Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zeitarbeit braucht Mindeststandards

07.11.2006
IAT-Expertise unterstützt die Forderung der Zeitarbeitsverbände iGZ und BZA nach einer Einbeziehung der Zeitarbeitsbranche in das Arbeitnehmer-Entsendegesetz

Mindeststandards in der Zeitarbeit sind sinnvoll und notwendig, um Lohndumping durch aus- und inländische Anbieter zu unterbinden. Denn Niedrigstlöhne in der Zeitarbeit sind aus sozial- und ordnungspolitischer Sicht besonders problematisch, weil sie nicht nur das Lohnniveau in der Zeitarbeitsbranche selbst unter Druck setzen, sondern auch Rückwirkungen auf andere Branchen haben. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Expertise des Instituts Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen).

Die beiden großen Zeitarbeitgeberverbände - der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ e.V.) und der Bundesverband Zeitarbeit Personal-Dienstleistungen (BZA e.V.) - haben mit der Tarifgemeinschaft Zeitarbeit des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) am 30. Mai 2006 einen Tarifvertrag zur Regelung von Mindestarbeitsbedingungen in der Zeitarbeit abgeschlossen. Dieser soll nach dem Willen der Beteiligten über eine Ausdehnung des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes (AEntG) auf die Zeitarbeitsbranche per Ministerverordnung für allgemein verbindlich erklärt werden. Nach Überzeugung der Tarifpartner ist diese Maßnahme notwendig, um die durch die Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) erreichten sozialen Standards in Deutschland zu erhalten.

Gegen diese Forderung werden in Politik und Wissenschaft neben juristischen Bedenken auch arbeitsmarkt- und wirtschaftspolitische Einwände angeführt: ein Kostenanstieg in der Zeitarbeit, Arbeitsplatzverluste bei den Kundenunternehmen und eine Verschlechterung der Beschäftigungschancen von gering Qualifizierten. In der Expertise belegt Dr. Claudia Weinkopf, Direktorin des Forschungsschwerpunktes "Flexibilität und Sicherheit" am IAT, dass diese Argumente wenig stichhaltig sind und zeigt auf, dass Mindeststandards in der Zeitarbeit dringend notwendig sind.

Die Reform der Arbeitnehmerüberlassung im Jahre 2003 hat dazu geführt, dass zahlreiche Tarifverträge für die Zeitarbeitsbranche abgeschlossen worden sind, weil gesetzlich vorgeschrieben ist, dass anderenfalls der Grundsatz der gleichen Bezahlung mit den Beschäftigten der Einsatzunternehmen angewandt werden müsste. Das Niveau der tariflichen Einstiegslöhne liegt dabei insgesamt niedrig und deutlich unterhalb der Tariflöhne in den typischen, meist gewerblichen Einsatzbereichen. Besonders niedrige Löhne sind in den Tarifverträgen vereinbart, die von der Tarifgemeinschaft Christlicher Gewerkschaften für Zeitarbeit und Personalserviceagenturen (CGZP) abgeschlossen worden sind. Sie liegen durchgängig deutlich unter der Schwelle von 50% des Medians in Deutschland und damit auf einem Niveau, das nach Definition der OECD als "Armutslohn" zu bezeichnen ist.

Auch im Tarifvertrag zur Regelung von Mindestarbeitsbedingungen in der Zeitarbeit, der durch eine Ausdehnung des Arbeitnehmer-Entsendegesetz für die Branche allgemein verbindlich werden soll und damit auch für ausländische Anbieter gelten würde, sind ab 2007 mit einem Bruttostundenlohn von 7,15 € in West- und 6,22 € in Ostdeutschland für die unterste Lohnstufe recht niedrige Sätze vorgesehen. "Ein massiver Kostenanstieg in der Zeitarbeitsbranche ist daher nicht zu erwarten", sagt Arbeitsmarktexpertin Dr. Claudia Weinkopf. "Unterbunden würde lediglich der Unterbietungswettbewerb auf Kosten der Beschäftigten. Dieser betrifft nicht nur die Zeitarbeitskräfte, sondern auch die Stammbeschäftigten der Einsatzbetriebe. Je billiger Zeitarbeit ist, desto größer ist die Gefahr, dass Arbeitsplätze in den Kundenunternehmen (dauerhaft) verdrängt werden. Verschärft wird dies dadurch, dass es seit 2004 keine zeitliche Begrenzung des Einsatzes von Zeitarbeitskräften mehr gibt. Unternehmen haben nunmehr die Möglichkeit, über die Gründung eigener Zeitarbeitsunternehmen oder den Abschluss eines dauerhaften Überlassungsvertrags mit einem externen Zeitarbeitsunternehmen eigene tarifliche Standards zu unterlaufen."

Auch die Behauptung, Mindeststandards in der Zeitarbeit würden die Beschäftigungschancen von gering Qualifizierten verschlechtern, ist nach Einschätzung von Dr. Claudia Weinkopf wenig plausibel. Sie verweist dabei auf das Beispiel der USA, wo der gesetzliche Mindestlohn in den vergangenen Jahren deutlich an Wert verloren hat. Dies hat jedoch nicht zur Verbesserung der Arbeitsmarktchancen gering Qualifizierter beigetragen - im Gegenteil: Deren Beschäftigung ist weiter gesunken. Und auch in Deutschland haben gering Qualifizierte vom Anstieg der Niedrig-lohnbeschäftigung in den vergangenen Jahren kaum profitiert. Mehr als drei Viertel der Niedriglohn-Beschäftigten haben, wie IAT-Analysen zeigen, eine abgeschlossene Berufsausbildung oder sogar einen akademischen Abschluss.

Für weitere Fragen stehen
Ihnen zur Verfügung:
Dr. Claudia Weinkopf
Durchwahl:0209/1707-241
Pressereferentin
Claudia Braczko
Munscheidstr. 14
45886 Gelsenkirchen
Tel.: +49-209/1707-176
Fax: +49-209/1707-110
E-Mail: braczko@iatge.de
info@iatge.de

Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://www.iatge.de

Weitere Berichte zu: Arbeitnehmer-Entsendegesetz Zeitarbeitsbranche

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IMK-Indikator: Keine Rezessionsgefahr, keine Anzeichen für konjunkturelle Überhitzung
19.02.2018 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer auf Rekordstand
29.01.2018 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kameratechnologie in Fahrzeugen: Bilddaten latenzarm komprimiert

21.02.2018 | Messenachrichten

Mit grüner Chemie gegen Malaria

21.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Periimplantitis: BMBF fördert zahnärztliches Verbund-Projekt mit 1,1 Millionen Euro

21.02.2018 | Förderungen Preise

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics