Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Marburger Forscher untersuchen Aufsichtsräte - Zahlreiche Aktiengesellschaften setzen auf größere Kontrollgremien

20.09.2006
Kritiker machen geltend, mitbestimmte Aufsichtsräte seien zu groß, erst Recht im Vergleich zum amerikanischen und britischen Board.

Um eine effiziente Arbeit zu gewährleisten, sei eine Verkleinerung des Gremiums nötig. Ein Forscherteam um Prof. Dr. Elmar Gerum von der Universität Marburg hat diese These einem Realitätstest unterzogen. Die Forscher untersuchten zum Stichtag 1. Januar 2004 die Aufsichtsratsgröße deutscher Aktiengesellschaften. Sie kommen zu einem deutlich anderen Befund: "Die Praxis hält ganz offenkundig größere Aufsichtsratsgremien für vorteilhaft beziehungsweise effizient", so das Fazit der von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Untersuchung.

Unter den 347 Aktiengesellschaften, die am Stichtag mehr als 2000 Beschäftigte hatten und in deren Aufsichtsrat deshalb Vertreter der Kapitaleigner und der Arbeitnehmer zahlenmäßig paritätisch vertreten sind, überschreitet etwa ein Viertel die gesetzlich gebotene Aufsichtsratsgröße. Die öffentlichen Unternehmen in dieser Gruppe haben zu 55 Prozent den Aufsichtsrat freiwillig vergrößert. Grund: Die in den Kommunal- und Landesparlamenten aktiven Parteien wollen als Vertreter der Eigentümer auf der Anteilseignerbank des Aufsichtsrats vertreten sein. Aber auch etliche private Unternehmen haben aus freien Stücken einen größeren Aufsichtsrat; hier sind es 22 Prozent. Ausschlaggebend ist nach den Untersuchungen der Wissenschaftler die Branche: Besonders Unternehmen aus der Energie- und Wasserwirtschaft, dem Handel und der Kredit- und Versicherungswirtschaft agierten in einer Wettbewerbsumwelt, die einen größeren Aufsichtsrat vorteilhaft erscheinen lasse. Auch übt der Kapitalmarkt keinen Druck aus, die Aufsichtsgremien möglichst klein zu halten.

Zusätzlich zu Aktiengesellschaften mit mehr als 2.000 Beschäftigten betrachteten die Forscher auch alle weiteren Unternehmen aus den Börsenindizes DAX, M-DAX und TecDAX - insgesamt 39.

Ergebnis: In diesen Indizes sind 18 Gesellschaften mit 500 bis 2.000 Mitarbeitern und einer Drittelbeteiligung der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat. Die Mehrzahl unter diesen Firmen hat einen Aufsichtsrat mit sechs bis neun Mitgliedern - gesetzlich vorgeschrieben sind nur drei.

Weitere 21 Aktiengesellschaften in diesen Indizes sind ohne Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat. Von ihnen haben fast 60 Prozent ihr Kontrollgremium freiwillig vergrößert. "Für Unternehmen mit weniger als 500 Arbeitnehmern sind die Aufsichtsräte mit sechs Mitgliedern erstaunlich groß", analysieren die Wissenschaftler. Die Kapitaleignerbank sei hier so groß wie in mitbestimmten Unternehmen mit mehr als 2.000 Beschäftigten. "Dieser Befund lässt sich wohl nur so verstehen, dass der Bedarf an Beratung und Unsicherheitsvermeidung durch personelle Verflechtungen ganz erheblich ist." Sprich: Zusätzlicher Sachverstand bringe bessere Entscheidungen.

Rainer Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/pdf/impuls_2006_14_1.pdf
http://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/hbs/hs.xsl/254_29923.html

Weitere Berichte zu: Aktiengesellschaft Aufsichtsrat

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Mittelstand 4.0-Kompetenz­zentrum Stuttgart gestartet
29.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index weiter aufwärts gerichtet
23.03.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE