Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

120 Milliarden Euro Einsparung durch effizientere Rohstoffnutzung

22.01.2007
Alle reden über Versorgungsengpässe bei Erdöl und Erdgas - doch wie sieht es mit Rohstoffen wie Kupfer, Tantal und Graphit aus, die in vielen Industrien unentbehrlich sind? Das Fraunhofer ISI hat die globale Nachfrage einiger Metalle und Mineralien sowie die Konsequenzen für Kostenentwicklung und Versorgungssicherheit untersucht.

Rohstoffe wie Metalle und Mineralien machen 40 Prozent der Produktionskosten der Industrie aus, Energie dagegen nur 1,6 Prozent. Umso erstaunlicher ist es, dass Verfügbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Nutzungseffizienz nur bei Rohstoffen zur Energiegewinnung wie Kohle, Öl oder Gas gut untersucht sind, zu metallischen oder mineralischen Rohstoffen gibt es dagegen kaum verlässliche Daten. Doch gerade hier trägt die Industrie ein hohes Kostenrisiko, wenn es zu Versorgungsproblemen kommt.

Wie hoch dieses Risiko ist, hat nun das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe zusammen mit dem RWI in Essen in einer Studie für das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie untersucht. Die Institute haben für die wichtigsten Metalle und Industrieminerale - unter anderem Kupfer, Tantal, Platin, Graphit und Flussspat - untersucht, wie das globale Wirtschaftswachstum und der technologische Fortschritt auf den Rohstoffbedarf wirken und welche Folgen dies für Preisentwicklung und Verfügbarkeit bis 2025 hat.

Das ISI nutzt dazu einen neuen Forschungsansatz, der analog zu den bekannten Energiebedarfsprognosen erstmals den spezifischen Rohstoffbedarf bewertet und diesen vom spekulativen Wirtschaftswachstum abkoppelt. Die Ergebnisse fallen sehr unterschiedlich aus: Während technologische Trends vor allem in der Elektronik die Nachfrage nach Tantal steigern, halten sich bei Kupfer nachfragesteigernde und -senkende Effekte die Waage. Der Bedarf an Flussspat dürfte deutlich abnehmen.

Würde die deutsche Industrie alle Effizienzpotenziale ausschöpfen, könnte sie 120 Milliarden Euro pro Jahr - das sind 20 Prozent der Rohstoffkosten - einsparen und damit weit mehr als mit allen bisherigen Entlastungen bei den Lohnnebenkosten. Deutschland hat dies erkannt und setzt verstärkt auf Recycling, Leichtbau, Nanotechnologie, Miniaturisierung und neue Produktionsverfahren. 56 Prozent des hier zu Lande verbrauchten Kupfers wird bereits aus Kupferschrott gewonnen, weltweit sind es nur 13 Prozent. "Trotz dieser Erfolge sollte die Rohstoffforschung ausgebaut und auf das Niveau der Energieforschung gebracht werden", fordert ISI-Projektleiter Gerhard Angerer. Die Ergebnisse würden nicht nur die Nachhaltigkeit der Rohstoffnutzung verbessern, sondern zugleich der Industrie wirksame Rationalisierungspotenziale erschließen, die ihre globale Wettbewerbsstellung unter turbulenten Rohstoffmärkten festigt.

Kontakt:
Dr. Gerhard Angerer
Telefon: (0721) 6809 - 117
E-Mail: gerhard.angerer@isi.fraunhofer.de
Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI untersucht Chancen technischer Entwicklungen und deren Auswirkungen auf Wirtschaft, Staat, Gesellschaft und Umwelt. Die interdisziplinären Forschungsgruppen konzentrieren sich auf neue Technologien, Industrie- und Serviceinnovationen, Energiepolitik und nachhaltiges Wirtschaften sowie auf die Dynamik regionaler Märkte und die Innovationspolitik.

Bernd Müller | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.isi.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: Rohstoff Rohstoffbedarf Rohstoffnutzung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index setzt Anstieg fort
22.06.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Beschäftigung legt weiter zu
29.05.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie