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Amerikanische Produzenten versuchen es gut und billig; die deutschen mit Technik und Flexibilität

22.10.2001


Qualitätssicherung nach ISO 9000 in US-Betrieben nicht üblich / US-Firmen sorgen sich mehr um Qualifizierung als um organisatorische Erneuerung / Analyse des Fraunhofer ISI


Strategische Orientierung von über 1300 deutschen Firmen im Vergleich zu knapp 200 Betrieben aus dem amerikanischen Bundesstaat Georgia. Georgia hat eine ähnliche Unternehmensstruktur wie die Vereinigten Staaten insgesamt


Unterschiedliche Schwerpunkte beim Technikeinsatz und -planungen zwischen den deutschen und US-amerikanischen Betrieben. Nur beim Verkauf über das Internet nimmt die USA im Vergleich zu Deutschland noch eine deutliche Vorreiterrolle ein



In ihren Wettbewerbsstrategien setzen amerikanische Firmen vorzugsweise auf Qualität und auf einen niedrigen Produktpreis. Deutsche Unternehmen favorisieren dagegen innovative Produkte und richten sich stärker nach den Wünschen der Kunden. Das zeigt eine Analyse des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe. Die Wissenschaftler untersuchten rund 1400 Firmen der deutschen Investitionsgüterindustrie und verglichen sie mit 232 US-Firmen, die an einer parallelen Umfrage des Institute of Technology im Bundesstaat Georgia teilgenommen hatten.

Ein weiteres Ergebnis des Vergleichs: US-Firmen sind im Gegensatz zur gängigen Annahme beim E-Business nicht generell führend. Deutsche Betriebe setzen bei der Beschaffung von Zulieferteilen und Materialien inzwischen häufiger auf das Internet als amerikanische: 22 Prozent im Vergleich zu 19 Prozent in den Vereinigten Staaten. In den USA flacht zudem die Verbreitungskurve des electronic procurement bereits wieder ab. Die Fraunhofer-Forscher schließen daher auf eine Ernüchterung hinsichtlich der Möglichkeiten dieser Technik.


Der Untersuchung zufolge sehen deutsche Firmen ferner organisatorische Maßnahmen zur Produktionsmodernisierung mit 33 Prozent sehr viel häufiger als essenziell an als Betriebe in den Vereinigten Staaten. Dort liegt der Wert bei 18 Prozent. Damit scheint die vom MIT in Boston ausgegangene Debatte zur schlanken Produktion in Deutschland breiter aufgenommen worden zu sein als in ihrem Ursprungsland.

Die geringe Gewichtung organisatorischer Innovation in der US-Investitionsgüterindustrie fusst dabei nicht auf einer bereits erfolgten, breiteren Umsetzung der neuen Produktionskonzepte. Eine kunden- oder produktgruppenorientierte Segmentierung der Fertigung ist doppelt so häufig anzutreffen wie in den USA. Die Fraunhofer-Wissenschaftler machen die anders gelagerten Qualifikationsstrukturen dafür verantwortlich. Personelle Maßnahmen wie Qualifizierung werden denn auch von den meisten Betrieben in den USA als sehr wichtig angesehen.


Einige Ergebnisse im Einzelnen:

42 Prozent der US-Firmen stellen die Qualität ihrer Produkte ins Zentrum ihrer Unternehmensstrategie. Produktqualität ist damit die bei weitem meist genannte strategische Zielgröße. In Deutschland verfolgen demgegenüber nur 29 Prozent der Firmen das Ziel der Qualitätsführerschaft. Dennoch ist die Zertifizierung von Qualitätssicherungssystemen zum Beispiel nach ISO 9000 in den Vereinigten Staaten nicht üblich. In Deutschland ist das Audit dagegen fast selbstverständlich: Gut zwei Drittel der Investitionsgüterbetriebe sind zertifiziert. In den USA ist es ein Fünftel.

Die Anpassung der Produkte an Kundenwünsche hat in Deutschland einen hohen Stellenwert. 26 Prozent aller deutschen Firmen gab an, strategisch hierauf ausgerichtet zu sein. Doch auch 16 Prozent der US-Firmen setzen auf diese Strategie.

Ebenso haben innovative und technologisch hoch stehende Produkte für sehr viele deutsche Unternehmen strategische Priorität. Ein Viertel (26 Prozent) der deutschen Firmen gab an, diese Strategie zu verfolgen. Der entsprechende Wert in den USA liegt mit 9 Prozent deutlich niedriger.

Das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI erweitert das naturwissenschaftlich-technisch orientierte Fachspektrum der Fraunhofer-Gesellschaft um wirtschafts- und gesellschaftspolitische Aspekte. Dazu analysiert es technische Entwicklungen sowie deren Marktpotenziale und Auswirkungen auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Die interdisziplinär zusammengesetzten Teams des Instituts konzentrieren sich insbesondere auf die Bereiche Energie, Umwelt, Produktion, Kommunikation und Biotechnologie sowie auf die Regionalforschung und Innovationspolitik.


Dipl.-Phys. Gerhard Samulat | idw
Weitere Informationen:
http://www.isi.fhg.de/pr/2001de/pri182001.htm

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