Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unternehmertum genießt in Deutschland wenig Anerkennung

16.11.2005


Kein Wirtschaftsaufschwung ohne mehr Selbständige


Die öffentliche Meinung über das Image der Unternehmer in Deutschland ist desaströs: Bei einer Umfrage vor fünf Jahren gaben 59 Prozent der Westdeutschen und 76 Prozent der Ostdeutschen an, dass Unternehmer Ausbeuter seien. Dass der Kapitalismus in Deutschland keine Lobby hat, ist keine larmoyante Klage von Interessengruppen, die nie zufrieden sind. Aktuelle Studien belegen die These, dass Unternehmer häufig als Feindbild herhalten müssen.

Das Commerzbank Ideenlabor hat ihr Augenmerk auf die vier Millionen Selbstständigen, Freiberufler, Gewerbetreibenden und Inhaber kleiner Unternehmen gerichtet, die erheblich zur wirtschaftlichen Stabilität des Landes beitragen. Die Forschungsergebnisse belegen, dass es sich bei den meisten Unternehmern wohl weder um "geniale Neuerer" im Sinne von Joseph Alois Schumpeter noch um "Leistungshelden" oder um "kalte Rechenmaschinen" handelt. Professor Hariolf Grupp, Leiter des Instituts für Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsforschung (IWW) an der Universität Karlsruhe (TH)und Direktor des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI), fasst seine Forschungsergebnisse folgendermaßen zusammen: Unternehmer fühlen sich - anders als viele Manager oder leitende Angestellte - ihrer Profession in besonderer Weise verbunden. Manager fühlen sich der Branche, in der sie arbeiten, nicht so stark verpflichtet und sind auch für Branchenwechsel offener.


Die Inhaber kleiner Firmen betonen ihre gesellschaftliche Verantwortung als Arbeitgeber und grenzen sich von Konzernen mit ihrer Hire-and-fire-Politik ab. Ein aktuelles Beispiel ist der auf drei Jahre angelegte Stellenabbau bei der Telekom. Die Kosten für "Verschlankung" um 32.000 Jobs werden dabei zu einem Großteil sozialisiert, also der Allgemeinheit aufgebürdet. Ein weiteres verbindendes Element zwischen den vier Millionen Kleinunternehmern ist das gemeinsame Leiden an der "deutschen Krankheit", deren Symptome Regulierungswut, Paragrafendschungel und Bürokratiedickicht lauten. Die Mär vom gierigen Kapitalisten wird durch die Forschungsresultate des Ideenlabors ebenfalls widerlegt. "Im Gegenteil - für keinen einzigen der interviewten Unternehmer war beispielsweise Gewinnstreben ein Grund für den Schritt in die Selbstständigkeit. Diese Aussagen finden sich dadurch bestätigt, dass in der Lebensplanung der Befragten die finanzielle Versorgung der Familie oder auch der Berufsausstieg mit 50 Jahren keine Rolle spielen. In ihrer selbstständigen Tätigkeit sahen und sehen alle befragten Unternehmer in erster Linie eine Chance zur Selbstverwirklichung", so Grupp.

Für den BVMW-Wirtschaftssenator Michael Müller ist das unternehmerfeindliche Meinungsklima eine gefährliche Gemengelage. "Das Übel stagnierender Wirtschaftsleistung beginnt ja nicht erst im Überbau schlechter Gesetze, sondern sitzt tiefer. Lehrer, Professoren, Beamte, Politiker und Verbandsfunktionäre animieren Menschen viel zu wenig, sich selbständig zu machen. Was Hänschen nicht lernt, will Hans nimmermehr hören. Er reproduziert als Erwachsener erlernte Verhaltensmuster, die schon seine Großväter vorlebten: Führung von oben nach unten, Angst vor Eigeninitiative und Risiken, Abwälzen von Problemen auf die Allgemeinheit. Dabei müssten Unternehmensgründer in Zeiten der Stagnation wie ein rohes Ei behandelt werden. Wir können noch so viel über Arbeitsvermittlung, Mini-Jobs, verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten oder sonstige Anreize debattieren. Entscheidend für den Wirtschaftsaufschwung ist die Zahl der neu gegründeten Unternehmen", so Müller , Geschäftsführer der in Neuss und Potsdam ansässigen a & o-Gruppe http://www.aogroup.de , im Gespräch mit pressetext.

Gunnar Sohn | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.commerzbanking.de/ideenlabor
http://www.iww.uni-karlsruhe.de
http://www.isi.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: Unternehmertum Wirtschaftsaufschwung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Arbeitslosigkeit sinkt verhaltener
27.07.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index bleibt aufwärts gerichtet
20.07.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie