Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Duale Einkommensteuer - Reformmodell für Deutschland?

14.11.2005


In der gegenwärtigen Diskussion über die Reform des deutschen Einkommensteuersystems zählt die sog. Duale Einkommensteuer zu den favorisierten Alternativmodellen.


Eine Duale Einkommensteuer gibt es seit ca. 10 Jahren in Finnland, Schweden und Norwegen. In Deutschland hat sich der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung schon 2003 für die Einführung dieses Steuertyp ausgesprochen; er hat seine Empfehlung im jüngsten Gutachten erneuert.

Die deutsche Politik muss, um die allseits geforderte große Steuerreform noch innerhalb der laufenden Bundestags-Legislaturperiode auf den Weg zu bringen, alsbald die Grundsatzentscheidung treffen, ob diese Reform lediglich in einer punktuellen Verbesserung des bestehenden Steuersystems bestehen soll oder das Wagnis einer grundlegenden Neukonzeption, etwa in Gestalt einer Dualen Einkommensteuer, eingegangen wird.


Das Charakteristikum einer Dualen Einkommensteuer liegt in der unterschiedlichen steuerlichen Belastung von "Arbeitseinkommen" und "Kapitaleinkommen": Auf Arbeitseinkommen findet wie bisher ein progressiver Steuersatz Anwendung, auf Kapitaleinkommen dagegen - und dies ist das Neue - ausschließlich ein einheitlicher proportionaler Steuersatz, dessen Höhe dem internationalen Steuerwettbewerb Rechnung tragen sollte, d. h. relativ "maßvoll" ausfallen müsste. Der Einkommensteuersatz für Kapitaleinkommen muss im Übrigen der Gleichbehandlung wegen mit dem Körperschaftsteuersatz identisch sein. Für eine Gewerbesteuer besteht daneben kein Raum mehr.

Die vom Bonner Institut "Finanzen und Steuern" herausgegebene IFSt-Schrift Nr. 432 untersucht das Pro und Contra einer deutschen Dualen Einkommensteuer. Dazu werden vorab die in Skandinavien praktizierten Formen einer Dualen Einkommensteuer ausführlich dargestellt, einschließlich der in diesen Ländern aufgetretenen Umstellungs- bzw. Anwendungsschwierigkeiten und des geschätzten Aufkommenseffekts. Sodann werden die bisher in Deutschland propagierten "Dualsteuer"-Konzepte beschrieben. Der Hauptteil der Schrift besteht aus einer eingehenden kritischen Würdigung des Grundmodells der Dualen Einkommensteuer unter ökonomischen, rechtssystematischen, verfassungsrechtlichen und europarechtlichen Aspekten. Den Abschluss bilden Überlegungen zur Vereinfachungswirkung, gesellschaftlichen Akzeptanz und Finanzierbarkeit.

Das Ergebnis der Schrift lässt sich kurzgefasst auf folgende Formel bringen:

Die Einführung einer Dualen Einkommensteuer in Deutschland wäre im Vergleich zum steuersystematischen Status quo, insgesamt gesehen, ein Fortschritt.

Auch stünden einer entsprechenden Systemänderung - bei sorgfältiger Beachtung der verfassungsrechtlichen Vorgaben - wahrscheinlich keine unüberwindlichen rechtlichen Hindernisse entgegen.

Die Aussicht auf eine Verbesserung des bestehenden Rechtszustandes ist indessen für sich allein noch keine hinreichende Rechtfertigung für die Einführung einer Dualen Einkommensteuer. Die Duale Einkommensteuer muss sich in Bezug auf ihre Vorteilhaftigkeit zusätzlich an den konkurrierenden Alternativmodellen messen lassen. Dazu gehört insbesondere das unter dem Dach der Stiftung Marktwirtschaft erarbeitete Reformmodell (Einführung einer allgemeinen Unternehmensteuer, kombiniert mit einer Begünstigung nur der einbehaltenen Unternehmensgewinne). Bei einem solchen Vergleich zeigt sich, dass das "Stiftung-Marktwirtschaft"-Modell hinsichtlich gesellschaftlicher Akzeptanz, erreichbarer Rechtsvereinfachung und systematisch folgerichtiger Umsetzbarkeit gegenüber der Dualen Einkommensteuer ein deutliches Plus aufweist, die Duale Einkommensteuer mithin für eine Systemumstellung allenfalls die zweitbeste Lösung sein kann.

Clemens Esser | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifst.de
http://www.ifst2.de/publikationen/432/inhalt.html

Weitere Berichte zu: Einkommensteuer Reformmodell Steuersatz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index tritt auf der Stelle
24.11.2016 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Lemgoer Wissenschaftler wollen smarte Banknote realisieren
08.11.2016 | Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie