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Die Senioren werden als Wirtschaftsfaktor nicht erkannt

28.07.2005


Studie: Sicht auf die deutsche Wirtschaft bleibt in der Chemie-, Pharma- und Life Science-Branche negativ

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Mit der Bevölkerung jenseits der 50 wollen die Unternehmer der Chemie-, Pharma- und Life Science-Branche mehrheitlich offenbar überhaupt nichts zu tun haben: Weder als Konsumenten noch als Mitarbeiter. Auch ihre Geschäftsentwicklung sehen sie durch die Vergreisung der Gesellschaft kaum beflügelt und fast alle sind sich einig: Das Renteneintrittsalter wird künftig signifikant erhöht werden. Nur 2 Prozent sind hier gegenteiliger Meinung. Liest man die Zahlen der aktuellen, repräsentativen Wirtschaftsstimmungsumfrage der Management- und IT-Beratung Capgemini bei 1260 Vorständen und Geschäftsführern von Unternehmen mit mehr als 12,5 Mio. Euro Jahresumsatz, so scheinen sich die wenigsten auf den demografischen Wandel eingestellt zu haben, denn nur 32 Prozent aller Befragten der Chemie-, Pharma- und Life Science-Branche planen Produkte oder Dienstleistungen auf den Markt zu bringen, die auf die Senioren-Zielgruppe zugeschnitten sind. Am ehesten sind dazu die Banken (53 Prozent) und Versicherungen (72 Prozent) bereit, am wenigsten die Metall- und Maschinenbaubranche (7 Prozent) oder die Elektronik-, High Tech- oder Softwarefirmen (14 Prozent).

Arbeitnehmer über 50 sind nicht gefragt


"Sehr viele Geschäftsführer oder Unternehmensinhaber würden sich selbst aufgrund ihres Alters nicht mehr einstellen", analysiert Antonio Schnieder, CEO Zentral-, Süd- und Osteuropa von Capgemini. Denn 51 Prozent der Unternehmenslenker der Chemie-, Pharma- und Life Science-Branche ziehen es keinesfalls in Erwägung etwa eine Stelle mit einem Mitarbeiter zu besetzen, der älter als 50 Jahre ist. Nur 12 Prozent würden dies überhaupt tun, richtig begeistert davon wäre allerdings nur ein einziges Prozent der Branche. In der Branchensicht sind bundesweit am ehesten die Logistik- (12 Prozent) und Versicherungsunternehmen (16 Prozent) dazu bereit, am wenigsten dagegen die Telekommunikationsunternehmen (0 Prozent) und die Medienbranche (0 Prozent).

Gesamtsicht der deutschen Wirtschaft bleibt negativ

Die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland wird wie in allen Wirtschaftsstimmungsumfragen von Capgemini seit Beginn der Reihe vor zwei Jahren erneut negativ beurteilt. Diesmal ist der Trend zu immer positiveren Bewertungen in der Zeitreihe der Umfragen allerdings gebrochen: Die Unternehmer der Chemie-, Pharma- und Life Science-Branche sehen die Entwicklung so pessimistisch wie in keiner Umfrage zuvor. 42 Prozent sind der Ansicht, dass die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands in den nächsten sechs Monaten ins Negative tendiert, nur 23 Prozent sehen einen positiven Fortgang. Die Versicherungsbranche hat dazu als einzige eine leicht positive Sicht (31 Prozent positive, 27 Prozent negative Stimmen), das Schlusslicht bilden der Handel (12/53 Prozent) und die Konsumgüterindustrie (8/51 Prozent). Die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen wird weiter sehr pessimistisch betrachtet, allerdings endete diesmal überraschenderweise der Trend in der Capgemini-Umfragenreihe seit Beginn 2003 zu immer höher vermuteten Arbeitslosenzahlen. Es sind aber jetzt immer noch 55 Prozent aller Befragten der Branche, die der Ansicht sind, dass die Arbeitslosenzahlen im nächsten halben Jahr erneut steigen werden. Nur 14 Prozent sind gegenteiliger Ansicht.

Die Entwicklung des Exportvolumens wird zwar immer noch positiv gesehen, aber im Vergleich zu den Werten aus der jüngsten Umfrage in 2004 jetzt deutlich abgeschwächt: Nur noch 48 Prozent sehen das Exportvolumen in den nächsten sechs Monaten ansteigen. Gleichzeitig sehen 44 Prozent der Befragten der Chemie-, Pharma- und Life Science Branche die Inlandsnachfrage im kommenden halben Jahr weiter sinken.

Auftragslage tendiert leicht positiv, Investitionsneigung uneinheitlich

Die Auftragslage des eigenen Unternehmens im vergangenen halben Jahr wird von den Unternehmern der Chemie-, Pharma- und Life Science-Branche im Durchschnitt leicht positiv bewertet. Für 44 Prozent hat sie sich verbessert und für 17 Prozent verschlechtert. Für das nächste halbe Jahr sehen die Unternehmenslenker wie auch in den vorangegangenen Umfragen mehrheitlich steigende Auftragszahlen: 46 Prozent prognostizieren diese für ihr Unternehmen und 9 Prozent sehen weniger Aufträge. Ein Blick auf das Investitionsverhalten des nächsten halben Jahres ergibt ein uneinheitliches Bild: 32 Prozent wollen ihre Investitionen steigern, 25 Prozent wollen sie senken. Die Neigung, Arbeitnehmer im nächsten halben Jahr eher zu entlassen, als neue Mitarbeiter einzustellen, hält an, hat sich aber erneut leicht abgeschwächt: So wollen 34 Prozent Entlassungen vornehmen, 16 Prozent dagegen sind zu Neueinstellungen bereit.

Die Standortfaktoren in Deutschland werden weiterhin negativ beurteilt: Diesmal sind es noch 25 Prozent, die finden, dass sich das unternehmerische Umfeld im vergangenen halben Jahr verschlechtert hat. Die Steuer- und Abgabenlast, die die Unternehmen zu tragen haben, wird jetzt deutlich positiver eingeschätzt als bei der jüngsten Umfrage aus 2004. Die Einschätzung bleibt aber in der Bilanz negativ: Das Hauptfeld (57 Prozent) antwortete indifferent und 29 Prozent sehen die Steuerlast im nächsten halben Jahr ansteigen.

Thomas Becker | directnews
Weitere Informationen:
http://www.capgemini.com

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