Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Online Private Banking in Deutschland - nur wenige Lösungen überzeugen

04.10.2001


Potenzial des Internet weitgehend ungenutzt / Kein Mehrwert und Handlungsspielraum für aktive Kunden / Konsequente Kundenorientierung nötig / Gestaltung gut gelöst

Nur wenige Private Banking Anbieter in Deutschland haben ihren Internetauftritt wirklich gut umgesetzt. Nur einzelne Websites überzeugen. Zumeist entsprechen die Lösungen nicht den Bedürfnissen der vermögenden Privatkunden und bieten aktiven Kunden keinen Mehrwert. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie Online Private Banking in Deutschland der PricewaterhouseCoopers Unternehmensberatung. Im August 2001 untersuchten Experten, inwieweit die deutschen Private Banking Institute bereits elektronische Medien bei der Betreuung von vermögenden Privatkunden nutzen und wo die größten Verbesserungspotenziale bestehen. Dazu hat PricewaterhouseCoopers die Internet-Auftritte von 27 deutschen Banken aus dem Bereich der Vermögensverwaltung und -beratung analysiert und beurteilt.

Erhöhte Anforderungen unter veränderten Marktbedingungen

Das Geschäft mit vermögenden Privatkunden mit einem veranlagbaren Vermögen von mehr als 50.000 Euro hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Die Kunden sind anspruchsvoller geworden und etablierte Institute sehen sich neuen Wettbewerbern aus dem In- und Ausland gegenüber. Vor diesem Hintergrund ist es notwendig, dass die Banken nicht den Blick für die Bedürfnisse ihrer Kunden verlieren. Das Internet kann in diesem Zusammenhang sinnvolle Dienste leisten, das Leistungsangebot zu vervollständigen. "Die Kompetenz einer Bank, ihre vermögende Kundschaft adäquat zu betreuen, hängt heute vor allem von ihrer Fähigkeit ab, mit dem stetig steigenden Anforderungsprofil dieser Kundschaft zu wachsen. Dies wird in Zukunft nachhaltig die Ertragsstärke, aber auch die Profitabilität des Institutes beeinflussen", führt Rainer Wilken, Senior Manager und Private Banking Experte bei PricewaterhouseCoopers, aus.

Das Potenzial des Internet bleibt weitgehend ungenutzt

Jeder vierte der vermögenden Privatkunden wird bis 2003 das Internet für Bankgeschäfte nutzen. Dabei geht es hauptsächlich um die Bereitstellung von kundenspezifischen Informationen, Interaktionsmöglichkeiten mit der Bank sowie Transaktionsmöglichkeiten. Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass die Branche nicht ausreichend auf die derzeitigen und zukünftigen Online-Anforderungen der vermögenden Privatkunden vorbereitet ist. Deutsche Private Banking Institute nutzen das Internet derzeit vor allem als Marketinginstrument. Deshalb bleibt die große Mehrheit der untersuchten Anbieter im Internet hinter den Kundenerwartungen zurück. Fünf Banken unterscheiden nicht zwischen einem Internetangebot für Privatkunden und für vermögende Private Banking Kunden. Die Websites dieser Anbieter wurden daher nicht näher untersucht. Unter den verbleibenden 22 Banken weist der Internetauftritt von 18 Instituten einen deutlichen Handlungsbedarf auf. Lediglich eine Bank ist im wachsenden Markt für Online Private Banking gut positioniert. Im Durchschnitt erzielten die untersuchten Banken für ihre Online-Seiten die Note 3,5 bei einer Bewertung von 1-6. Die Bewertung ’sehr gut’ erhielt kein einziges Institut.

Kunden kaum aktiv in die Internetseiten eingebunden

Die Analyse der Internet-Auftritte erfolgte nach den vier Kriterien: Prima Vista (erster Eindruck), Gestaltung, Interaktivität und Informationsangebot. Diese Faktoren bestimmen auch im Online Private Banking den Erfolg von Websites bei vermögenden Privatkunden, wie im folgenden verdeutlicht wird. Die Banken messen dem ersten Eindruck ihres Online-Auftritts nur wenig Bedeutung bei: Die Seiten sind meist mit vielen Links überfrachtet und bauen sich nur langsam auf. Die Durchschnittsnote beträgt hier 3,2. Bei der Gestaltung der Internetseiten wurde mit der Durchschnittsnote 2,3 das beste Ergebnis aller vier Kategorien erzielt. Das größte Verbesserungspotenzial der Internetauftritte liegt in der Interaktivität (Durchschnittsnote 4,4). Nur neun der befragten 22 Finanzdienstleister ermöglichen ihren Kunden sowohl den Zahlungsverkehr als auch den Handel mit Wertpapieren online vorzunehmen. Selten bieten die Banken ihren Kunden auch die Möglichkeit, ein eigenes Profil anzulegen, Online-Tools zu nutzen oder direkt mit Verantwortlichen des Instituts in Kontakt zu treten. Anonyme Abteilungen werden häufig an Stelle von persönlichen Kontaktpersonen genannt. Die Chance, Privatkunden aktiv in die Internetseite einzubinden, wird vielfach vertan.

Undifferenzierte Angebote werden Bedürfnissen nicht gerecht

Mit ihrem weitgehend undifferenzierten Angebot zeigen die meisten Anbieter deutliche Schwächen, den Informationsbedürfnissen ihrer Kunden gerecht zu werden. Aktive Private Banking Kunden wollen an der Anlageentscheidung beteiligt sein und erwarten vom Internetauftritt ihrer Bank einen Mehrwert in Form von personalisierbaren Inhalten und individuellen Informationen. Dies bieten jedoch die wenigsten Institute. Die Tatsache, dass auf den Websites häufig Konto- oder Depotinformationen fehlen, zeigt das insgesamt frühe Entwicklungsstadium vieler Private Banking Anbieter in diesem Bereich. Dies bedeutet für innovative Institute oder neue Marktteilnehmer gleichzeitig die Chance eines Differenzierungsvorteils gegenüber dem Wettbewerb.

Internet-Leistungen sollen dem Kunden Mehrwert bringen

"Sicher müssen nicht alle deutschen Private Banking Institute das volle Spektrum an Internetdienstleistung anbieten. Für jeden Anbieter kommt es zunächst darauf an, die Bedürfnisse seiner spezifischen Bestands- und Zielkundschaft zu ermitteln und kontinuierlich zu dokumentieren", erläutert Bernd Schumacher, der als Partner bei der PricewaterhouseCoopers Unternehmensberatung das Asset Management und Private Banking Geschäft verantwortet. Den unterschiedlichen Kundensegmenten können bestimmte Internet-Leistungen zugeordnet werden, die sie als substanziellen Mehrwert empfinden. Die Kunden werden sich im Ergebnis individueller betreut fühlen und der Bank somit mittelfristig einen höheren Ertrag bescheren. "Durch einen schrittweisen, segmentspezifischen Einsatz des Internets kann dem sich stetig wandelnden Anforderungsprofil der vermögenden Privatkundschaft Rechnung getragen werden, ohne dass das Private Banking Institut sich unkalkulierbaren finanziellen Risiken gegenüber sieht," resümiert Bernd Schumacher.

Bernd Schumacher | ots
Weitere Informationen:
http://www.pwcglobal.com/de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Beschäftigung legt weiter zu
29.05.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index sinkt nach März-Hoch
23.05.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligente Sensoren mit System

29.05.2017 | Messenachrichten

Geckos kommunizieren überraschend flexibel

29.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

1,5 Millionen Euro für vier neue „Innovative Training Networks” an der Universität Hamburg

29.05.2017 | Förderungen Preise