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Studierende auf Exkursion in Afrika

07.11.2001


Zu Besuch im Builders Training Centre in Soweto


Der Fachbereich Technische Betriebswirtschaft der Märkischen Fachhochschule (MFH) ist bekannt für seine internationalen Exkursionen. Bereits schon Tradition ist die jährliche Exkursion mit 25 Studierenden zur Partnerhochschule nach New York, vor zwei Jahren untersuchte man die Märkte in Südamerika, davor in China und in diesem Jahr ging es unter der Leitung von MFH-Professor Dr. Gunther Bamler nach Afrika.

"Mehr als 14 Tage standen uns leider nicht zur Verfügung", so Prof. Bamler, der an der MFH das Lehrgebiet Auslandsabsatz vertritt. "Den Japanern nacheifernd, die "Europa in fünf Tagen" schaffen, mussten wir zwar leider auf Details verzichten, aber der Überblick war ja unser Ziel, von jeden etwas, aber nicht zu lang. Wir wollten Afrika als Ganzes erfahren, die unterschiedlichen Länder und Märkte."

Kapstadt in Südafrika war das erste Ziel. Dort stand der Besuch einer Textilfabrik für Damenoberbekleidung auf dem Programm. Die von einem Deutschen geführte Fabrik produziert mit rund 700 Mitarbeitern und modernster technischer Ausstattung ausschließlich für den südafrikanischen Markt. Auch das vorgeschriebene Quotenverfahren wird dort strikt eingehalten, sodass in der Führungsetage gleich viele weiße und schwarze Manager anzutreffen sind. In Soweto, der berühmtesten Township Südafrikas, wurde das Builders Training Centre besichtigt. Es ist mit einem deutschen Berufsbildungszentrum vergleichbar. Die Bewohner Sowetos können dort in drei Jahren eine Qualifikation als Maurer, Schreiner oder Sanitärinstallateur erwerben. In Pretoria waren die Nissan Automobilwerke Exkursionsziel. Hier werden vor allem die Pickups montiert, die in ganz Afrika zu den beliebtesten Fahrzeugen zählen. Bei Nissan Südafrika ist noch Handarbeit angesagt: 7,5 Fahrzeuge schafft dort ein Angestellter pro Monat, rein statistisch gesehen. Im Vergleich: In deutschen Autofabriken werden um die 20, in Japan sogar bis zu 35 Fahrzeuge fertiggestellt.

In Mocambique besuchten die Studierenden eine Schuhfabrik für Sicherheitsschuhe. Das portugiesische Unternehmen nutzt die niedrigen Lohnkosten. um preisgünstig für den portugiesischen Markt zu produzieren. Je nach Prämie beträgt der Monatslohn zwischen 40 und 80 Dollar. Interessant und völlig neu war für die Gruppe, dass bei der Besetzung der betrieblichen Stellen nicht nur allein auf die fachliche Kompetenz geachtet werden darf, sondern auch auf die familienbedingte Rangordnung der Afrikaner. So musste ein Vorarbeiter, obwohl fachlich bestens qualifiziert, in eine andere Position versetzt werden, weil sein familienbedingter Rang niedriger war als der Rang derjenigen, die er zu leiten hatte. In Kenia war das Geothermal-Kraftwerk Ziel der Studierenden. Im zentralafrikanischen Graben gelegen, kann die Erdkruste schon bei 2000m durchbohrt werden, so dass aus dem Erdinneren heißer Dampf mit 400° Celsius entweicht, der die dortigen Turbinen antreibt.

Neben den wirtschaftlichen Aspekten stand für die Studierenden auch das Kennenlernen des Kontinents mit all seinen menschlichen, gesellschaftlichen und landschaftlichen Facetten im Vordergrund. So konnte die Reisegruppe beispielsweise einen Eindruck von der einzigartigen Landschaft während der Bahnfahrt von Mocambique nach Südafrika oder während des Besuchs der zahlreichen Nationalparks gewinnen. Andere Länder, andere Sitten: In Durban gab es beim Abendessen für die Männer 50 % Rabatt auf Speisen und Getränke, allerdings nur, wenn die Damen an einem anderen Tisch getrennt saßen und dort voll bezahlten. Auch wenn zwei Studenten in Durban von Kriminellen bedroht und ausgeraubt wurden, so waren alle Teilnehmer mit dem Exkursionsverlauf mehr als zufrieden. "Es klappte alles wie am Schnürchen", so das Fazit von Prof. Bamler, "von der vielzitierten afrikanischen Unpünktlichkeit und Unzuverlässigkeit war nichts zu merken, auf die Hochschulgruppe wartete stets ein Bus zur Weiterreise und für jeden Teilnehmer gab es am Abend ein sauberes eigenes Bett, wenn auch zuweilen erst nach Diskussionen mit dem Hotelpersonal.

Birgit Geile-Hänßel | idw

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