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Bericht zur sozio-ökonomischen Entwicklung in Deutschland erschienen

30.08.2005


Catenhusen: "Erfolgreiche Gesellschaftspolitik muss veränderten Lebenssituationen Rechnung tragen"



Nach Ansicht des Staatssekretärs im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Wolf-Michael Catenhusen benötigt die Politik in immer stärkerem Maße wissenschaftliche Daten. "Für die Weiterentwicklung unserer komplexen und hochmodernen Gesellschaft brauchen wir die wissenschaftliche Bestandsaufnahme und Analyse", sagte Catenhusen am Dienstag in Berlin. Er stellte dort ein neues sozialwissenschaftliches Berichtssystem vor. Vier führende sozialwissenschaftliche Forschungsinstitute analysierten die sozio-ökonomische Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland in den vergangenen drei Jahrzehnten. Das BMBF finanzierte die Arbeit über fünf Jahre mit 2,1 Millionen Euro.



Das 625 Seiten starke Standardwerk (Berichterstattung zur sozio-ökonomischen Entwicklung in Deutschland: Arbeit und Lebensweisen, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2005) richtet sich vor allem an Politik und Verwaltung sowie Verbände und die Wissenschaft. Catenhusen wies darauf hin, dass soziale Reformen nicht nur eine Frage des Geldes seien. "Wir müssen die neue Vielfalt der Arbeits- und Lebensmodelle angemessen berücksichtigen und sozialen Ungleichheiten bei Bildung, Arbeit und sozialer Sicherheit entgegen treten." Dafür sei eine differenzierte Datenbasis unerlässlich, die neue Entwicklungen sichtbar werden lässt.

Die statistische Analyse zeigt, dass auch 15 Jahre nach der Vereinigung die Unterschiede der Lebensweisen in Ost und West markant sind: So ist in den Neuen Ländern bei den Paarhaushalten mit Kindern das Modell zweier voll berufstätiger Partner mit 42 Prozent am häufigsten (alte Bundesländer: 13 Prozent), während im Westen in solchen Familien meistens nur ein Partner berufstätig ist (48 Prozent gegenüber 35 Prozent im Osten).

Das oft behauptete "Ende der Arbeitsgesellschaft" ist aus den Statistiken nicht ablesbar. Während die tatsächliche wöchentliche Arbeitszeit bei den Unqualifizierten von 35,9 Stunden auf 29,6 Stunden sank, blieb sie für die hoch Qualifizierten in Westdeutschland mit gut 43 Stunden unverändert hoch. Gleichzeitig schlugen die zunehmenden Anforderungen an die Flexibilität auf die Familie durch. Vor allem hoch qualifizierte Frauen entscheiden sich zunehmend gegen Kinder.

Catenhusen machte deutlich, dass eine erfolgreiche Gesellschaftspolitik heute zu einem hohen Maß Zeitpolitik sein müsse. "Die Politik muss den veränderten Lebenssituationen Rechnung tragen und mehr Angebote für Kindergärten und Schule machen." Er verwies dabei auf das Vier-Milliarden-Euro-Programm des Bundes zum Aus- und Aufbau von Ganztagsschulen.

Die Autoren des Buches widmen sich in 21 Beiträgen unter anderem den aktuellen Veränderungen in Wirtschaft und Arbeitsmarkt, aber auch den vielfältigen Formen des Zusammenlebens, der Lebensverläufe sowie dem Wandel der sozialen Einbindung und gesellschaftlichen Teilhabe in Deutschland. Sie stellen unter anderem eine direkte Verbindung zwischen niedriger Bildung und sozialer Isolation fest. Außerdem sind Qualifizierte häufiger ehrenamtlich engagiert. Bildung hat eine Schlüsselrolle für gesellschaftliche Entwicklung. Die Studie bestätigt den zentralen Stellenwert, den die Bundesregierung einer Bildungspolitik der individuellen Förderung und sozialen Chancengerechtigkeit gegeben hat.

Das sozio-ökonomische Berichtssystem ist Teil der BMBF-Förderinitiative "Bessere Daten für eine bessere Politik". Beteiligt sind das Soziologische Forschungsinstitut in Göttingen (SOFI), das den Verbund koordiniert, das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg (IAB), das Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung München (ISF) und das Internationale Institut für empirische Sozialökonomie Stadtbergen (INIFES).

Silvia von Einsiedel | idw
Weitere Informationen:
http://www.bmbf.de

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