotz leicht verbesserter Finanzlage ist im deutschen Krankenhaussektor weiterhin viel zu tun. Zu diesem Fazit kommt der "Krankenhaus Rating Report 2007" von RWI Essen, ADMED GmbH und der Institute for Health Care Business GmbH. Demnach wären ohne Gegenmaßnahmen bis zum Jahr 2020 voraussichtlich mehr als 40% der deutschen Krankenhäuser von der Insolvenz bedroht.

Verhindert werden könnte dies zum einen durch weitere Kostensenkungen, zum anderen durch mehr marktwirtschaftliche Elemente im Krankenhaussektor. Dies könnte allerdings dazu führen, dass bis zum Jahr 2020 jedes fünfte Krankenhaus schließen muss.

Zwar haben sich die Finanzkennzahlen des deutschen Krankenhaussektors in den vergangenen Jahren leicht verbessert. Die aktuelle wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser ist jedoch weiterhin recht heterogen. Damit die Lage zumindest stabil bleibt, sind fortwährende Anstrengungen nötig. Dies ist eines der Ergebnisse des "Krankenhaus Rating Reports 2007", den das RWI Essen, die Healthcare-Unternehmensberatung ADMED GmbH und das Institute for Health Care Business GmbH (HCB) erstellt haben. Hierzu wurden die Jahresabschlüsse von knapp 600 deutschen Krankenhäusern ausgewertet.

Wie die Studie zeigt, befinden sich zur Zeit 66% der untersuchten Krankenhäuser finanziell im sicheren "grünen", 15% im "gelben" und 19% im gefährdeten "roten" Bereich. In den nächsten Jahren kommen auf den Krankenhaussektor jedoch viele Änderungen zu. Beispielsweise wird voraussichtlich die Anzahl ambulanter Operationen zunehmen, die Verweildauer der Patienten sinken und die öffentliche Förderung zurückgehen. Diese und weitere Faktoren würden dazu führen, dass ohne gegensteuernde Maßnahmen bis zum Jahr 2020 nur noch rund 50% der Krankenhäuser im "grünen", rund 7% im "gelben" und 44% im "roten" Bereich lägen und damit einer erhöhten Insolvenzgefahr ausgesetzt wären.

... mehr zu:
»ADMED »Krankenhaussektor »RWI

Weitere Kostensenkungen und Marktbereinigung sind nötig

Es ist jedoch anzunehmen, dass die Krankenhäuser aktiv gegensteuern werden, um diese Entwicklung zu vermeiden. So könnte beispielsweise der derzeitige Status gehalten werden, wenn die Häuser im gelben Bereich in den kommenden sechs Jahren ihre Kosten um 0,2% senken würden. Die Krankenhäuser im roten Bereich müssten ihre Kosten hierzu zwischen 0,3 und 2% verringern.

Auch eine Marktbereinigung würde die Situation des Krankenhausbereichs verbessern. Beispielsweise könnten bis zum Jahr 2020 jährlich die 1,5% der Krankenhäuser mit dem jeweils schlechtesten Rating schließen, insgesamt also fast 22%. Als Folge würden die verbleibenden rentablen Krankenhäuser besser ausgelastet und die Überkapazitäten an Krankenhausbetten abgebaut. Diese liegen aktuell bundesweit zwischen 5 und 7% und würden sonst bis 2020 wohl bei 35 bis 40% liegen. Sie fallen allerdings regional deutlich unterschiedlich aus. Von einer solchen Marktbereinigung bis 2020 werden voraussichtlich überproportional viele große, öffentlich-rechtliche und akademische Lehrkrankenhäuser betroffen sein. Insgesamt wird sich die Trägerstruktur, auch durch Fusionen und Privatisierungen, zusätzlich in Richtung privater Trägerschaft verschieben.

Deutscher Krankenhaussektor braucht mehr Marktwirtschaft

Um die Zukunft des deutschen Krankenhaussektors zu sichern, sollten nach den Ergebnissen des "Krankenhaus Rating Reports 2007" mehr marktwirtschaftliche Elemente im Krankenhaussektor zugelassen werden. Neben der Marktbereinigung könnten mehr Freiheiten für den Beitragszahler dafür sorgen, dass die Gesundheitswirtschaft sich stärker als bisher entfalten kann. Eine Möglichkeit hierzu wäre eine Basisversorgung für die gesamte Bevölkerung, die weniger Leistungen als die derzeitige gesetzliche Krankenversicherung umfasst. Diese könnte durch einen Markt für private Zusatzversicherungen oder Selbstzahler ergänzt werden.

Ihre Ansprechpartner dazu:
Dr. Boris Augurzky Tel.: (0201) 8149-203
Sabine Weiler (Pressestelle) Tel.: (0201) 81 49-213
Dieser Pressemitteilung liegt die Studie "Krankenhaus Rating Report 2007" zugrunde. Das Executive Summary ist unter www.rwi-essen.de/mat als Heft 32 der "RWI : Materialien" als pdf-Datei erhältlich. Die komplette Studie kann für 260 Euro inkl. MwSt. beim RWI Essen oder der ADMED GmbH bestellt werden. In Erweiterung des "Krankenhaus Rating Report 2006" enhält sie unter anderem umfangreiche grafische regionale Darstellungen auf Deutschlandkarten und umfassende Krankenhausbenchmarks.

RWI Essen und ADMED GmbH haben gemeinsam bereits mehrere Gutachten im Gesundheitsbereich erstellt, beispielsweise den "Krankenhaus Rating Report 2006", eine Studie zu den Auswirkungen einer Grippepandemie auf den deutschen Krankenhaussektor und eine Studie zur Situation deutscher Pflegeheime. Die Institute for Health Care Business GmbH (HCB) ist eine 2006 neu gegründete Tochter des RWI Essen, der ADMED GmbH und von HPS Research, Herausgeber eines halbjährlich publizierten Gesundheitsreports. Ziel von HCB ist es, das Know-how von drei etablierten Partnern zu bündeln, um mit ihrer Arbeit dazu beizutragen, die Transparenz im Gesundheitswesen weiter zu erhöhen.

Joachim Schmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwi-essen.de/mat

Weitere Berichte zu: ADMED Krankenhaussektor RWI

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index sinkt nach März-Hoch
23.05.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr bleibt niedrig
19.05.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften