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Rentenmarkt: Anlageflexibilität gefragt

12.12.2006
Die letzte Soft landing-Debatte für die US-Wirtschaft liegt kaum ein halbes Jahr zurück. Damals bot der Konsum in den USA verstärkt Anlass zur Sorge. Derzeit ist es der ISM-Index, der mit seinem jüngsten Rutsch unter die Expansionsgrenze von 50 Punkten ein merklich moderateres Expansionsniveau für die weltweit größte Volkswirtschaft signalisiert.

Seit im Juni vermehrt konjunkturelle Schwächesignale auftraten, setzte sich nicht zuletzt im Zuge einer durch nachgebende Energiepreise genährte Entkrampfung der Inflationsbefürchtungen die Inversion der Zinsstrukturkurve in den USA fort. Im Euroraum verflachte sich entsprechend die Kurve weiter. Gleichzeitig sank jedoch der Renditeabstand zwischen zehnjährigen Treasuries und Bundesanleihen im Zuge eines relativ robusteren Leitzins- und Konjunkturszenarios für den Euroraum von seinem Hoch bei gut 120 Basispunkten auf aktuell gut 75 Basispunkte.

Konjunkturell ergibt sich derzeit für die USA kein stimmiges Bild. Abwärtsrisiken bestehen nach dem Rutsch des Dezember-ISM unter 50 Punkte vor allem für das verarbeitende Gewerbe. Der Immobilienmarkt rechtfertigt mit der Stabilisierung bei einigen Indikatoren immerhin Hoffnungen auf eine Bodenbildung. Ein geradezu konjunkturfreundliches Indiz liefert demgegenüber der Anstieg des ISM Dienstleistungsindex auf 58,9 (zuvor 57,1) Punkte. Umstritten bleibt jedoch, ob die im Zuge schwacher Wirtschaftsdaten gefallenen Renditen im Falle besserer Datenveröffentlichungen wieder deutlich zulegen werden. Schließlich waren im Szenario 1994/95, zu dem sich an den Kapitalmärkten derzeit einige Parallelen ziehen lassen, robuste Wirtschaftsdaten und sinkende Renditen dank inflationsarmen Wachstums über lange Zeit gut vereinbar. Die leichte Aufwärtsrevision der Produktivität für Q3 auf +0,2 (zuvor ±0) Prozent sowie die gleichzeitige Abwärtsrevision der Lohnstückkosten auf +2,3 (zuvor +3,8) Prozent deutet zwar in Richtung dieses positiven 90er-Szenarios. Auf der anderen Seite aber könnte die aktuelle Dollarschwäche künftig Aufwärtsdruck für die Renditen erzeugen, um eine gewisse Attraktivität von Dollar-Anlagen zu erhalten und damit weiterhin benötigte Auslandsgelder in den Greenback zu locken.

Auf europäischer Seite dürfte nicht zuletzt der feste Euro die EZB veranlasst haben, nach der jüngsten Heraufsetzung des Schlüsselzinses auf 3,5 Prozent eine zunächst stark an künftigen Daten orientierte Haltung einzunehmen. Im Hintergrund könnte aber möglicherweise auch die Antizipation einer Zenitbildung bei wichtigen europäischen Frühindikatoren wie dem Ifo-Geschäftsklima sowie nachlassende Inflationsfixierung (Absenkung der Inflationsprognose 2007 auf 2,0 nach zuvor 2,4 Prozent) eine Rolle spielen. In diesem Szenario stellen vorerst kürzere bis mittlere Laufzeiten die bevorzugte Anlagealternative dar, zumal längere Bindungsfristen kaum eine adäquate Mehrverzinsung bieten.

Dr. Stefan Steib | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.LRP.de

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