Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Digitaler Börsenprophet

20.10.2006
Hohenheimer Studenten entwickeln in Kooperation mit Stuttgarter Vermögensverwalter künstlichen Börsenhändler

In Aktien oder Fonds investieren? - immer ein Risiko. Im Wettbewerb um den höchsten Gewinn bei möglichst geringem Risiko entwickelten vier Teams aus Studierenden des Lehrstuhls für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen der Universität Hohenheim eine Software, die Börsentrends erkennt und dementsprechend automatisiert kauft und verkauft. Im Praxistest gelang es dem System des besten Teams prompt, mit Profi-Analysten gleich zu ziehen.

Entstanden ist der künstliche Börsenhändler im Rahmen eines Wettbewerbs in der Vorlesung Portfolio-Management unter Leitung von Prof. Dr. Hans-Peter Burghof. Der Kooperationspartner - die Stuttgarter Vermögensverwaltung Sand und Schott GmbH verleiht den besten Entwicklern am 25. Oktober 2006 um 18:00 Uhr in Hörsaal 33 (Schloss Hohenheim, Osthof-Nord) eine Siegerprämie von 1.000 Euro.

Geht man davon aus, dass sich Börsenkurse in Trends bewegen - also über einen gewissen Zeitraum hinweg steigen und danach wieder fallen - kann man versuchen, den Start eines solchen Trends frühzeitig mit Hilfe statistischer Methoden zu erkennen. "Im Rahmen des Kurses Portfolio-Management haben wir deshalb unsere Studenten dazu aufgerufen, am Computer ein System zu entwickeln, das solche Trends erkennt und automatisiert danach handelt", erklärt Prof. Dr. Burghof vom Lehrstuhl für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen der Universität Hohenheim.

Ziel sei es gewesen, einen Algorithmus zu finden, der einen hohen Ertragszuwachs bringt - bei möglichst geringem Risiko. "Als trendbasiertes Handelssystem reagiert die Software dann automatisch auf Schwankungen im Kapitalmarkt und kauft oder verkauft Wertpapiere."

Besondere Praxisnähe garantierte der Kooperationspartner, die Vermögensverwaltung Sand und Schott GmbH aus Stuttgart, welche einen Teil ihrer betreuten Kundenvermögen mit Hilfe mehrerer solcher Handelssysteme aktiv managt. Dabei erzielen die Strategien der Stuttgarter regelmäßig Höchstnoten, etwa bei Standard & Poor, Morningstar oder EuroFinanzen. Die Sand und Schott GmbH lobte für die beste Entwicklung der Studenten eine Siegerprämie von 1.000 Euro aus

...und spornte damit offensichtlich den Ehrgeiz der Studierenden an: Im Praxistext zog die beste Software der Hohenheimer Studierenden mit dem Handelssystem der Sand und Schott GmbH gleich - zumindest über den Zeitraum von zehn Monaten von Anfang Dezember 2005 bis Ende September 2006. "Jedes der Handelssysteme startete mit einem virtuellen Betrag von 100.000 Dollar. Gehandelt wurde ein vorher festgelegtes, sehr volatiles Wertpapier. Zur Parametrisierung der Systeme standen den Teilnehmern des Wettbewerbs Tageskurse der letzten 14 Jahre zur Verfügung", erklärt Dirk Sturz, Doktorand am Lehrstuhl von Prof. Burghof.

Manche Teams konzentrierten sich auf die Risikominimierung und legten das gesamte Vermögen in Abwärtstrends zum sicheren Zinssatz an. Andere hingegen setzten ihren Schwerpunkt auf Gewinnmaximierung und versuchten, in Abwärtsphasen durch Leerverkäufe zu profitieren. Bei Leerverkäufen werden Wertpapiere gegen eine Gebühr geliehen und dann verkauft. Fallen die Kurse, können die entliehenen Wertpapiere zu einem späteren Zeitpunkt günstig zurückgekauft und an den Verleiher zurückgegeben werden.

"Das ausgewogenste Verhältnis zwischen Ertrag und Risiko hatte diesmal ein Team, das ein besonders risikoaverses System programmierte. Mit einem Wertzuwachs von 16 Prozent in zehn Monaten konnte das Team den absoluten Wertzuwachs des Basistitels um rund vier Prozent übertreffen. Das Helios-System von Sand und Schott erreichte einen um dreieinhalb Prozent höheren Ertrag, aber erkaufte sich dies mit einem etwas höheren Risiko", resümiert Sturz. Was langfristig den meisten Erfolg bringt? Für diese Frage gibt es noch keine Software.

"Diese Kooperation zeigt deutlich, dass sich Studieren heute nicht mehr nur im Elfenbeinturm abspielt. Wirtschaft und Wissenschaft können sich sinnvoll verzahnen und ergänzen. Wir werden das Projekt mit der Universität Hohenheim daher unbedingt fortsetzen", meinten die Geschäftsführer Arne Sand und Max Schott von der gleichnamigen Vermögensverwaltung.

Startschuss dafür fällt gleichzeitig mit der Siegerehrung: Zum gleichen Datum startet die zweite Handelssimulation mit den Studierenden des aktuellen Wintersemesters.

Kontaktadresse (nicht zur Veröffentlichung):
Prof. Dr. Hans-Peter Burghof, Lehrstuhl für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen

Tel.: 0711 459-22901, E-Mail: burghof@uni-hohenheim.de

Florian Klebs | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de

Weitere Berichte zu: Bankwirtschaft Handelssystem Wertpapier

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Der Dauerläufer: Starke Binnennachfrage macht diesen Aufschwung robuster als seine Vorgänger
17.10.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht Positiv für die Volkswirtschaft: Die Zahl der Betriebsgründungen von Hauptniederlassungen steigt weiter
12.10.2017 | Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise