Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nicht nur Männer sind Macher: Unternehmerinnen in Deutschland

09.09.2005


"Der typische Unternehmer frägt sich nicht, ob jede Anstrengung, der er sich unterzieht, auch einen ausreichenden ’Genußüberschuß’ verspricht. Wenig kümmert er sich um hedonische Früchte seiner Taten. Er schafft rastlos, weil er nicht anders kann ..." Diese häufig zitierte Definition des Unternehmers stammt von Josef Schumpeter aus dem Jahr 1911. Dass auch Frauen an Firmenspitzen stehen, wird gar nicht erst erwähnt - oft auch heute nicht. Warum das Bild des Unternehmers männlich geprägt ist und wie sich Unternehmerinnen selbst sehen, untersucht ein aktuelles Forschungsprojekt.



Im Fokus steht das bisher unerforschte Selbstbild von Unternehmerinnen in Deutschland, ihr Fremdbild und das Zusammenspiel beider Perspektiven. Seit Beginn des Jahres arbeiten Vertretungsprofessorin Andrea Bührmann (Universität Dortmund) und Prof. Katrin Hansen (FH Gelsenkirchen) mit einem Forschungsteam zusammen. Ihre Hypothese: "Ein hegemoniales, einseitig männlich geprägtes Unternehmerbild verhindert, dass Frauen im gleichen Ausmaß wie Männer Unternehmen gründen, weiterführen und in wachsenden Unternehmen Arbeitgeberfunktion übernehmen und damit Arbeitsplätze schaffen."

... mehr zu:
»Unternehmerschaft


Die Wissenschaftlerinnen wollen Rückschlüsse über eine möglichst zielgerichtete Förderung von Frauen im Unternehmertum ziehen. Um herauszufinden, wie Menschen Leitbilder konkret erleben, befragen sie die Unternehmerinnen selbst. Dass ihre Arbeit auf fruchtbaren Boden fällt, belegt die Tatsache, dass sich mittlerweile einige unaufgefordert melden und befragt werden möchten. "Nur rund ein Drittel der Unternehmen in Deutschland werden von Frauen geführt. Deshalb erscheint es uns so wichtig, diese Frage zu erforschen. Außerdem zeigen Erfahrungsberichte, dass Frauen sich selbst nicht als Unternehmerinnen, sondern eher als Freiberuflerinnen, Freelancer etc. bezeichnen", sagt Andrea Bührmann.

Dass Frauen sich nicht mit dem männlich geprägten Bild identifizieren, könnte auch an daran liegen, dass zur Zeit nur 6,4% aller weiblichen Erwerbstätigen Unternehmerinnen sind, während immerhin 12,9% aller männlichen Erwerbstätigen Unternehmer sind. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung teilte im Juli 2005 auf eine Kleine Anfrage im Bundestag hin mit: "Nur jede dritte Existenzgründung erfolgt durch eine Frau. Bei technologieorientierten Gründungen sind Frauen noch deutlicher unterrepräsentiert".

Zur Steigerung der Unternehmerinnenquote hat die Bundesregierung einiges unternommen: Seit 1998 sind mehr als eine Milliarde Euro in Förderprogramme geflossen. "Wir teilen die hier deutlich werdende Einschätzung, dass staatliche Programme bei der Gründung und Übernahme von Unternehmen durch Frauen eine wichtige Rolle spielen. Allerdings gilt es zu erforschen, welche Programme wie genau wirken und wenn ja, auf welche Weise sie optimiert werden können, um das unternehmerische Potenzial von Frauen besser nutzen zu können", erklärt Andrea Bührmann. "Im wirklichen Leben geht es häufig um kleine Schritte, nicht um den Anspruch, ein Übermensch zu sein. Diese realitätsnahe Fleißarbeit können Frauen genauso gut wie Männer", betont Katrin Hansen.

Das Forschungsteam untersucht auch institutionalisierte Redeweisen und analysiert Organe aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft, die das Fremdbild von der Unternehmerin prägen. Die Berichterstattung über Unternehmensgründungen hat in den letzten Jahren zwar zugenommen, allerdings ist das Bild des typischen Gründers nach wie vor männlich dominiert. Sowohl in den Medien als auch in Schulen wird davon ausgegangen, dass es ein Vollzeit-Job ist.

Wissenschaftler wie Prof. Michael-Burkart Piorkowsky (Universität Bonn) haben hingegen erforscht, dass mittlerweile insbesondere Frauen, aber auch Männer Teilzeit-Unternehmerinnen sind. "Deshalb fordert er seit einiger Zeit, dass in Schulen ein angemesseneres Leitbild des unternehmerischen Handelns vermittelt und zudem die traditionelle Unterscheidung zwischen Erwerbswelt hier und Privatheit dort überwunden werden sollte. Sie habe nämlich wenig mit dem ’wirklichen Leben’ und mehr mit einem theoretischen Denken in volkswirtschaftlichen Modellen zu tun", so Andrea Bührmann.

Neueste Forschungsergebnisse diskutierten die Wissenschaftlerinnen im Juli bei der Tagung "Vielfalt in der Unternehmerschaft" in Gelsenkirchen. Dabei wurde deutlich, "dass die faktisch zu beobachtende Vielfalt der unternehmerischen Aktivitäten keinesfalls der theoretisch unterstellten Eindimensionalität des Leitbildes vom männlichen Unternehmertum entspricht".

Weitere Informationen:
Ein Tagungsband erscheint im Winter 2005/6: Andrea D. Bührmann / Katrin Hansen / Martina Schmeink / Aira Schöttelndreier (Hrsg.): Vielfalt in der Unternehmerschaft. Lit-Verlag Münster / New York

Kontakt:
Vertretungsprofessorin Andrea Bührmann, Ruf: 02 31/7 55 - 62 68,
E-Mail: abuehrmann@fb12.uni-dortmund.de

Ole Lünnemann | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-dortmund.de/

Weitere Berichte zu: Unternehmerschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index auf hohem Niveau deutlich rückläufig
24.04.2018 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Mehr Existenzgründungen in den Freien Berufen – weniger im gewerblichen Bereich
24.04.2018 | Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Bestrahlungserfolg bei Hirntumoren lässt sich mit kombinierter PET/MRT vorhersagen

24.04.2018 | Medizintechnik

RWI/ISL-Containerumschlag-Index auf hohem Niveau deutlich rückläufig

24.04.2018 | Wirtschaft Finanzen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics