Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mindestlohn muss unterschiedliche Gegebenheiten berücksichtigen

10.10.2006
Institut Arbeit und Technik schlägt Differenzierung für Ost-West und Jugendliche vor - Schutz für Arbeitsplätze gering Qualifizierter
Der Niedriglohnsektor in Deutschland wächst. Mindestens sechs Millionen Menschen arbeiten für Stundenlöhne unter der Niedriglohnschwelle - das sind weniger als 9,83 Euro in Westdeutschland bzw. 7,15 Euro in Ostdeutschland.

Bei Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland muss deshalb das starke Lohngefälle zwischen Ost- und Westdeutschland berücksichtigt werden. Dazu raten die Arbeits- und Bildungsforscher des Instituts Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen). Eine weiterreichende starke Unterscheidung nach Regionen und Branchen führt dagegen zur Unübersichtlichkeit, was die Einführung eines Mindestlohns erschwert.

Das IAT empfiehlt zudem einige Differenzierungen, damit durch den Mindestlohn Qualifizierungsanstrengungen nicht behindert werden. Auszubildende sollten ausgenommen werden. Für Jugendliche unter 21 Jahren sind niedrigere Raten denkbar. Beispiele aus anderen europäischen Ländern zeigen, wie der Mindestlohn nach Alter bzw. anderen Kriterien unterschieden werden kann: So sind in Frankreich Auszubildende ausgeschlossen und Jüngere erhalten einen niedrigeren Mindestlohn. In Großbritannien liegt der Mindestlohn für 16- bis 17-Jährige bei 56 Prozent, für 18- bis 21-Jährige bei 83 Prozent. Für neu eingestellte Beschäftigte in Weiterbildung gilt dort ein niedrigerer "Entwicklungslohn" in Höhe von 83 Prozent des Mindestlohns.

Das Beispiel Großbritannien zeigt auch, dass bei schrittweiser Einführung eines Mindestlohns negative Beschäftigungseffekte vermieden werden. Ganz im Gegenteil gibt es positive Auswirkungen: Ein gesetzlicher Mindestlohn kann helfen Arbeitsplätze für gering Qualifizierte zu sichern. Wie die Erfahrungen mit dem Arbeitnehmerentsendegesetz in der Bauwirtschaft zeigen, konnten durch den Mindestlohn die Konkurrenzbedingungen der heimischen Baubeschäftigten verbessert und der Abbau von Arbeitsplätzen für gering Qualifizierte verringert werden. Mindestlöhne nach dem Entsendegesetz können damit auch ein wichtiges Integrationsinstrument für heimische Ausländer sein. Mit der Europäisierung des Arbeitsmarktes wird sich die Beschäftigungssituation gering Qualifizierter jedoch weiter verschlechtern, wenn keine Lohnuntergrenze in den deutschen Arbeitsmarkt eingezogen wird, fürchten die IAT-Arbeitsmarktforscher.

Denn angesichts der hohen Arbeitslosigkeit beschäftigt der wachsende Niedriglohnsektor nicht nur Un- und Angelernte, sondern inzwischen zu mehr als drei Vierteln Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung oder sogar akademischem Abschluss. Bessere Beschäftigungschancen für gering Qualifizierte und Langzeitarbeitslose liegen deshalb nicht in Lohndumping, sondern in den Bereichen Qualifizierung und Beratung/ Vermittlung.

Für weitere Fragen stehen
Ihnen zur Verfügung:
Prof. Dr. Gerhard Bosch
Durchwahl: 0209/1707-147
Thorsten Kalina
Durchwahl: 0209/1707-330
Dr. Claudia Weinkopf
Durchwahl: 0209/1707-142
Pressereferentin
Claudia Braczko
Munscheidstraße 14
45886 Gelsenkirchen
Tel.: +49-209/1707-176
Fax: +49-209/1707-110
E-Mail: braczko@iatge.de
info@iatge.de

Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://www.iatge.de

Weitere Berichte zu: Mindestlohn Niedriglohnsektor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Mittelstand 4.0-Kompetenz­zentrum Stuttgart gestartet
29.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index weiter aufwärts gerichtet
23.03.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten