Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Aufholprozess in den neuen Bundesländern verläuft schneller als erwartet

19.11.2001


Die KfW hat mit einer umfangreichen Studie ermittelt, welche Faktoren die Wirtschaftsentwicklung in den ostdeutschen Regionen maßgeblich beeinflusst haben. Die Studienergebnisse stellte Hans W. Reich, Vorstandssprecher der KfW, heute in Berlin vor.

"Ein hervorzuhebendes Ergebnis der KfW-Studie ist, dass sich die Produktivitätslücke zwischen alten und neuen Bundesländern wesentlich schneller reduziert hat als erwartet. Diese Lücke schloss sich mehr als doppelt so schnell als erwartet, nämlich um durchschnittlich 5 Prozent jährlich. Pauschale Ost-West-Konzepte werden den Bedürfnissen der neuen Bundesländer nicht mehr gerecht", so Vorstandssprecher Reich. "Vielmehr müssen regional differenzierte, auf die spezifischen Problemlagen abgestimmte Lösungen gesucht werden. Unsere Studienergebnisse weisen auf eine von Region zu Region sehr unterschiedlichen Beschäftigungsentwicklung hin." Oft zeigen direkt benachbarte ostdeutsche Regionen stark unterschiedliche Beschäftigungstrends: Zum Beispiel Bitterfeld mit einem drastischen Beschäftigungseinbruch von minus 30 Prozent (-13.600 Beschäftigte) zwischen 1993 und 1999, und der an Bitterfeld angrenzende Saalkreis mit einem Plus von 50 Prozent (+8.300 Beschäftigte). Zu den Inhalten der Studie im Einzelnen:

Ostdeutsche Wirtschaftsentwicklung wird zunehmend durch regionale Wirtschaftspolitik und -förderung gestaltet

Die Wirtschaftsstruktur in den einzelnen Regionen ist noch immer durch die alten Leitindustrien geprägt: Dresden durch Mikroelektronik, Eisenach durch die Automobilbranche und Rostock durch den Schiffbau - wobei die Regionen mit gewachsenen "Leitsektoren" in expandierenden Märkten wie z. B. Dresden hinsichtlich der Wirtschaftsentwicklung begünstigt sind.

Jedoch wird die Wirtschaftsentwicklung mehr und mehr durch regionale Wirtschaftspolitik und -förderung beeinflusst. Es gibt einige Regionen, die sich - trotz geerbter unvorteilhafter Wirtschaftssektoren - durch Eigeninitiative besser entwickelt haben als erwartet. Als Beispiel nannte Reich die Region um Wismar, die zwar unter der Schiffbaukrise zu leiden hatte, aber vor allem durch den Aufbau neuer Wirtschaftszweige, z. B. der Holzverarbeitung, eine deutlich günstigere Beschäftigungsentwicklung aufweist als das benachbarte Rostock.

Wachstumspotential beim verarbeitenden Gewerbe mit überregionalen Absatzmärkten

In der ersten Hälfte der 90er Jahre sind die Branchen mit regionalen Absatzmärkten, wie zum Beispiel der Einzelhandel, am stärksten gewachsen, überwiegend unterstützt durch Transferleistungen. Danach hat sich das Wachstum vor allem auf Sektoren mit überregionalem Absatz verlagert, insbesondere das verarbeitende Gewerbe (zum Beispiel Chemie, Optik und Automobilindustrie). Dieses hat sich in Ostdeutschland überdurchschnittlich gut entwickelt (2000: 8,3 Prozent Wachstum). Sein Anteil liegt jedoch noch immer nur bei ca. 15 Prozent an der gesamten Wertschöpfung im Osten, wodurch die Bedeutung des verarbeitenden Gewerbes immer noch deutlich niedriger ist als im Westen (25 Prozent).

Darüber hinaus weist die KfW-Analyse darauf hin, dass es zwar eine ausreichend große Zahl an Unternehmen in Ostdeutschland gibt, dass jedoch die meisten Unternehmen zu klein sind, um typische Größenvorteile zu nutzen, z.B. Produktion bei sinkenden Durchschnittskosten oder Diversifizierungsmöglichkeiten. "Größere Unternehmen können auch für die Kleinen und Mittleren über Zulieferbeziehungen und andere Ausstrahleffekte eine Lokomotivfunktion übernehmen", sagte Reich.

Wirksamkeit von marktkonformen Förderinstrumenten bestätigt

Die KfW-Studie hat auch die Wirkung von wirtschaftspolitischen Förderinstrumenten untersucht, wie die der gemeinsame Investitionsförderung von Bund und Ländern und insbesondere auch der KfW. Für alle Maßnahmen lasse sich eine signifikant positive Wirkung auf die Regionalentwicklung nachweisen.

Seit 1990 hat die KfW in den neuen Bundesländern insgesamt Förderdarlehen über 88 Mrd EUR zugesagt und damit ein Investitionsvolumen von 158 Mrd EUR angestoßen. Allein 43 Mrd EUR hat die KfW für Investitionen in die Wohnungswirtschaft bereitgestellt. Damit wurde unter anderem die Modernisierung und Instandsetzung etwa jeder zweiten Wohnung in den neuen Bundesländern unterstützt. Auch die gewerbliche Wirtschaft hat mit 130.000 Zusagen über rund 37 Mrd EUR und den dadurch induzierten Investitionen von 68 Mrd EUR stark von der KfW-Förderung profitiert.

Sonja Contzen | ots

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Arbeitsmarkt bleibt im Aufwind
27.04.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland
25.04.2017 | Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie