Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biotechnologie in Deutschland so stark wie nie zuvor

31.08.2005


Deutschland hat sich neben den USA zum weltweit stärksten Standort für biotechnische Entwicklung und Produktion vorgearbeitet. Diese Einschätzung vertrat der Vorsitzende der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB), Professor Peter Stadler, vor Journalisten in Frankfurt. "Gerade die großen, weltweit tätigen Unternehmen haben die Biotechnologie in Deutschland in den letzten Jahren stark nach vorn gebracht. Dies gilt besonders für die Bereiche Verfahrensentwicklung, Produktion und Technik unserer Pharma- und Chemiekonzerne", erklärte Stadler. Selbst beim "Sorgenkind" der Branche, der Pflanzenbiotechnologie, könne sich Deutschland noch immer auf eine ausgezeichnete wissenschaftliche Basis stützen.

... mehr zu:
»Biotech-Firma »Chemiekonzern

In den vergangenen Jahren haben die großen Unternehmen, die Arzneimittel oder Diagnostika herstellen, an ihren Standorten in Deutschland Investitionen in Milliardenhöhe in die Biotechnologie getätigt. Aufgrund der mit Wirkstoffen gut gefüllten Pipeline für die klinische Entwicklungsphase, so Stadler, planten sie für die kommenden Jahre ihre technischen Kapazitäten noch weiter auszubauen. Außerdem verstärkten die Chemiekonzerne ihre Aktivitäten in der "weißen" Biotechnologie für industrielle Zwecke.

Als "hervorragend" stufte Stadler das Niveau der Verfahrensentwicklung und Produktion von Biopharmazeutika ein. "Was Expertise, Qualität von technischen Einrichtungen sowie Kapazität und Leistungsfähigkeit von Produktionsanlagen angeht, ist Deutschland in Europa fraglos die Nummer eins und teilt sich im weltweiten Ranking zusammen mit den USA die Führungsposition", betonte der DIB-Vorsitzende. Stadler schätzt, dass in den großen Konzernen inzwischen rund 6.000 Personen in der biopharmazeutischen Entwicklung und Produktion tätig sind, mit steigender Tendenz.


Im Juni 2005 befanden sich in Deutschland 112 gentechnisch hergestellte Arzneimittel mit 81 verschiedenen Wirkstoffen auf dem Markt, davon 17 aus deutscher Produktion. In dieser Arzneimittelkategorie wurde in Deutschland im letzten Jahr ein Umsatzwachstum von rund 10 Prozent gegenüber 2003 auf 1,95 Milliarden Euro erzielt - annähernd ein Zehntel des deutschen Pharmamarktes. Dabei sind die Arzneimittelumsätze in Krankenhäusern nicht berücksichtigt. Mit Diagnostika auf Biotech-Basis setzten die Unternehmen rund 450 Millionen Euro um.

Bei den jungen Biotech-Firmen mit maximal 500 Mitarbeitern verbesserte sich der Umsatz 2004 gegenüber dem Vorjahr um sieben Prozent auf gut 1 Milliarde Euro. Die Maßnahmen zur Kostensenkung führten zu einem erneuten Beschäftigungsabbau um 12 Prozent auf rund 10.000 Mitarbeiter. Die Zahl der profitablen Firmen ist bedingt durch diese beiden Faktoren weiter gestiegen.

Die Finanzlage für die meisten der 334 privat finanzierten deutschen Biotech-Firmen mit maximal 500 Mitarbeitern ist allerdings weiterhin angespannt. Von den im Jahr 2004 über Risikokapitalfinanzierungen, Kapitalerhöhungen börsennotierter Unternehmen sowie einem Börsengang insgesamt mobilisierten 548 Millionen Euro entfielen mit 236 Millionen Euro weniger als die Hälfte auf Venture Capital (VC) für private Biotech-Firmen. "Während sich die 12 deutschen börsennotierten Firmen trotz volatiler Aktienmarkt-Performance ausreichend haben refinanzieren können, ist angesichts des erheblichen Geldbedarfs die Verfügbarkeit von Eigenkapital für die privaten Unternehmen inzwischen ein echtes Problem", stellte Stadler fest. Dabei sei die Zahl der VC-Finanzierungsrunden kleiner, das Volumen der einzelnen Transaktionen dafür aber größer geworden.

Investoren haben sich in Deutschland inzwischen noch stärker als in den USA auf die Finanzierung der Arzneimittelentwicklung verlegt. Im Wesentlichen haben nur noch Firmen, die sich als Entwickler von Pharmazeutika präsentieren, Aussicht auf einen ausreichenden Geldzufluss über Risikokapital. Dadurch hat eine ganze Reihe von ehemals technologieorientierten Firmen ihre Geschäftsstrategie geändert. Sie konzentrieren sich nun auf die Produktentwicklung. Derzeit befinden sich 26 Produkte in der Phase II, 8 Produkte in Phase III der klinischen Entwicklung und zwei Produkte in der Zulassung.

Die DIB ist die Biotechnologie-Vereinigung des Verbandes der Chemischen Industrie und seiner Fachverbände. Sie vertritt die Interessen von rund 175 deutschen Biotech-Unternehmen.

| presseportal
Weitere Informationen:
http://www.dib.org

Weitere Berichte zu: Biotech-Firma Chemiekonzern

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr nahe Null
18.01.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht WSI-Tarifarchiv: Tariflöhne und -gehälter 2016: Reale Steigerungen von 1,9 Prozent
05.01.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise