Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stahl und Blech von der Saar für Rekordbrücke

14.11.2005


Das Viadukt von Millau ist das wohl eindrucksvollste Beispiel einer Brückenkonstruktion aus Stahl. Am 16.12.2004 wurde das große Viadukt dem Verkehr übergeben und damit die Lücke in der zweiten französischen Nord-Süd-Verbindung A75 geschlossen. Die 2.460 m lange Schrägseilbrücke mit einer Gesamtbauwerkshöhe von 343 m stellt ein Weltrekord im Brückenbau dar. Sie ist damit nicht nur die höchste Brücke der Welt, auf der der Fluss Tarn in einer Höhe von 270 m überquert wird, sondern sie erweist sich auch mit einer Bauzeit von nur 38 Monaten und vergleichsweise geringen Kosten (ca. 400 Mio. €) und der Vorteile, die der Stahl gegenüber Beton hat, als durchaus rekordverdächtig.



Planungen für dieses Ausnahmeprojekt gab es schon Ende der 1980er Jahre. Da die klassische französische Nord-Süd-Verbindung durch das Rhône-Tal in den Sommermonaten ständig überlastet ist, sollte eine zweite Verbindung quer durch das Gebirge Massif Central Abhilfe schaffen. Ziel war es, die Bauzeit zu verkürzen und damit frühzeitig auf die Mauteinnahmen zugreifen zu können. Dabei gab es vor allem ein natürliches Hindernis: das weite Tal des Flusses Tarn in der Nähe des bekannten Städtchens Millau – bekannt vor allem durch seine schier unendlichen Verkehrsstaus im Sommer. Dies veranlasste den französischen Baukonzern Eiffage zusammen mit seiner Tochter Eiffel Construction Métallique zu dem ursprünglichen Entwurf einer vorgespannten Betonbrücke einen Gegenentwurf mit Stahlfahrbahnplatte und Stahlpylonen vorzustellen. 2001 fiel dann die Entscheidung, das Tal durch ein 2.460 m langes Viadukt aus Stahl zu überbrücken.

... mehr zu:
»GTS


Innerhalb von 2,5 Jahren wurden fast 43.000 t Stahl von der Dillinger Hütte GTS im Saarland für das Fahrbahndeck, die Pylone und die Montagehilfsstützen geliefert und von Eiffel verarbeitet. Fast die Hälfte des Bauwerks wurde im hochfesten Feinkornbaustahl DI-MC 460 ausgeführt. Durch den speziellen Herstellungsprozess, das thermomechanische Walzen, wurden hohe Festigkeiten in Verbindung mit einer exzellenten Schweißeignung erzeugt. So konnte zum einen auf ein zeit- und kostenintensives Vorwärmen in der Werkstatt verzichtet und zum anderen das Gewicht der Deckkonstruktion verringert werden – ein bei der Montage durch Taktschieben wesentlicher Faktor.

Durch eine kluge Stahlauswahl wurden die Fertigungskosten sowie die Durchlaufzeiten in den Werkstätten reduziert, so z. B. durch die Anwendung von Blechbreiten bis über 4.200 mm und Längen bis 23 m. Dadurch konnte die Schussaufteilung des Decks optimiert werden, ohne zusätzliche Bedarfsstöße einzuplanen. Auch die Anwendung von gestrahlten und geprimerten Blechen stellte sich im Fertigungsablauf als zeit- und kostensparend dar.

Nicht nur das weite Abmessungsprogramm und die besonderen Stahlqualitäten sprechen dabei für Dillinger Hütte GTS. Die Verwendung von Stahl anstatt Beton zeigt weitaus mehr Vorteile auf. So konnte z. B. eine besonders geringe Höhe des Fahrbahntragkastens konstruiert werden, um somit den in 270 m Höhe vorhandenen Windböen möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten.

Durch die Stahllösung konnte zudem eine größere Leichtigkeit und Schlankheit des Fahrbahnträgers erzielt (36.000 t gegen 120.000 t in Beton) und die Anzahl der Schrägseile sowie der Fundamentierung minimiert werden.

Durch die mögliche Vormontage und das Taktschiebeverfahren ist es gelungen, die notwendigen Arbeitsschritte in der Höhe zu verringern und somit für mehr Sicherheit beim Bauen zu sorgen und die Gesamtkosten des Projekts gering zu halten.

Doch nicht nur das Viadukt von Millau wurde aus saarländischem Stahl und Grobblechen gebaut. Auch das Verrières-Viadukt, 20 km nördlich von Millau, eine 720 m lange Verbundbrücke mit 144 m Hauptspann in einer Höhe bis 140 m, wurde aus hochwertigen Grobblechen von der Saar erbaut. Der Querschnitt ist aus einem rechtwinkligen mit Trapezhohlsteifen ausgesteiften Hohlkasten von 7 m Breite und 4.50 m Höhe mit auskragenden Hohlprofilen sowie einer schlaff bewehrten Betonfahrbahnplatte gebildet. Dillinger Hütte GTS lieferte hierfür 4.900 t Grobblech, darunter auch hochfester Feinkornbaustahl DI-MC 460, insbesondere für die stark belasteten Pfeiler. Damit war eine Gewichtsverringerung der Konstruktion möglich und damit eine Optimierung der Montage über Taktschiebeverfahren.

Kontakt:
Dr. Falko Schröter
AG der Dillinger Hüttenwerke
Postfach 1580
66748 Dillingen/Saar
Tel.: 0 68 31/47-3 19 44
E-Mail: info@dillinger.biz

Dr. Falko Schröter | Innovationseinblicke Saarland
Weitere Informationen:
http://www.dillinger.de

Weitere Berichte zu: GTS

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Rückgang, aber noch keine Tendenzwende
21.11.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Praktisch keine Rezessionsgefahr, Wirtschaft auf stabilem Aufschwungpfad
15.11.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wasserkühlung für die Erdkruste - Meerwasser dringt deutlich tiefer ein

21.11.2017 | Geowissenschaften

Eine Nano-Uhr mit präzisen Zeigern

21.11.2017 | Physik Astronomie

Zentraler Schalter

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie