Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Entwicklung wesentlicher Daten der deutschen öffentlichen Finanzwirtschaft von 1995-2005

03.08.2006
Im Jahr 2005 waren die Ausgaben der öffentlichen Haushalte kaum höher als zehn Jahre zuvor. Die nominale Zuwachsrate im zehnjährigen Untersuchungszeitrum betrug lediglich 1,8 Prozent. Auch die gesamten Staatsausgaben nahmen nur um 3,4 Prozent zu.

Dieses zunächst überraschende Ergebnis signalisiert jedoch keine Konsolidierungserfolge der staatlichen Organe, sondern ist vor allem auf statistische Sondereffekte und die ab 1996 geänderte Kindergeldauszahlung durch Verrechnung mit der Lohnsteuer zurückzuführen. Dies stellt das Institut Finanzen und Steuern, Bonn, in einer Untersuchung (IFSt-Schrift Nr. 435) klar.

Im Jahr 2004 fiel die Staatsausgabenquote kräftig um 1,6 Prozentpunkte auf 46,8 v.H., den niedrigsten Wert in der gesamten Untersuchungsperiode. Dem deutlichen Anstieg des nominalen Bruttoinlandsprodukts um 2,4 v.H. stand eine Abnahme der Staatsausgaben um 0,8 v.H. gegenüber. Auch im vergangenen Jahr konnte diese Staatsausgabenquote gehalten werden.

Das Steueraufkommen nahm in den vergangenen zehn Jahren nur um 8,6 v.H. zu. Von 2001 bis 2004 war es zunächst sogar rückläufig und stagnierte dann. Erst im Jahr 2005 kam mit einem Zuwachs von 2,1 v.H. die Trendwende. Dennoch fiel die volkswirtschaftliche Steuerquote auf 20,2 v.H., den niedrigsten Wert seit Jahrzehnten. Bereinigt um den Familienleistungsausgleich erhöht sich die Steuerquote jedoch um 1,5 Prozentpunkte auf 21,7 Prozent.

Die Verschuldung der öffentlichen Haushalte nahm von 1995 bis 2005 um 46 v.H. von 1.019,3 Mrd. EUR auf 1.488,3 Mrd. EUR zu. Davon entfielen 59,6 Prozent auf den Bund, vor allem bedingt durch die Übernahme von mehr als drei Viertel aller - im Wesentlichen infolge der Wiedervereinigung entstandener - Sonderfonds-Schulden im Jahr 1999; dies führte statistisch zu einem sprunghaften Zuwachs der Bundesschulden gegenüber dem Vorjahr um 45,8 Prozent. Im Jahr 2005 lag der Schuldenstand des Staates mit 67,7 v.H. des BIP deutlich über der kritischen Grenze der im Maastrichter Vertrag vorgesehenen 60 v.H. des BIP.

Die Defizitquote fiel zwar mit 3,3 v.H. des BIP niedriger aus als erwartet, war aber nach Portugal, Griechenland und Italien immer noch die vierthöchste in der EU. Die Neuverschuldungsgrenze des Maastrichter Vertrages von 3 v.H. des BIP wurde erneut überschritten. Im laufenden Jahr wird Deutschland eventuell zum fünften Mal in Folge die finanzpolitischen Ziele des Stabilitätspaktes verfehlen. Sollte dank des unerwartet günstigen Konjunkturverlaufs die deutsche Defizitquote unter den EU-Grenzwert fallen, darf das nicht von der Notwendigkeit ablenken, dass weitere Einschnitte bei den staatlichen Konsumausgaben geboten sind, soll das Ziel ausgeglichener Staatshaushalte nicht eine Vision bleiben. Mit der ab 2007 in Kraft tretenden Mehrwertsteuererhöhung allein ist die zwingend erforderliche Rückführung der Nettokreditaufnahme kaum zu bewerkstelligen.

Clemens Esser | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifst.de

Weitere Berichte zu: BIP Defizitquote Staatsausgabenquote Steuerquote

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Aufwärtstendenz setzt sich fort
21.02.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Ergebnisse der IAB-Stellenerhebung für das 4. Quartal 2016: Anhaltend hohes Niveau offener Stellen
21.02.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

Booth and panel discussion – The Lindau Nobel Laureate Meetings at the AAAS 2017 Annual Meeting

13.02.2017 | Event News

Complex Loading versus Hidden Reserves

10.02.2017 | Event News

International Conference on Crystal Growth in Freiburg

09.02.2017 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie