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Was die Verwaltung von der Wirtschaft lernen kann

30.06.2006
Wenn eGovernment in Deutschland weniger technologiegetrieben und mehr aus dem Bedarf der Unternehmen heraus betrieben würde, könnten IT-gestützte Prozesse zwischen Wirtschaft und Verwaltung zu einem wichtigen Standortfaktor werden.

Vor allem bei der Vernetzung von Prozessen könne die Verwaltung noch einiges von der Wirtschaft lernen. Mit diesen Thesen forderte der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, Prof. Hans-Jörg Bullinger, auf einem Fachkongress des dbb in Leipzig die öffentliche Verwaltung dazu auf, das Thema eGovernment wieder stärker auf die politische Agenda zu setzen. Sechs Fraunhofer-Institute waren in Leipzig vertreten, mit insgesamt 21 Fachvorträgen, mehreren Workshops und Tutorien sowie etlichen Exponaten für innovative Verwaltungslösungen in einer Forschungsplaza des eGovernment Zentrums, das außerdem seine gesamte Jahresveranstaltung im Rahmen des dbb-Kongresses durchführte.

"Die Große Koalition hat die Chance, den überfälligen flächendeckenden Modernisierungsprozess in der öffentlichen Verwaltung anzustoßen", erklärte Prof. Dieter Rombach, Sprecher der Institutsleiter für eGovernment in der Fraunhofer-Gruppe Informations- und Kommunikationstechnik (IuK), die strategischer Forschungspartner des Leipziger Kongresses war. Rombach skizzierte unter anderem neue Strategien für ein wirtschaftliches eGovernment, das die Bürokratielast der Wirtschaft um etliche Milliarden Euro jährlich senken könne.

Einige aktuelle Fraunhofer-Projekte, vorgestellt auf dem dbb-Kongress:

Wann und für wen rechnet sich welche Investition in eGovernment?

Dass weniger als die Hälfte aller Kommunen in Deutschland ihre eGovernment-Projekte auch auf Wirtschaftlichkeit hin überprüfen, ist erschreckend. Um schon im Vorfeld eines Projektes zuverlässig berechnen zu können, in wie weit durch veränderte Prozesskosten beispielsweise die Stadt profitiert und der Bürger an Service einbüßt oder ob vielleicht sowohl Stadt als auch Bürger von einer geplanten eGovernment- Lösung profitieren würden, hat das Fraunhofer IAO eine Software entwickelt, die im Falle der Landeshauptstadt Stuttgart auf Anhieb mehr als eine halbe Million Euro an Transformationseffekten erzielte.

Welche eGovernment-Anwendungen vertragen sich mit anderen Systemen?

Einen neuen Weg, die Interoperabilität verschiedenster Systeme herstellerunabhängig und vorwettbewerblich in komplexen Testszenarien zu testen, demonstrierte das Fraunhofer FOKUS. Das "eGovernment-Labor" hat mittlerweile mehr als 30 renommierte Partner, darunter Adobe, bos, Lexis-Nexis, OpenLimit, Symantec, Microsoft und der Landesbetrieb Daten und Information Rheinland-Pfalz (LDI), mit denen Integrationsszenarien auf dem dbb-Kongress präsentiert wurden. Erforscht werden im Labor außerdem so genannte regelbasierte Systeme im Rechtskontext, die in Zukunft schon bei der Formulierung von Gesetzen Widersprüche automatisch aufdecken sollen.

Wie können Verwaltung und Bürger konkret vom Trendthema "SOA" profitieren?

Das Fraunhofer ISST stellte in Leipzig seine praktischen Erfahrungen bei der Umsetzung von sicheren service-orientierten eGovernment-Infrastrukturen vor. Dank einer zentralen Software-Plattform kann beispielsweise die Berliner Senatsverwaltung jetzt einen "KiTa-Gutschein" anbieten, der zur Anmeldung bei jeder KiTa berechtigt - Mehrfachanmeldungen ausgeschlossen. Besonders wichtig hierbei: die eigentliche Software-Architektur und Sicherheitsfragen.

Welche Effizienzgewinne bringt IT in Umweltschutz und Innerer Sicherheit?

Eine Umweltüberwachung, die auch Ländergrenzen überwindet, verlangt nach einheitlichen IT-Systemen und Standards. Forscher des Fraunhofer IITB haben hierfür eGovernment-Lösungen entwickelt, die auch Mitarbeiter ohne spezielle Computerkenntnisse problemlos nutzen können. Mit mehreren Vorträgen und Exponaten wurden unter anderem innovative Gewässerinformationssysteme und eine Fernüberwachung für Kernreaktoren präsentiert.

Wie können Behörden eGovernment sicher machen?

IT-Sicherheit und Datenschutz sind wichtige Erfolgsfaktoren für das eGovernment und waren auf dem Kongress gefragte Themen. Neben technischen Schutzvorkehrungen geht es auch immer um organisatorische Umsetzung von Sicherheitsvorschriften. Mitarbeiter vom Fraunhofer SIT präsentierten neben Beratungs- und Fortbildungsangebote zum Thema IT-Sicherheitsmanagement auch den neuen Webkurs zum BSI-Grundschutz sowie Lösungen für sicheres mobiles eGovernment. Viel Resonanz fand der webbasierte PasswordSitter, der Benutzern erlaubt, die eigenen Passwörter bequem und sicher zu verwalten - gleichgültig an welchem Gerät sie gerade arbeiten.

Welche Potenziale bietet eGovernment für die Wirtschaft?

Dass vor allem an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Verwaltung große Potenziale für mehr Effizienz und Transparenz schlummern, demonstrierte das Fraunhofer IESE mit einem Internet-basierten System, über das Landwirte rund um die Uhr präzise Informationen über Lage und Ausdehnung ihrer bewirtschafteten Flächen abrufen können. Auf großes Interesse stieß auch ein Workshop über Strategien zur Steigerung der Akzeptanz neuer IT-Lösungen, wie etwa die Einbeziehung von Nutzern in Qualitätszirkel oder Pilottests, spezielle Qualifizierungsmaßnahmen oder eine Evaluation des Nutzerverhaltens.

Vorreiter im eGovernment: das Partnerland Rheinland-Pfalz

Petra Steffens vom Fraunhofer IESE stellte auf dem dbb-Kongress eine Studie vor, die systematisch die Kontakte rheinland-pfälzischer Unternehmen zu den Landesbehörden analysiert hatte. Die Studie kommt zu dem Zwischenergebnis, dass in den wenigsten Unternehmen -- vor allem nicht in den großen -- eine Gesamtsicht auf alle Behördenkontakte des Unternehmens besteht. Vielmehr hat jede Abteilung im Wesentlichen nur diejenigen Verwaltungsverfahren im Blick, die ihr eigenes Aufgabenfeld betreffen. Das zeigt sich darin, dass von Seiten der Verwaltung doppelt so viele Kontakte zwischen Behörden und Unternehmen gemeldet wurden, als die befragten Unternehmen ihrerseits angaben. Abhilfe könnte hier die Etablierung einer unternehmensweiten Verantwortlichkeit für eGovernment schaffen - ähnlich einem Umweltschutz- oder Qualitätsbeauftragten.

Das Fraunhofer eGovernment Zentrum bewertet seine Beteiligung am dbb-Kongress als Erfolg, insbesondere was die zahlreichen intensiven Fachgespräche anbelangt. Auch die Kongressbesucher begrüßten das stärkere Engagement der Wissenschaft, nun doch den auf allen Ebenen anlaufenden Modernisierungsprozess umfassend zu unterstützen. Die Leipziger Veranstaltung hat damit erneut ihre Vorreiterrolle als bundesweit wichtigste eGovernment-Plattform unter Beweis gestellt.

Pressekontakt:
Fraunhofer-Gruppe Informations- und Kommunikationstechnik
Veranstaltungsorganisation, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Alexander Gerber-Crawford, Informationswissenschaftler, M.A.
Friedrichstraße 60
10117 Berlin
Telefon: +49 (0)30 726 15 66 - 30
Fax: +49 (0)30 726 15 66 - 19
E-Mail: gerber@iuk.fraunhofer.de

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Weitere Informationen:
http://www.egov-zentrum.fraunhofer.de
http://www.iuk.fraunhofer.de

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