Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Arbeitszeiten im deutschen öffentlichen Dienst: Auf dem Weg zur Spitze in Europa?

24.02.2006


Abbildung 1: Tarifvertragliche Wochenarbeitszeit abhängig Vollzeitbeschäftigter im öffentlichen Dienst* in der EU (2004) Quelle: eiro-online / Institut Arbeit und Technik


Abbildung 2: Durchschnittliche gewöhnliche Wochenarbeitszeit abhängig Vollzeitbeschäftigter im öffentlichen Dienst* in der EU (2004) Quelle: Europäische Arbeitskräftestichprobe / Institut Arbeit und Technik


Institut Arbeit und Technik legt Zahlen zu tariflichen und tatsächlichen Arbeitszeiten im öffentlichen Dienst vor

... mehr zu:
»EU-Land »IAT

Vollzeitbeschäftigte im öffentlichen Dienst arbeiten in Deutschland heute bereits länger als ihre Kolleginnen und Kollegen in anderen EU-Ländern. Würden die tarifvertraglichen Arbeitszeiten im öffentlichen Dienst weiter verlängert, wäre damit zu rechnen, dass Deutschland bei den tatsächlichen Arbeitszeiten mit deutlich über 40 Wochenstunden an die Spitze der EU rücken würde. Darauf machte jetzt das Gelsenkirchener Institut Arbeit und Technik (IAT) aufmerksam, das Zahlen zu den tariflichen und tatsächlichen Arbeitszeiten der Beschäftigten im öffentlichen Dienst in den EU-Ländern vorlegte.

"Der Blick über die Grenzen kann hilfreich sein", wie IAT-Forschungsdirektor Dr. Steffen Lehndorff meint. Im öffentlichen Dienst Deutschlands sind die tariflichen Arbeitszeiten länger als der EU-Durchschnitt von 38 Wochenstunden (Abbildung 1). Die tarifvertragliche 40-Stunden-Woche gibt es neben Luxemburg und Österreich vor allem in neuen EU-Mitgliedsländern. Im Durchschnitt aller zehn neuen EU-Länder hat die tarifvertragliche Arbeitszeit mit 39,4 Wochenstunden jedoch bereits deutlich die 40-Stunden-Marke unterschritten, über die sich ein Teil der öffentlichen Arbeitgeber Deutschlands nun in entgegengesetzter Richtung hinaus bewegen will. In Dänemark und den Niederlanden, deren Arbeitsmarktregulierung häufig als vorbildlich für Deutschland dargestellt wird, sehen die Tarifverträge im öffentlichen Dienst mit 37 bzw. 36 Wochenstunden deutlich kürzere Arbeitszeiten als in Deutschland vor. Tarifvertragliche Arbeitszeiten von mehr als 40 Wochenstunden, wie von einem Teil der Bundesländer angestrebt, gibt es in keinem EU-Land mehr.


Hinzu komme, so der IAT-Arbeitszeitforscher Lehndorff weiter, dass die tarifvertraglichen Arbeitszeiten der Vollzeitbeschäftigten eine Sache seien, ihre tatsächlich gearbeiteten Wochenstunden dagegen eine andere - dank bezahlter, unbezahlter und auf Arbeitszeitkonten geparkter Überstunden. Das IAT hat dazu die neuesten bei der europäischen Statistikbehörde Eurostat vorliegenden Daten ausgewertet: 2004 wurde in den öffentlichen Verwaltungen Deutschlands üblicherweise 39,8 Stunden pro Woche gearbeitet, das sind 1,3 Stunden über Tarif. Im EU-Vergleich zeigt sich, dass in den öffentlichen Verwaltungen Deutschlands bereits ohne die von einem Teil der öffentlichen Arbeitgeber angestrebten Tarifänderungen überdurchschnittlich lange gearbeitet wird. (Abbildung 2).

Der IAT-Experte plädiert deshalb für eine realistische Bestandsaufnahme der Arbeitszeitrealitäten in der aktuellen Tarifauseinandersetzung: "Im deutschen öffentlichen Dienst sind bislang zwar längere Arbeitszeiten als in der Privatwirtschaft vereinbart worden, aber sie wurden dann verbindlicher eingehalten, so dass es im Schnitt ungefähr auf das Gleiche hinauslief. Wenn es jetzt im öffentlichen Dienst zu tariflichen Arbeitszeitverlängerungen käme, würden diese unmittelbar auf die tatsächlichen Arbeitszeiten durchschlagen. Dieser Effekt ist heute bereits z.B. bei den neu abgeschlossenen und befristeten Arbeitsverträgen in den Ländern zu beobachten. Da im öffentlichen Dienst derzeit de facto im Schnitt rund 40 Stunden pro Woche gearbeitet wird, wären Arbeitszeiten von deutlich mehr als 40 Wochenstunden zu erwarten."

Für weitere Fragen steht Ihnen zur Verfügung:
Dr. Steffen Lehndorff
Durchwahl: 0209/1707-223
E-Mail: lehndorff@iatge.de

Pressereferentin
Claudia Braczko
Munscheidstraße 14
45886 Gelsenkirchen
Tel.: +49-209/1707-176
Fax: +49-209/1707-110
E-Mail: braczko@iatge.de
info@iatge.de

Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://www.iatge.de

Weitere Berichte zu: EU-Land IAT

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Praktisch keine Rezessionsgefahr, Wirtschaft auf stabilem Aufschwungpfad
15.11.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer steigt kräftig
30.10.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte