Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Telekommunikation: große Zurückhaltung bei UMTS-Investitionen

14.11.2001


UMTS-Investoren sind in der Telekommunikationsbranche in der Minderheit: 54 Prozent der Unternehmen planen bis zum Jahr 2004 keine Investitionen in den neuen Übertragungsstandard - und warten mit ihren Budgets, bis sich die Unsicherheit im UMTS-Geschäft gelegt hat. Mittelfristig haben vielmehr E- und M-Commerce-Projekte Vorfahrt. Das ermittelte die Mummert + Partner Unternehmensberatung in Zusammenarbeit mit dem manager magazin und dem F.A.Z.-Institut im "Branchenkompass Telekommunikation". Dabei wurden 100 Führungskräfte der wichtigsten deutschen Telekommunikationsunternehmen nach ihrer Investitionsstrategie und Markteinschätzung befragt.

Der Markt für klassische Festnetz- und Mobilfunkangebote ist ausgereizt. Nahezu 70 Prozent der Deutschen sind inzwischen mit Handys versorgt. Wachstum entsteht für die Branche nur noch über neue Dienste, in die in den kommenden Jahren investiert wird. In 80 Prozent der Unternehmen stehen E-Commerce-Projekte oben bei der Investitionsplanung, M-Commerce ist bei 58 Prozent der Firmen ein Top-Thema. Nur 46 Prozent der Unternehmen haben mittelfristig UMTS auf der Agenda. Jede dritte Firma, die für UMTS-Dienste wenigstens ein Zehntel ihres Investitionsetats vorsieht, forciert GPRS als Brückenlösung. Wichtiger Erfolgsindikator für UMTS: GPRS als Zwischenlösung soll zeigen, was sich an Technik und Diensten Gewinn bringend verkaufen lässt. Hat sich UMTS am Markt durchgesetzt, hoffen die Firmen ihr Angebot in kurzer Zeit auf den neuen Standard übertragen zu können. Selbst in verwandte innovative Technologien wie die lokale Datenfunktechnik WLAN, die eine sinnvolle Ergänzung zu UMTS darstellen könnte, investieren nur vier Prozent.

Firmen ohne UMTS-Lizenzen gehen auf Nummer sicher und investieren lieber in altbewährte Techniken: Internet, Netztechnik und Software stehen ganz oben auf der Einkaufsliste. Eine wichtige Ursache für den Aufbau von Netzkapazitäten: Der elektronische Handel steht nach Ansicht der Führungskräfte vor seiner Blütezeit. 40 Prozent glauben an einen Umsatzzuwachs von jährlich bis zu 50 Prozent bis 2010. Doch Vorsicht vor der "WAP-Falle": Bereits die rein technisch orientierte Markteinführung dieses Datendienstes hat gezeigt, dass der Verbraucher nicht an Technologie, sondern an attraktiven Anwendungen interessiert ist.

Weniger die Technik, sondern vielmehr kundenorientierte Mobilfunkdienste sollen deshalb den Käufern UMTS-Geräte schmackhaft machen.

M-Commerce, Location-based Services, die Übertragung von Videoclips, mobile Informationsdienste und das M-Banking schälen sich dabei als wichtigste Angebote heraus. Hier erwartet die Mehrzahl der Befragten eine Amortisation der Investitionen innerhalb von fünf Jahren.

Befragt, ob Privat- und Geschäftskunden bereit seien, für UMTS-Dienstleistungen zu zahlen, zeigten sich die Entscheider zuversichtlich. So rechnen 80 Prozent der Experten bei den Verbrauchern mit einer guten Zahlungsbereitschaft für den mobilen E-Mail-Verkehr. 77 Prozent sind davon überzeugt, mit dem mobilen Internetzugang Umsätze generieren zu können. Die Rentabilität wird wesentlich skeptischer gesehen: Die Mehrheit der Befragten erwartet lediglich bei Internet- und Informationsdiensten hinreichend hohe Deckungsbeiträge. Hier rächt sich womöglich der derzeitige Mangel an innovativen Ideen, welche neuartigen Dienste beim Kunden profitabel verkauft werden können. Im Altbewährten steckt offensichtlich zu wenig Potenzial für attraktive Margen.

UMTS ist vor allem im Firmenkundengeschäft für die Telekommunikationsunternehmen attraktiv: Die Palette der UMTS-Dienste, für die sich die Kunden zahlungsbereit zeigen, ist bei privaten Kunden zwar um 17 Prozent größer als bei Geschäftskunden. Die Deckungsbeiträge fallen jedoch bei Privatkunden deutlich geringer aus als bei Geschäftskunden. Im Firmensegment sehen 79 Prozent der Experten die Deckungsbeiträge, mit denen sich UMTS- und andere neuartige Dienste amortisieren werden. Elf Prozent der befragten Unternehmen planen deshalb zum Beispiel ein erweitertes mobiles Büro mit Zugriff auf den Schreibtischcomputer.

Nur jeder Zehnte will auf eigene Faust in das UMTS-Geschäft einsteigen: Die große Mehrheit der UMTS-Investoren sucht nach Kostensenkungspotenzialen durch Kooperationen und Fusionen. Nach Unternehmensangaben betragen diese 30 bis 40 Prozent. Knapp vier von fünf Unternehmen suchen derzeit nach geeigneten Partnern. Jedes zweite Unternehmen spricht dabei Betriebe aus der eigenen Branche sowie der Informationstechnologie an. Branchenfremde Partner, die sich für die Erschließung weiterer bahnbrechender Anwendungen für innovative UMTS-Dienste eigneten, würden dagegen noch übersehen, so Mummert + Partner. Der "Branchenkompass Telekommunikation" stellt die Investitionsstrategien und -planungen dar, mit denen sich Telekommunikationsunternehmen mittelfristig auseinander setzen. Die Studie beruht auf einer Befragung von 100 Top-Managern aus führenden Unternehmen der Branche im September 2001 durch PRIME research international.

Jörg Forthmann | ots
Weitere Informationen:
http://www.mummert.de

Weitere Berichte zu: UMTS

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index weiter aufwärts gerichtet
23.03.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht RWI erhöht Konjunkturprognose für 2017 leicht auf 1,3 Prozent
15.03.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise