Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

VFA kündigt massiven Widerstand gegen Sparpläne der Gesundheitsministerin an

24.09.2001


Yzer: Schmidts Pläne sind schlecht für die Patienten und vernichten Arbeitsplätze

"Die Bundesregierung hat durch neue Gesetze in den vergangenen drei Jahren die Gesetzliche Krankenversicherung mit jährlich sechs Milliarden Mark zusätzlich belastet. Diese Gelder fehlen jetzt für die Versorgung der Patienten. Die nunmehr geplanten Maßnahmen laufen darauf hinaus, dass die Patienten in Deutschland zukünftig nach der Maxime ,So billig wie möglich’ mit Arzneimitteln versorgt werden. Der dringend notwendige Abbau der Unterversorgung mit Innovationen soll offensichtlich gezielt unterbunden werden", erklärte Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA), heute in Berlin zu den Arzneimittelsparplänen der Bundesgesundheitsministerin. "Die willkürlichen Preisabschläge haben zudem massive Auswirkungen auf das Inlands- und Auslandgeschäft der pharmazeutischen Industrie. Sie gefährden damit Investitionen und Arbeitsplätze der forschenden Arzneimittelhersteller in Deutschland."

Yzer verwies darauf, dass die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) im ersten Halbjahr 2001 gerade 15,5 Prozent der Gesamtausgaben der GKV ausmachten. Im Vergleich mit der allgemeinen Preisentwicklung beweise sich, so Yzer, die Stabilität der Arzneimittelpreise: Während in den vergangenen fünf Jahren die Kosten für die allgemeine Lebenshaltung um 5,5 Prozent gestiegen sind, ist das Preisniveau der von der GKV erstatteten Arzneimittel mit plus 0,4 Prozent nahezu gleich geblieben.

"Die Preissituation rechtfertigt die von der Gesundheitsministerin geplanten Maßnahmen in keiner Weise. Ein staatlich vorgeschriebener Preisabschlag ist darüber hinaus der massivste vorstellbare staatliche Eingriff", erklärte Yzer. Die Bundesregierung ordne jetzt in einer konjunkturellen Schwächephase mit den geplanten Maßnahmen praktisch die Vernichtung von Arbeitsplätzen in einer der innovativsten Branchen an. Zudem entstehe ein massiver Schaden für das Auslandsgeschäft der Unternehmen, da die deutschen Preise in vielen Ländern Referenzpreise für die dortigen Märkte darstellen.

In diesem Zusammenhang verwies Yzer auf ähnliche Maßnahmen der Bundesregierung im Jahre 1992, die zu einem Verlust von 6.500 Arbeitsplätzen in den Mitgliedsunternehmen des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller geführt hatten. Erst nach Einführung der Festbetragsfreiheit für patentgeschützte Arzneimittel im Jahre 1995 habe es wieder einen Arbeitsplatzzuwachs in der forschenden Arzneimittelindustrie gegeben. Er habe bis zum Jahr 2000 eine Steigerung von über sieben Prozent bedeutet. Yzer betonte gleichzeitig, dass durch die geplanten Preisabschläge die Erlöse fehlten, "die in die Forschung und Entwicklung neuer Medikamente investiert werden müssen. Die für die Patienten und den Pharmastandort Deutschland positive Entwicklung der letzten Jahre, die allein im Jahr 2000 zu einer Steigerung der F&E-Ausgaben um 5,5 Prozent auf 6,2 Milliarden DM geführt hat, ist ebenfalls gefährdet", unterstrich Yzer.

Die innovationsfeindlichen Planungen seien überdies doppelt kontraproduktiv, erklärte Yzer, denn sie würden auf mittlere Sicht der GKV keine Entlastung verschaffen. Im Gegenteil: da Arzneimittelinnovation auf Dauer nicht von Deutschland fernzuhalten seien, würden sie zukünftig importiert, statt hier produziert und exportiert zu werden. Damit werde zusätzlich die Einnahmebasis der GKV verschlechtert, da weniger Sozialprodukt in Deutschland erwirtschaftet werde.

"Jede weitere Einsparung bei Arzneimitteln, die bereits heute bei über 60 Prozent mit Festbeträgen versehen sind, geht zu Lasten der Versorgung der Patienten", betonte Yzer. Erst vor kurzem habe der Sachverständigenrat im Gesundheitswesen die Unterversorgung mit Medikamenten bei Krankheiten wie Herzerkrankungen, chronische Lungenerkrankungen wie Asthma sowie Krebs und Depression dokumentiert und Verbesserungen eingefordert, die internationalen evidenz-basierten Standards entsprechen. Auch der VFA habe bereits im letzten Jahr bei insgesamt 13 Indikationen eine Unterversorgung der Patienten in Deutschland mit innovativen Arzneimittel dokumentiert. "Es ist gut für die Patienten, dass es bei einigen dieser Krankheiten im Laufe der letzten Monate einen Anstieg der Verordnungen gegeben hat", erklärte die VFA-Hauptgeschäftsführerin. "Wer diesen Anstieg kritisiert und erneut Einsparungen forcieren will, handelt gegen die Interessen der Patienten und verhindert den dringend notwendigen Abbau der Unterversorgung in Deutschland."

Auch das von der Gesundheitsministerin und den Krankenkassen immer wieder proklamierte angebliche Einsparpotenzial bei Schrittinnovationen, die dem Erstanbieter auf dem Markt folge, entspreche nicht den Tatsachen. Yzer: "Zum einem bieten auch diese Innovationen den dringend erforderlichen therapeutischen Fortschritt für den Patienten und zum anderen tragen sie bereits vor Ablauf des Patentschutzes des Erstanbieters erheblich zum Preiswettbewerb bei." Eine Analyse des Wissenschaftlichen Institutes der Ortskrankenkassen (WIDO) zeige, dass Schrittinnovationen um bis zu 40 Prozent billiger seien, als das erste Produkt. "Diese Produkte haben durch ihre Zulassung ihre Wirksamkeit, Qualität und Sicherheit bewiesen. Eine zusätzliche Prüfung durch den Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen, wie jetzt von der Ministerin geplant, lehnen wir ab, zumal zur Kompetenz dieses Ausschusses noch höchstrichterliche Entscheidungen ausstehen", sagte Yzer.

"Auf Kosten der Arzneimittelversorgung sollen jetzt offensichtlich die massiven Probleme der GKV, die durch die jahrelangen Verschiebungen innerhalb des sozialen Sicherungssystems entstanden sind, behoben werden. Allein durch neue Gesetze der Bundesregierung in den letzten drei Jahren entstanden zusätzliche Belastungen in Höhe von mehr als sechs Milliarden DM jährlich für die GKV", erklärte Yzer. Dieses Problem ließen sich letztlich aber nur lösen, wenn die Bundesregierung ihre Beschlüsse, etwa zur Reform der Arbeitslosenhilfe oder zur Rentenversicherung revidiere. Gleichzeitig forderte Yzer die Bundesgesundheitsministerin auf, im Rahmen einer Gesundheitsreform endlich die überfällige Neudefinition von Solidarität und Eigenverantwortung innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung vorzunehmen.

Marc Rath | ots
Weitere Informationen:
http://www.vfa.de/

Weitere Berichte zu: GKV Gesundheitsministerin Unterversorgung VFA

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index setzt Anstieg fort
22.06.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Beschäftigung legt weiter zu
29.05.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie