Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die "Borussia" - auch Wirtschaftsfaktor und Werbeträger für den Niederrhein

19.06.2006
Der Fußball-Bundesligist "Borussia Mönchengladbach" ist für die Stadt Mönchengladbach und die Region Niederrhein nicht nur ein sportliches Aushängeschild mit breitem Freizeitangebot, sondern auch ein ernst zu nehmender Wirtschaftsfaktor. Zu diesem Resultat kommt eine von den Professoren Dr. Rüdiger Hamm und Dr. Waike Moos gemeinsam mit Ronald Janßen-Timmen und Studierenden an der Hochschule Niederrhein durchgeführte Analyse der regionalwirtschaftlichen Effekte des Vereins. Sie wurde heute dem Management mit Präsident Rolf Königs an der Spitze in der Hochschule präsentiert.

Die "Borussia" beeinflusst die kommunale Wirtschaftsentwicklung demnach nicht allein als Impulsgeber für die Beschäftigung, sondern auch als Imageträger. Daneben stiftet sie Identifikation für die Bewohner der Stadt. Diese psychische Wirkung ist - bezogen auf die Nationalmannschaft - während der gegenwärtigen Fußball-WM gut zu verfolgen.

Die Untersuchung der Forschungsgruppe unterscheidet zwischen nachfrageseitigen und angebotsseitigen Effekten. Von den rund 37 Mio. € Gesamtausgaben des Vereins kurbeln 6,7 Mio. € als Sach- und Investitionsausgaben die regionale Wirtschaft an. Das erhöht die Produktion in der Region um fast 10 Mio. € und sichert rund 80 Arbeitsplätze. Anders ausgedrückt: Jede Million an Auftragssumme, die die Borussia an regionale Lieferanten vergibt, erhöht die Produktion in der Region um 1,47 Mio. € und sichert 12 Arbeitsplätze. Darüber hinaus bringen die Konsumausgaben der Borussia-Angestellten die Wirtschaft in Schwung. Rund 6,5 Mio. € treffen als Nachfrage auf die Händler und Dienstleister in der Region. Dadurch steigt die Produktion in der Region ebenfalls um 10 Mio. € und es werden noch einmal 66 Arbeitsplätze gesichert.

Jede Million, die die Borussia-Angestellten in der Region ausgeben, steigert die Produktion also um das 1,54-fache. Dies entspricht etwa 10 Arbeitsplätzen.

Insgesamt wächst die Produktion in der Region durch den Spiel- und Stadionbetrieb der Borussia sowie durch die Konsumausgaben ihrer Angestellten um fast 20 Mio. € und sichert damit 145 Beschäftigungsverhältnisse. Nimmt man die Borussia-Angestellten hinzu, so ergeben sich durch den Spiel- und Stadionbetrieb sowie die Konsumausgaben der Borussia-Beschäftigten knapp 270 Arbeitsplätze für die Region.

Die wirtschaftliche Relevanz der Borussia für die Stadt Mönchengladbach geht jedoch über die nachfrageseitigen Wirkungen spürbar hinaus. Dies belegen die Aussagen von Wirtschaftsförderern an Bundesligastandorten ebenso wie die der befragten Mönchengladbacher Einwohner. Diese Wirkungen stehen in Verbindung mit einer Steigerung des Bekanntheitsgrades (insbesondere im Inland, aber auch im Ausland), mit einer Verbesserung des kommunalen Images und mit einer stärkeren Identifizierung der Einwohner mit "ihrer" Stadt.

Während die genannten Wirkungen in ihrer Qualität klar auszumachen sind, bereitet ihre Quantifizierung Schwierigkeiten. Nur mit Hilfe von Indikatoren, die einen ungefähren Eindruck von den in Frage stehenden Effekten vermitteln, lassen sich die Effekte in €-Größen transformieren. So kann man den Betrag, den Mönchengladbacher Haushalte für den Erhalt "ihrer Borussia" aufzuwenden bereit wären, als ein Maß für die identitätssteigernden Effekte des Vereins verwenden; nach der Studie liegt er insgesamt zwischen 2,4 und 5,7 Mill. €. Die Ausgaben, die man für entsprechende Werbebotschaften im Fernsehen hätte tätigen müssen, dienen als Maß für die bekanntheitsgradsteigernden und imageverbessernden Wirkungen. Nach den hier vorgenommenen Schätzungen belaufen sie sich auf einen Wert zwischen 7,5 und 15 Mill. €. Die somit ermittelten €-Größen sind jedoch wegen ihres fiktiven Charakters mit einer gewissen Vorsicht zu genießen.

Die Untersuchung erlaubt eine weitere regionalpolitisch relevante Schlussfolgerung: Die Bitte an die Wirtschaftsförderer der Bundesligastädte um eine spontane Bewertung der kommunalwirtschaftlich relevanten Effekte von Fußballbundesligisten ergab einen Durchschnittswert von zwar beachtlichen 2,3 Mill.€. Dieser Wert bleibt jedoch deutlich hinter den Schätzungen von Rüdiger Hamm, Ronald Janßen-Timmen und Waike Moos zurück. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass die regionale Wirtschaftsförderung und -politik die wirtschaftliche Relevanz eines Fußballbundesligisten und die daraus resultierenden Möglichkeiten systematisch unterschätzt. Eine ganze Reihe gemeinsamer Aktivitäten zwischen der Borussia und den Wirtschaftsförderern deuten jedoch darauf hin, dass man diesbezüglich in Mönchengladbach schon weiter ist als andernorts.

"Die Ergebnisse sind eine Herausforderung für uns, noch mehr Gas zu geben, die Stadt mit einzubeziehen und ein Vorbild für andere zu sein, sich als Standortfaktoren zu präsentieren", so Borussen-Präsident Rolf Königs. Die Borussia werde mehr und mehr als Marke positioniert, was man den Fans jedoch "schonend" beibringen müsse. Spitzenfußball sei heute nicht nur Sport, sondern Rahmen für Business-to-Business-Aktivitäten. Seit der Umsiedlung in das neue Borussen-Stadion sei der wirtschaftliche Gewinn des Vereins noch einmal erheblich gesteigert worden. Königs zu den sportlichen Perspektiven: "Wir kennen jetzt alle Stadien der ersten und zweiten Liga, wir wollen jetzt in andere Stadien reisen".

Rudolf Haupt M.A. | idw
Weitere Informationen:
http://www.hs-niederrhein.de/

Weitere Berichte zu: Konsumausgabe Wirtschaftsfaktor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr bleibt niedrig
19.05.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht Atypische Beschäftigung: Zunahme bei Teilzeit und Leiharbeit, Zahl der Mini-Jobs geht leicht zurück
18.05.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Im Focus: XENON1T: Das empfindlichste „Auge“ für Dunkle Materie

Gemeinsame Meldung des MPI für Kernphysik Heidelberg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

„Das weltbeste Resultat zu Dunkler Materie – und wir stehen erst am Anfang!“ So freuen sich Wissenschaftler der XENON-Kollaboration über die ersten Ergebnisse...

Im Focus: World's thinnest hologram paves path to new 3-D world

Nano-hologram paves way for integration of 3-D holography into everyday electronics

An Australian-Chinese research team has created the world's thinnest hologram, paving the way towards the integration of 3D holography into everyday...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

Flugzeugreifen – Ähnlich wie PKW-/LKW-Reifen oder ganz verschieden?

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

22.05.2017 | Physik Astronomie

Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie