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Wachstumswunder Gesundheitswirtschaft kann schlecht durchstarten

22.03.2006


Achillesferse bei Arbeit und Qualifizierung - Institut Arbeit und Technik zur Zukunft der Arbeit im Gesundheitssektor



Dass Ärzte derzeit für bessere Arbeitsbedingungen streiken, ist nur die Spitze des Eisbergs von Problemen im Gesundheitswesen. Das Wachstumswunder Gesundheitswirtschaft lahmt: Achillesferse sind insbesondere Probleme bei Arbeitsgestaltung und Qualifizierung. Die zersplitterte Qualifizierungslandschaft in den Gesundheitsberufen muss übersichtlicher werden, mehr Qualität und bessere Karrierechancen bieten, Effizienz und Qualität der Branche müssen durch leistungsfähigere Arbeitsprozesse und bessere Arbeitsbedingungen gesteigert werden. Im soeben erschienenen Handbuch Gesundheitswissenschaften plädieren die IAT-Wissenschaftler PD Dr. Josef Hilbert und Michaela Evans dafür, Fragen von Qualifikation und Arbeitsorganisation stärker zu berücksichtigen, um die Gesundheitswirtschaft grundlegend zu modernisieren.



Nach Berechnungen des Instituts Arbeit und Technik (IAT/ Gelsenkirchen) arbeiten bundesweit 4,5 Millionen Beschäftigte in der Gesundheitsbranche. In den kommenden 15 Jahren kann mit 450 000 bis 850 000 zusätzlichen Arbeitsplätzen gerechnet werden. Aber die Arbeit in der Gesundheitswirtschaft ist schlecht organisiert und führt zu hohen Belastungen für das Personal. Vor allem in den Pflegeberufen sind die Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten gering, die wechselnden Arbeitszeiten werden von den Beschäftigten häufig als sehr belastend empfunden und trotz hoher Teilzeitquote ist die Arbeit in Beruf und Familie nur schwierig miteinander zu vereinbaren. Gerade auch junge Ärztinnen mit Kindern können ihre Weiterbildungszeit in der Facharztausbildung nur begrenzt flexibel organisieren.

Die Folge sind Personalengpässe, die sich voraussichtlich noch verschärfen werden. Allein in der stationären Altenhilfe fehlen derzeit etwa 20 000 zusätzliche Pflegekräfte, mit 19 Prozent ist die Fluktuation in stationären Alten- und Pflegeeinrichtungen hoch und jede 5. examinierte Pflegekraft in Deutschland denkt intensiv an einen Berufsausstieg. Schwangerschaft und Kindererziehung sind derzeit mit Abstand der wichtigste Grund für den Ausstieg, fehlende Möglichkeiten Beruf und Familie zu vereinbaren behindern dann den beruflichen Wiedereinstieg.

In der Praxis der Qualifizierung für die Gesundheitsberufe stellt sich konkret die Frage, ob Struktur und Qualität der beruflichen Bildung den gewandelten fachlichen Anforderungen noch gerecht werden. Eine grundlegende, umfassende und systematische berufsbildungspolitische Reform steht für die Gesundheitsberufe insgesamt noch aus. Die Akademisierung der Pflegeberufe ist dabei keineswegs der Königsweg. Vielmehr besteht hierbei die Gefahr einer Polarisierung zwischen akademisch ausgebildeten Pflegekräften und einem Hilfssystem weniger gut ausgebildeter Beschäftigter. Eines der Hauptprobleme der Gesundheitsbranche - Defizite und Reibungsverluste beim patienten- und kundenorientierten Zusammenspiel - wird durch eine solche Arbeitsteilung nicht zufrieden stellend gelöst werden können. Vor diesem Hintergrund sollte zukünftig verstärkt das Zusammenspiel der Qualifikationen im betrieblichen Modernisierungsprozess herausgearbeitet werden. Sinnvoll wäre zudem eine Anbindung an die berufspädagogischen Standards des dualen Ausbildungssystems in Deutschland.

Evans, Michaela / Hilbert, Josef, 2006: Die Gestaltung von Arbeit und Qualifizierung: Schlüsselherausforderung und Archillesferse für die Zukunft der Gesundheitswirtschaft. In: Pundt, Johanne (Hrsg.): Professionalisierung im Gesundheitswesen: Positionen, Potenziale, Perspektiven. Bern: Huber, S. 193-212

Für weitere Fragen stehen
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Michaela Evans
Durchwahl: 0209/1707-121
PD Dr. Josef Hilbert
Durchwahl: 0209/1707-120

Pressereferentin
Claudia Braczko
Munscheidstraße 14
45886 Gelsenkirchen
Tel.: +49-209/1707-176
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Claudia Braczko | idw
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