Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Analyse zur Globalisierung: Entwicklungsländer mit kontrollierter Marktöffnung haben Erfolge

25.01.2006


Das Ziel der Vereinten Nationen, die weltweite Armut bis 2015 zu halbieren, ist mit undifferenzierter Liberalisierungspolitik nicht zu erreichen. Wirtschaftliche Erfolge erzielen derzeit gerade jene asiatischen Entwicklungsländer, die bei der Öffnung zum Weltmarkt eher kontrolliert vorgehen. Das sind Ergebnisse einer Analyse des langjährigen Beraters der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), Dr. Werner Sengenberger. Dagegen erlitten afrikanische und lateinamerikanische Staaten Einbußen, nachdem sie unter dem Einfluss internationaler Finanzinstitutionen etwa Beschränkungen sehr rasch abgebaut hatten. "Internationaler Handel und Kapitalverkehr führen nicht automatisch zu wirtschaftlichem Wachstum und mehr und besserer Beschäftigung", resümiert Sengenberger in der aktuellen Ausgabe der WSI-Mitteilungen.



ILO-Daten zu regionalen Trends bei Einkommen und Investitionen zeigen, dass nur eine kleine Gruppe von Entwicklungsländern deutlich von der zunehmenden Wirtschaftsverflechtung profitiert hat. Zwar sank weltweit zwischen 1980 und 2003 der Anteil der Erwerbstätigen, die von weniger als zwei Dollar am Tag leben müssen - von knapp 60 auf knapp 50 Prozent. "Dies ist aber größtenteils auf den starken Rückgang der Armut im bevölkerungsreichen China und Indien zurückzuführen", so Sengenberger. Zwischen 1985 und 2002 konnten China und Indien ihren Anteil am globalen Exportvolumen von 3,4 auf 8,7 Prozent ausbauen. Bei den weltweiten ausländischen Direktinvestitionen stieg die Quote von 2,9 auf knapp zehn Prozent. Zugleich sank die Teilhabe der meisten anderen Entwicklungsländer an Welthandel und Investitionen jedoch deutlich. Die Industrieländer behielten ihre dominierende Position mit Anteilen von mehr als 70 Prozent.



Als einen Faktor für die starke wirtschaftliche Entwicklung in den asiatischen Erfolgsländern - neben China und Indien auch Südkorea, Malaysia oder Vietnam - identifiziert der Experte eine Politik der selektiven Beteiligung an der Globalisierung. Importkontrollen, Zölle und Subventionen begleiten und steuern die Marktöffnung. Ausländische Investoren müssen sich an Vorgaben zum Technologietransfer halten. Der Staat betreibt aktive Industriepolitik. All das erinnere an die "Praxis der fortgeschrittenen Industriestaaten" während des 20. Jahrhunderts, analysiert Sengenberger.

Doch selbst in Boomstaaten profitiert nur ein Teil der Bevölkerung. So büßte die Landbevölkerung in China seit 2001 Einkommen ein, während fast 90 Prozent der städtischen Haushalte Einkommen gewannen. Die wirtschaftliche und soziale Kluft gefährde die Stabilität, warnt der Experte: "Abfederung von Arbeitsplatz- und Einkommensverlusten durch soziale Sicherung und Vorbeugung gegen soziale Konflikte mit Hilfe freier, unabhängiger Gewerkschaften kommen zu kurz und schmälern das künftige Entwicklungspotenzial."

Rainer Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/hbs/hs.xsl/320_62103.html

Weitere Berichte zu: Entwicklungsland Globalisierung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Mittelstand 4.0-Kompetenz­zentrum Stuttgart gestartet
29.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index weiter aufwärts gerichtet
23.03.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten