Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Soziales Immunsystem gegen das "Krankfeiern"

05.09.2001


  • Rückkehrgespräche wirken Fehlzeiten entgegen
  • Besser Integration als Strafandrohung

Um kostspielige Fehlzeiten von Arbeitnehmern zu verringern, setzen Betriebe gern Rückkehrgespräche ein. Die Wirkungen und Nebenwirkungen verschiedener Typen solcher Gespräche hat Dr. Rüdiger Piorr (Fakultät für Sozialwissenschaft der RUB, Betreuer: HD Dr. Uwe Wilkesmann) in seiner Dissertation "Rückkehrgespräche - Chance für geringe Fehlzeiten bei gleichbleibender Arbeitsleistung?" untersucht. Sein Fazit: Soll ein Rückkehrgespräch erfolgreich sein, muss es auf die Reintegration des genesenen Mitarbeiters zielen und darf keine Sanktionen androhen.

Rahmenmodell vereinigt Theorien

Wer aus gesundheitlichen Gründen bei der Arbeit fehlt, verursacht nicht nur Kosten, sondern behindert auch Arbeitsabläufe. Ob ein Arbeitnehmer zu Hause bleibt, ist eine bewusste Entscheidung, die er mit seinem Arzt zusammen trifft. "Doch so einfach wie es scheint, ist diese Entscheidung nicht. Bereits vorher laufen unbewusste Prozesse ab, die die Fehlzeiten beeinflussen", erläutert Rüdiger Piorr. Dabei spielen z. B. Stress und die Arbeitszufriedenheit eine Rolle. Und selbst wenn ein Mitarbeiter beschließt, nicht krank zu Hause zu bleiben, kann er, anwesend wie er ist, die Leistung verweigern oder gar innerlich kündigen. Seit den 1960er Jahren entwickeln Forscher Theorien zu diesen Problemen, die Rüdiger Piorr in seiner Arbeit zu einem Rahmenmodell zusammenfasst.

Rückkehrgespräch senkt die Krankenstände

Er widmet sich mit dem Rückkehrgespräch auch erstmals ausführlich einer Strategie, die Betriebe anwenden, um Fehlzeiten und Leistungsabfall zu verhindern. Genesene Mitarbeiter sprechen nach ihrer Rückkehr an den Arbeitsplatz mit ihrem Vorgesetzten - der sich davon verspricht, willentlich herbeigeführte Fehlzeiten zu verhindern und dem Arbeitnehmer die Reintegration zu erleichtern. "Sowohl unter Beratern als auch in den Betrieben gilt diese Strategie als äußerst erfolgreich, weil sie nachweislich die Krankenstände senkt. Ob Mitarbeiter jedoch nur körperlich anwesend sind oder auch wirklich fleißig, bleibt bei diesem Urteil unberücksichtigt", so Piorr.

Druck zu machen lohnt sich nicht

Er hat verschiedene Typen des Rückkehrgesprächs mit ihren Wirkungen und Nebenwirkungen untersucht. Ein gelungenes Gespräch sollte sowohl positiv auf des gesundheitliche Befinden wirken als auch keine negativen Auswirkungen auf Arbeits- und Leistungsverhalten haben. Dies gelingt nur integrativen Rückkehrgesprächen, die auf Druck verzichten und dem Mitarbeiter statt dessen soziale Unterstützung zusichern. So kann es gelingen, ein "soziales Immunsystem" gegen Stress und Unzufriedenheit aufzubauen, das weitere Fehlzeiten und die bewusste oder unbewusste Leistungsverweigerung verhindert. Abzuraten ist jedoch von so genannten anreizbasierten Gesprächen, die letztlich Sanktionen androhen. Ein solches Gespräch kann genesenen Mitarbeitern die Motivation rauben und erreicht so das Gegenteil dessen, was sich die Verantwortlichen wünschen.

Weitere Informationen

Dr. Rüdiger Piorr, Lehrstuhl für Sozialpsychologie, Fakultät für Sozialwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-27735, Fax: 0234/32-14570, E-Mail:  ruediger.piorr@ruhr-uni-bochum.de

Dr. Josef König | idw

Weitere Berichte zu: Immunsystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht WSI-Tarifarchiv: Tariflöhne und -gehälter 2016: Reale Steigerungen von 1,9 Prozent
05.01.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Trotz leichtem Rückgang positiver Ausblick auf 2017
29.12.2016 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltweit erste Solarstraße in Frankreich eingeweiht

16.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Proteinforschung: Der Computer als Mikroskop

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Vermeintlich junger Stern entpuppt sich als galaktischer Greis

16.01.2017 | Physik Astronomie