Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Immer mehr Ausländer wagen den Sprung in die Selbständigkeit

14.01.2002


Studie des Instituts für Mittelstandsforschung (ifm) der Universität Mannheim: Zuwachs an Selbständigen unter Ausländern stärker als bei Deutschen / Ausgangsniveau noch gering / Starke Konzentration auf Handel und Gastgewerbe

Immer mehr Ausländer entschließen sich, ein eigenes Unternehmen zu gründen und schaffen hierdurch zusätzliche Arbeitsplätze. Das Potenzial an ausländischen Selbständigen ist allerdings noch nicht ausgeschöpft. Ein besserer Zugang zur beruflichen Bildung könnte unter anderem zur Existenzsicherung beitragen und den Anteil an Selbständigen unter Ausländern auch jenseits der Schwerpunkte Handel und Gastgewerbe intensivieren.

Dies sind zentrale Ergebnisse einer Untersuchung, die das Institut für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim (ifm) im Auftrag des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg durchgeführt hat (Projektleiter Dr. René Leicht). Die Studie ist soeben in der Veröffentlichungsreihe des ifm erschienen.

"In der aktuellen Debatte über Fragen der Zuwanderung wird vielfach übersehen, dass die Migration nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch Unternehmer und Investoren ins Land gebracht hat", so Projektleiter Leicht. Obwohl für manche Ausländer die Voraussetzungen zur Gründung eines Unternehmens vergleichsweise schwierig sind, hat die Zahl ausländischer Selbständiger in den letzten zehn Jahren weitaus stärker zugenommen (+50%) als die der deutschen (+15%).

In den 90er Jahren sind in Baden-Württemberg rund 12.000 Selbständige mit ausländischem Pass hinzugekommen. Damit, so die Geschäftsführerin des Instituts, Dr. Birgit Buschmann, "tragen ausländische Selbständige entscheidend zur Nahversorgung bei" und vermitteln, nach Auskunft der Mannheimer Autoren "der heimischen Wirtschaft Impulse in Form von neuen Ideen, Initiativen und Produkten, die heute nicht mehr wegzudenken sind."

Jeder dreizehnte Selbständige im Land ist ein Ausländer. Werden die Ausländer für sich betrachtet, fällt allerdings die Selbständigenquote mit 6% derzeit noch niedriger aus als bei den Deutschen (10%). Nach Nationalitäten unterschieden stellen die Italiener mit rund neun Tausend Selbständigen die stärkste Gruppe (ein Viertel aller nichtdeutschen Selbständigen) in Baden-Württemberg, gefolgt von den Türken (fast sechs Tausend). Knapp die Hälfte aller ausländischen Selbständigen kommt aus einem Land der EU.

Die Untersuchung zeigt auch einige kritische Aspekte auf. So wird unter Ausländern insgesamt zwar eine vergleichsweise stärkere Gründungsneigung ersichtlich, jedoch auch ein häufigeres Scheitern. Dies erweist sich oftmals auch als eine Frage mangelnder Ausbildung. Wenngleich das Qualifikationsniveau ausländischer Selbständiger höher als bei den Arbeitnehmern ist, bleibt die Zahl derjenigen ohne Berufsabschluss hoch. Auch deswegen sind ausländische Selbständige im Durchschnitt jünger als die deutschen. "Zur Existenzsicherung bedarf es gezielter Infrastruktur-, Beratungs- und Qualifizierungsangebote bei ausländischen Selbständigen", so Dr. Buschmann.

Berücksichtigt werden muss bei all dem auch die Heterogenität in der Zusammensetzung ausländischer Selbständiger und damit die je nach Herkunftsland sehr unterschiedlichen rechtlichen und qualifikatorischen Voraussetzungen für die Gründung eines Unternehmens. Manche Ethnien zeigen eine auffällige Konzentration auf einschlägige Märkte und Nischen. So gründen viele Italiener vor allem im Gastgewerbe und die Türken eher im Einzelhandel. Hier bestätigt sich also zum Teil die Alltagsbeobachtung. Demgegenüber ähnelt beispielsweise das Tätigkeitsprofil der Nordeuropäer eher dem der deutschen Selbständigen; das heißt, ein beachtlicher Teil der Angehörigen dieser Herkunftsländer macht sich auch in den neuen Dienstleistungsbereichen selbständig.
Rund 60% aller ausländischen Selbständigen sind bereits länger als 20 Jahre in Deutschland. Damit kann das Gros von ihnen nur noch unter formalen Gesichtspunkten überhaupt als Ausländer eingestuft werden. "Insgesamt wird deutlich, dass sich viele ehemals als ’Gastarbeiter’ bezeichnete Ausländer längst in hohem Maß aktiv in das gesellschaftliche und wirtschaftliche Geschehen hierzulande integriert haben, nicht zuletzt, indem sie ein eigenes Unternehmen gegründet und dabei auch weitere Arbeitsplätze geschaffen haben", so Buschmann. Dies sind insgesamt in Baden-Württemberg rund 127.000 Arbeitsplätze.

Gegenwärtig weitet das ifm seine Untersuchungen auf die Situation in der Bundesrepublik aus und wird dabei auch stärker die Frage in den Mittelpunkt rücken, ob für Ausländer andere Kontextbedingungen als für Deutsche maßgeblich sind, falls sie sich für den Weg in die Selbständigkeit entscheiden.

Das Institut für Mittelstandsforschung ist mit seiner Themenstellung ein Unikat in Baden-Württemberg. Es hat derzeit 31 Mitarbeiter. Schwerpunktaufgaben sind neben der Mittelstandsforschung die Strukturberichterstattung, insbesondere für Kleinunternehmen mit bis zu 20 Mitarbeitern, die Kontakt- und Dokumentationsstelle für den Mittelstand und die Beratung von Politik und Wirtschaftsorganisationen. Das Institut verfügt über einen Vorstand aus vier Lehrstuhlinhabern der Universität, einen Beirat aus den Spitzenvertretern der mittelstandspolitischen Verbände und Kammern sowie einen Förderverein aus Unternehmern und Multiplikatoren.

Autoren und Titel der Studie:
René Leicht, Markus Leiß, Ralf Philipp, Robert Strohmeyer:
Ausländische Selbständige in Baden-Württemberg, Veröffentlichungen des Instituts für Mittelstandsforschung, Universität Mannheim, Nr. 43.

Ansprechpartner:
Dr. René Leicht, 0621-181-2897
Institut für Mittelstandsforschung
D 6,5
68131 Mannheim


Universität Mannheim
Fakultät für Betriebswirtschaftslehre
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Ralf Bürkle
68131 Mannheim

Tel.: (0621) 181-1476
Fax: (0621) 181-1471
E-Mail: buerkle@bwl.uni-mannheim.de

Diplom-Kaufmann Ralf Bürkle | idw

Weitere Berichte zu: Gastgewerbe Mittelstandsforschung Selbständigkeit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland
25.04.2017 | Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Kräftiger Anstieg setzt sich fort
25.04.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette

25.04.2017 | Verkehr Logistik

Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland

25.04.2017 | Wirtschaft Finanzen