Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fallstudie: Betriebliche Bündnisse für Arbeit sichern Beschäftigung

01.10.2001


Wenn es kriselt in der Firma und Entlassungen drohen, dann schlägt die Stunde der "betrieblichen Bündnisse für Arbeit". Arbeitnehmervertreter und Management setzen sich an den Verhandlungstisch und suchen nach Wegen, um Personalabbau zu vermeiden. Was bringen solche Bündnisse in der Praxis?

Das Institut für Arbeit und Technik des Landes Nordrhein-Westfalen (IAT) hat zehn solcher Bündnisse im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung unter die Lupe genommen. Als erfolgreich erwies sich zumeist der "Tausch" von Flexibilisierung gegen Arbeitsplatzsicherung.

Die Fallstudien geben einen Einblick in die Praxis betrieblicher Beschäftigungsbündnisse und nennen Erfolgsbedingungen. Fazit: In den zehn untersuchten Unternehmen aus verschiedenen Wirtschaftszweigen profitierten letztlich beide Seiten. In den Vereinbarungen leisten Arbeitgeber zeitlich befristete Zusagen - wie Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen und Outsourcing, Sicherung von Ausbildungsplätzen, Standorterhalt und Investitionszusagen. Dem gegenüber stehen aber Einschränkungen bei Arbeitszeit, Entgelt, Sozialleistungen, Regelungen zum Vorruhestand, Beurlaubungen und Versetzungen. Mehr Effizienz im Unternehmen soll zumeist über Vereinbarungen zur Flexibilisierung von Arbeitszeiten und Personaleinsätzen erreicht werden.

Die Studie nennt als Voraussetzungen und Erfolgsbedingungen betrieblicher Bündnisse für Beschäftigung:

Erfolgreiche betriebliche Bündnisse für Arbeit gründen auf einem Interesse der Betriebe am Erhalt ihrer Belegschaft. Anders als bei Entlassungen bleiben betriebsspezifische Qualifikationen und die beruflichen Erfahrungen der Beschäftigten erhalten. Bessert sich die wirtschaftliche Lage, fallen keine Kosten für Neueinstellungen an. Zudem wächst die Bereitschaft der Beschäftigen, sich aktiv an betrieblichen Veränderungen zu beteiligen.

Wurde in der Vergangenheit in vielen Unternehmen versucht, betriebsbedingte Kündigungen über Altersteilzeit und Vorruhestand zu vermeiden, so ist dies inzwischen für die Beschäftigten immer unattraktiver und für die Betriebe immer teurer geworden. Deshalb ist der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen nur noch im Tausch gegen mehr Flexibilisierung zu erhalten.

Durch betriebliche Flexibilisierung können langfristig Kosten reduziert werden. Insofern sind Beschäftigungsbündnisse den kurzfristig orientierten Entlassungen überlegen und liegen auch im Interesse der Betriebe.

Betriebliche Bündnisse für Arbeit binden Arbeitnehmervertretungen stärker in betriebliche und sogar unternehmerische Entscheidungsprozesse ein. In den untersuchten Fällen gingen die Betriebsparteien auffallend konsensorientiert miteinander um.

Erfolgreiche betriebliche Beschäftigungsbündnisse brauchen kompetente Betriebs- und Personalräte. Professionelle Arbeitsstrukturen der Arbeitnehmervertretungen setzen Freistellungsregelungen oder interne wie externe Beratung voraus.

"In keinem der untersuchten Fälle standen die Tarifverträge den betrieblichen Bündnissen im Wege", betont Winfried Heidemann von der Hans-Böckler-Stiftung. Auch wenn die vorliegende Studie nicht repräsentativ für alle Betriebe sei, zeigten die Beobachtungen durchaus typische Vorgehensweisen.

Betriebsräte und Management der untersuchten Unternehmen bewerten ihre Erfahrungen positiv. Nach eigener Einschätzung konnten sie auf die Globalisierung und den damit verbundenen Wettbewerbsdruck personal- und beschäftigungspolitisch zielgenau für ihren Betrieb reagieren. Insofern seien - so Heidemann - die betrieblichen Bündnisse ein notwendiges Pendant zum nationalen Bündnis für Arbeit. Deshalb sei es zu begrüßen, dass das neue Betriebsverfassungsgesetz die Möglichkeiten zum Abschluss betrieblicher Vereinbarungen zur Beschäftigungssicherung stärke.

Die Studie von Johannes Kirsch und Renate Büttner, Betriebliche "Bündnisse für Arbeit - Betriebsvereinbarungen zur Beschäftigungssicherung in der Praxis", demnächst online unter www.boeckler.de
Kontakt und weitere Informationen: Winfried-Heidemann@boeckler.de

Karin Rahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de

Weitere Berichte zu: Entlassung Flexibilisierung Kündigung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr nahe Null
18.01.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht WSI-Tarifarchiv: Tariflöhne und -gehälter 2016: Reale Steigerungen von 1,9 Prozent
05.01.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ein neuer Index zur Diagnose einer nichtalkoholischen Fettlebererkrankung

20.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das Cockpit für Kühlgeräte

20.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Der Hausschwamm als Chemiker

20.01.2017 | Biowissenschaften Chemie