Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

An der Börse oder daran vorbei? - Für Privatinvestoren keine Entweder-Oder-Frage!

02.03.2006


Unter der Überschrift "An der Börse oder daran vorbei" befragten die Universität Augsburg und das FZI Forschungszentrum Informatik in Karlsruhe insgesamt 1.804 Privatinvestoren zum Online Brokerage. Das wesentliche Ergebnis dieser Befragung lässt sich in drei Feststellungen umschreiben: 1) Die Einstellungen der Privatinvestoren zum börslichen bzw. zum außerbörslichen Handel lassen sich nicht auf ein reines "Dafür" oder "Dagegen" reduzieren. 2) Die Wahl des Transaktionsweges wird stark durch das Produkt motiviert, wobei innovative Produkte den außerbörslichen Handel stärken. 3) Bei transaktionsabhängigen Geschäftsmodellen sind außerbörslich Erfahrene interessante Kunden - für Marktbetreiber wie auch für Online Broker.



Online-Brokerage steht für die selbstbestimmte Abwicklung von Wertpapiergeschäften durch Privatinvestoren via Internet. In Deutschland sind es mittlerweile wieder weit über zwei Millionen Privatinvestoren die regelmäßig über einen Online Broker oder die Online Brokerage-Funktionalität ihrer Geschäftsbank handeln. Was motiviert diese Privatinvestoren zum Handeln, was dazu, entweder dem börslichen oder aber dem außerbörslichen Handel den Vorzug bei der Durchführung von Transaktionen zu geben?



Den bislang weitgehend nicht hinterfragten Motiven ging jetzt eine Online-Umfrage auf den Grund. Diese Umfrage wurde als ein Gemeinschaftsprojekt des von Prof. Buhl geleiteten Kernkompetenzzentrums IT & Finanzdienstleistungen der Universität Augsburg und des Forschungsbereichs Information Process Engineering (Gruppe Prof. Weinhardt) des Forschungszentrum Informatik (FZI) in Karlsruhe in der Zeit vom 22. Juli 2005 bis zum 22. August 2005 durchgeführt. Insgesamt konnten - mit der Hilfe von mehreren großzügigen Werbepartnern aus dem Finanzbereich - weit über 5.000 Teilnehmer zur Teilnahme an der Befragung animiert werden, von denen 1.804 Personen in die Auswertung eingingen.


1) Die Einstellungen zum börslichen bzw. zum außerbörslichen Handel lassen sich nicht auf ein reines "Dafür" oder "Dagegen" reduzieren

Von den befragten Privatinvestoren gibt ein Drittel an, noch nie außerbörslich gehandelt zu haben. Das fehlende Vertrauen in die Sicherheit und Ordnungsmäßigkeit spielt hier offensichtlich eine wesentliche Rolle. Umgekehrt kann allerdings nicht bestätigt werden, dass die Teilnehmer an außerbörslichen Märkten generell wagemutige Spieler sind, denn: Das selbst angegebene Risikoprofil und die Bereitschaft, sich außerbörslich zu engagieren, erweisen sich als signifikant unabhängig voneinander.

Vielmehr scheinen Investoren den "Außerbörslichen Handel" mit steigender Handelserfahrung zunehmend als wertvolle Alternative wahrzunehmen und dann zielgerichtet einzusetzen. Die offensichtlich wichtigsten Argumente: die Erwartung niedrigerer Transaktionsgebühren und einer schnelleren Ausführung.

"Für die Handelsplatzentscheidung sind aber offensichtlich nicht nur personenspezifische Merkmale ausschlaggebend, vielmehr spielt vor allem die transaktionsspezifische Situation eine entscheidende Rolle. Denn", so Dr. Holtmann vom FZI, "im untersuchten Sample hängt die außerbörsliche Aktivität stark vom jeweils gehandelten Produkt ab, und es wird außerbörslich signifikant häufiger gekauft als verkauft".

2) Die Wahl des Transaktionsweges wird stark durch das Produkt motiviert, wobei innovative Produkte den außerbörslichen Handel stärken

Zwar bleiben die Börsen bei fast allen abgefragten Produktkategorien auch weiterhin der in Summe am häufigsten genannte Transaktionsweg, gerade bei den außerbörslich erfahrenen Investoren und bei den innovativeren Produkten wie den Zertifikaten machen die außerbörslichen Handelsoptionen in den letzten Monaten aber Boden gut: 20 Prozent der außerbörslich Aktiven im Sample wurden zum außerbörslichen Handel erst im letzten Jahr animiert.

Aktien und Aktienanleihen werden von mehr als 75 Prozent der Befragungsteilnehmer hauptsächlich an börslichen Handelsplätzen gehandelt. Mehr als ein Drittel der außerbörslich Erfahrenen nutzt jedoch für Aktiengeschäfte die angebotenen Alternativoptionen. Knock-out-Produkte sind dabei das Vorzeigeprodukt für den außerbörslichen Handel. 53 Prozent der Befragungsteilnehmer geben an, beim Kauf von Knock-out-Produkten hauptsächlich außerbörslich zu ordern, und unter den außerbörslich Erfahrenen sind es sogar 80 Prozent. Anders beim Verkauf: Hier sind es lediglich 48 bzw. 73 Prozent. Je nach Produktkategorie geben 36 bis 40 Prozent der Befragungsteilnehmer bei den unterschiedlichen Anlagezertifikaten und Optionsscheinen an, diese hauptsächlich außerbörslich zu ordern.

3) Bei transaktionsabhängigen Geschäftsmodellen sind außerbörslich Erfahrene interessante Kunden - für Marktbetreiber wie auch für Online Broker

Kunden mit hohem Depotvolumen gelten als attraktive Kunden. Ein höheres individuelles Bruttoeinkommen und Depotvolumen der Teilnehmer führt zu durchschnittlich höheren Transaktionsvolumina. Die Transaktionshäufigkeit - für die meisten Geschäftsmodelle die zentrale Größe - wird aber dadurch nicht signifikant beeinflusst. Über 90 Prozent aller Retailtrades bewegen sich abhängig vom Produkt zumeist deutlich unter 10.000 Euro. Insgesamt dürfte der Effekt der höheren Volumina auf die Umsätze der Broker und Börsen aufgrund der unterschiedlichen Erlösmodelle zwar unterschiedlich ausfallen, von zwingender Bedeutung für eine segmentspezifische Kundenansprache scheint er aber nicht zu sein.

Die außerbörslich erfahrenen Investoren sind insofern interessant, als sie auch die allgemein aktiveren sind. Aufgrund der typischerweise transaktionsgebundenen Geschäftsmodelle der sell-side - also der Dienstleister im Wertpapierhandel - sind sie somit auch für Online-Broker und Marktplatzbetreiber die eigentlich interessanten Kunden. Da sie häufig transaktionsspezifisch zwischen den Marktalternativen wählen, ist es für den Erfolg eines Online Brokers wichtig, die relevanten Handelsoptionen im börslichen und außerbörslichen Bereich angebunden zu haben. "Dabei reicht es jedoch bei weitem nicht aus, möglichst viele verschiedene Handelsplätze anzubieten", so Projektleiter Dr. Kundisch vom Augsburger Kernkompetenzzentrum: "Ganz entscheidend sind offensichtlich auch Qualität, Geschwindigkeit und Personalisierbarkeit des zur Verfügung gestellten Frontends zur Ordereingabe".

KONTAKT UND WEITERE INFORMATIONEN:

Dr. Dennis Kundisch
Lehrstuhl für BWL, Wirtschaftsinformatik & Financial Engineering
Kernkompetenzzentrum IT & Finanzdienstleistungen
Universität Augsburg
86135 Augsburg
Tel.: 0821-25923-19
E-Mail: dennis.kundisch@wiwi.uni-augsburg.de

Dr. Carsten Holtmann
FZI Forschungszentrum Informatik
Forschungsbereich Information Process Engineering
76131 Karlsruhe
Tel.: +49 / (0)721 / 96 54 850
E-Mail: holtmann@fzi.de

Klaus P. Prem | idw
Weitere Informationen:
http://www.wi-if.de
http://www.fzi.de/ipe
http://www.wi-if.de/publikationen

Weitere Berichte zu: FZI Privatinvestor Transaktionsweg

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index weiter aufwärts gerichtet
23.03.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht RWI erhöht Konjunkturprognose für 2017 leicht auf 1,3 Prozent
15.03.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise