Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Jointventure zur Wiederverwertung von PET-Flaschen

18.12.2001


  • Ziel: Weltgrößter Recycler von PET-Flaschen
  • Kooperation führt zu einzigartiger Know-how-Bündelung
  • Neues Werk in Kaiserslautern

Auf einer Pressekonferenz in Frankfurt stellten die Unternehmensgruppe Freudenberg, Weinheim, und die Rethmann-Gruppe, Selm, ein Jointventure zur weltweiten Wiederverwertung von PET-Getränkeflaschen vor. Das Gemeinschaftsunternehmen soll im kommenden Jahr die Arbeit aufnehmen. Mit den bestehenden zwei Werken von Freudenberg in Italien sowie von Rethmann in Taiwan und den Niederlanden ist das Jointventure bereits jetzt eines der weltweit größten Unternehmen der Branche. Zu Beginn des kommenden Jahres wird mit dem Aufbau einer Produktion in Kaiserslautern begonnen. Weitere Expansionsprojekte werden in den USA und China in Angriff genommen. Das Jointventure beschäftigt einschließlich der neuen Arbeitsplätze in Kaiserslautern zunächst 200 Mitarbeiter und erwartet einen Umsatz von 65 Millionen Euro.

Weltweit werden pro Jahr rund 900.000 Tonnen Flaschen aus dem Kunststoff Polyester wiederverwertet. Der Markt wächst um jährlich 10 Prozent. In Deutschland ist der Einsatz von PET in der Getränkeindustrie in den vergangenen Jahren stark gestiegen, hat aber noch nicht das Niveau der südeuropäischen Länder und der USA erreicht. Mit der neuen Anlage in Kaiserslautern können 20.000 Tonnen Recyclat hergestellt werden, rund 50 neue Arbeitsplätze werden in der ersten Ausbaustufe entstehen. Das Werk wird so angelegt, dass die Produktionskapazitäten problemlos verdoppelt werden können.

Die Flaschen für Mineralwasser und Softdrinks werden gesammelt, der Polyesteranteil von anderem Abfall getrennt und zu Ballen von 400 Kilogramm Gewicht gepresst. Die Entsorgungslogistik und das Know-how der Mülltrennung gehören zu den Kernkompetenzen von Rethmann. In den Fabriken des Jointventures werden die Flaschen durch waschen, schreddern, flotieren, sortieren etc. zu sogenannten Flakes (Schuppen) aufgearbeitet oder in einem weiteren Arbeitsgang zu Chips (Granulaten) extrudiert. Auf diese Weise entstehen hochwertige Rohstoffe, die Freudenberg zu Vliesstoffen verarbeitet, aus denen Dachbahnen, Innensohlen für Schuhe, Autodachhimmel, Motorraumisolierungen, Filter oder Teppichbodenträger hergestellt werden. Freudenberg ist der Erfinder und weltweit größte Produzent von Vliesstoffen (Stoffe, die nicht gewebt werden müssen). Das Unternehmen verfügt heute über umfangreiches Know-how in der Verwendung von recycliertem PET für die Herstellung von Vliesstoffen.

"Wir erhalten auf diese Weise nicht nur Zugang zu kostengünstigen, hochwertigen Rohstoffen, wir entlasten gleichzeitig die Umwelt", sagt Dr. Albert Pürzer, Mitglied der Unternehmensleitung von Freudenberg. Für die Herstellung von 100 Tonnen Polyester müssen etwa 170 Tonnen fossile Brennstoffe eingesetzt werden, die bei der Wiederverwertung größtenteils eingespart werden. Beide Unternehmen verfügen über rund zehn Jahre Erfahrung im Recyceln von PET-Flaschen. Die Techniken sind ausgereift. Deshalb ist der Optimismus von Dr. Hermann Niehues, dem Vorstandsvorsitzenden der Rethmann AG & Co., gerechtfertigt: "Das Jointventure hat gute Perspektiven. Rethmann kann dadurch seine Aktivitäten in dem der Entsorgung nachgelagerten Glied der Wertschöpfungskette erweitern", sagte er in Frankfurt .

Freudenberg ist ein diversifiziertes Familienunternehmen mit Aktivitäten in den Bereichen Dichtungs- und Schwingungstechnik, Vliesstoffe, Haushaltsprodukte, Spezialschmierstoffe, Bausysteme, flexible Leiterplatten und IT-Dienstleistungen. Die Unternehmensgruppe beschäftigt rund 30.000 Mitarbeiter in 42 Ländern und erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 4,2 Milliarden Euro. "Als Familienunternehmen sind wir langfristig orientiert. Kooperationen, Allianzen und Partnerschaften sind dabei ein probates Mittel, um weltweit zügig zu wachsen und komplementäre Stärken anderer mit den unseren zu verbinden. Dieses Vorgehen spart Ressourcen und Zeit. Mit Rethmann haben wir einen Partner gefunden, der nicht nur über das Know-how und den Zugang zu den Märkten der Abfallentsorgung, sondern als Familiengesellschaft auch über eine ähnlich Firmenkultur und langfristige Orientierung verfügt", sagte Dr. Peter Bettermann, der Sprecher der Freudenberg-Unternehmensleitung.

Rethmann, eines der größten Entsorgungsunternehmen Europas, ist darüber hinaus aber auch in den Bereichen Schlachtabfall- und Tierkörperentsorgung und -verwertung (SARIA Bio-Industries) und Logistik (Spedition Rhenus) aktiv. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen einen Umsatz von 1,7 Milliarden Euro erzielt und rund 14.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Wolfgang Orians | ots

Weitere Berichte zu: Vliesstoff Wiederverwertung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index setzt Anstieg fort
22.06.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Beschäftigung legt weiter zu
29.05.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften