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Rentenmarkt: Von Hektik noch keine Spur

16.08.2005

Das laufende dritte Quartal verlangte den Rentenmarktakteuren beidseits des Atlantiks bisher eine gewisse Nervenstärke ab. Nachdem noch im Juni bei zehnjährigen Staatsanleihen zweimal in kurzer Folge neue Renditetiefs ausgelotet wurden, führten ein sich im Juli verstetigender Fluss robuster Konjunkturdaten, die vorläufige Absage der US-Notenbank an ein baldiges Auslaufen der Leitzinsstraffung sowie Unsicherheiten um die Auswirkungen der chinesischen Währungskorbentscheidung zu einem anhaltenden Renditeauftrieb in den USA, dessen Sogwirkung sich hierzulande nur spürbar abgeschwächt bemerkbar machte. Der Zinsunterschied bei zehnjährigen Laufzeiten dehnte sich auf über 100 Basispunkte aus. Für beide Märkte gilt, dass sich die langfristigen Inflationserwartungen trotz massivem Ölpreisanstieg weiter auf dem moderaten Niveau vom März 2004 bewegen. Aktuell verzinsen sich zehnjährige US-Papiere zu 4,3 Prozent und damit rund 40 Basispunkte höher als im Juni-Tief. Bundesanleihen gleicher Laufzeit legten in diesem Zeitraum rund 20 Renditestellen auf derzeit 3,3 Prozent zu.

Die US-Notenbank bekräftigte in ihrer Erklärung zur zehnten Leitzinserhöhung auf aktuell 3,5 Prozent erneut ihr Konjunkturbild, das mit robustem Wachstum bei moderaten Inflationsgefahren beschrieben werden kann. Die gemeldeten Wirtschaftsdaten von Juni und Juli untermauern diese Einschätzung. Zwar stieg der aus den Verbraucherpreisen berechnete Deflator (PCE) im zweiten Quartal in erster Linie ölpreisbedingt auf das Jahr hochgerechnet um +3,3 (erstes Quartal: +2,3) Prozent. Die Kernrate sank jedoch auf +1,8 (von +2,4) Prozent und deutet damit auf weiterhin eng begrenzten Preisüberwälzungsspielraum für viele Unternehmen hin. Etwas ungewiss bleibt jedoch noch, wie nachhaltig der zu der US-Entwicklung analoge Erholungsversuch des japanischen und des europäischen Industrieklimas sein wird. Die Ordereingänge signalisieren durchaus, dass künftig eine stärkere Wachstumsbeteiligung der Investitionen in diesen Wirtschaftsräumen das globale Konjunkturgefüge stärker von der einseitigen Ausrichtung auf die USA und China befreien könnte.

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Unter dem Strich sind die weltweiten Szenarien jedoch noch nicht neu geschrieben und der Nachweis anhaltender Robustheit gegenüber rekordhohen Ölpreisen und denkbaren weiteren Verschiebungen der Währungskonstellation zuungunsten des Dollars steht noch aus. Insofern ist Hektik bei den Anleiheakteuren noch nicht angebracht. Auch mit Blick auf die wieder verstärkt in den Anlegerfokus getretenen Aktienmärkte scheint es jedoch angebracht, sich künftigen Handlungsspielraum zu bewahren und bei Neuanlagen auf eher kürzerfristige Laufzeiten zu setzen.

Dr. Stefan Steib | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.lrp.de

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