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Der NRW-Industrie mangelt es an Innovationskraft

26.07.2005


F&E-Personal abgebaut - weniger Patente - Wachstumspotenziale bei Gesundheitswirtschaft, wissensintensiven Dienstleistungen und IuK-Wirtschaft



Die nordrhein-westfälische Industrie engagiert sich zu wenig in Forschung und Entwicklung, so dass wichtige Impulse für Innovationen und damit Wachstum und Beschäftigung ausbleiben. Zwar hat die öffentliche Hand ihre F&E-Ausgaben überdurchschnittlich gesteigert, konnte damit aber das gesunkene Engagement der Unternehmen nicht ausgleichen. Die Zahl der Patentanmeldungen aus NRW ist seit Jahren rückläufig, zudem haben die Unternehmen F&E-Personal abgebaut. Das geht aus Untersuchungen des Instituts Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen) zum Innovationsgeschehen in NRW hervor.



Eine nähere Analyse vorhandener Indikatoren deutet allerdings auf eine durchaus heterogene Entwicklung des Landes hin, wobei das Rheinland, Münsterland und Ostwestfalen-Lippe besser als der Bundesdurchschnitt abschneiden, das nördliche Ruhrgebiet deutlich darunter. Im Zeitraum von 1991 bis 2001 haben Unternehmen in NRW im Gegensatz zur Bayern und Baden-Württemberg in deutlichem Umfang FuE-Personal abgebaut, stellt die Studie fest. Hierdurch bedingt hat das Land, gemessen am Bundesanteil, konstant an Gewicht verloren. "Die nordrhein-westfälischen Unternehmen sind damit zwar einem Trend gefolgt, der bundesweit feststellbar war, allerdings haben die bayerischen und baden-württembergischen Unternehmen ihren Personalbestand im Bereich Forschung und Entwicklung per Saldo erhöht!", stellt IAT-Vizepräsident Prof. Dr. Gerhard Bosch im Vergleich fest.

Vor allen Dingen die Chemieindustrie und der Maschinenbau waren von einem Abbau des FuE-Personals betroffen. Eine vergleichbare Entwicklung lässt sich für den Industriebereich auch bei den internen FuE-Ausgaben der Unternehmen beobachten. "Gemessen als Anteil am erzielten Unternehmensumsatz hat sich die Position Nordrhein-Westfalens im Bundesvergleich kontinuierlich verschlechtert", so der IAT-Wissenschaftler Jürgen Nordhause-Janz.

Die geringere F&E-Intensität der nordrhein-westfälischen Wirtschaft lässt sich zum Teil durch besondere Strukturmerkmale erklären: So ist etwa die sehr starke Elektro- und Metallindustrie in NRW sehr mittelständisch geprägt. Die durchschnittliche Betriebsgröße liegt nur etwa halb so hoch wie in Baden-Württemberg. Gerade Klein- und Mittelbetriebe verfügen häufig nicht über eigene Forschungsabteilungen. Darüber hinaus gingen gerade in NRW überdurchschnittlich viele Arbeitplätze in der sehr forschungsintensiven chemischen Industrie verloren.

Demgegenüber blieben die nordrhein-westfälischen F&E-Ausgaben des öffentlichen Sektors, gemessen als Anteil am Bruttoinlandsprodukt, nahezu konstant. Mit einer Steigerungsrate von 17,6% im betreffenden Zeitraum lag das Wachstum zudem über dem Bundesdurchschnitt und den Ausgabensteigerungen in Bayern und Baden-Württemberg. Allerdings konnte hierdurch das gesunkene Engagement der nordrhein-westfälischen Unternehmen nicht ausgeglichen werden. In der Konsequenz hat sich die Patentstellung NRWs im Ländervergleich über die Jahre kontinuierlich verschlechtert. Stammten 1995 in absoluten Zahlen die meisten Patentanmeldungen am deutschen Patentamt aus Nordrhein-Westfalen, so ist seit 2001 ein kontinuierlicher Rückgang der absoluten Patentanmeldungszahlen zu beobachten. Im Bundesländervergleich weist das Land einen seit mehreren Jahren sinkenden Anteil an den bundesdeutschen Patentanmeldungen auf. Im Zeitraum zwischen 1995 und 2000 wiesen lediglich das Rheinland sowie das Sauer-, und Siegerland Patentaktivitäten auf, die in etwa dem westdeutschen Niveau entsprachen

Erfreulicherweise zeigen sich jedoch in verschiedenen Querschnittsbranchen, die von vielen Beobachtern als beschäftigungspolitisch wichtig angesehen werden, auch in anderen nordrhein-westfälischen Regionen positive Beschäftigungsentwicklungen. Dies trifft für wissensintensive Dienstleistungen ebenso zu wie für die Gesundheitswirtschaft und die Informations- und Kommunikationswirtschaft (IuK) des Landes. So sind in der IuK-Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen im Vergleich zu Westdeutschland oder den Ländern Bayern und Baden-Württemberg im Zeitraum zwischen 1999 und 2003 überdurchschnittlich viele neue Arbeitsplätze entstanden. Das Rheinland liegt mit einer Wachstumsrate von 32 % deutlich über dem nordrhein-westfälischen Durchschnitt, während erneut die Problemregionen des Landes, u. a. das nördliche Ruhrgebiet, deutlich darunter liegen.

Ganz ähnlich sieht es im Bereich der Gesundheitswirtschaft aus, die mit einem Beschäftigungsanteil von mehr als 14 % in Nordrhein-Westfalen mittlerweile ein wichtiges beschäftigungspolitisches Gewicht besitzt. Als positive Abweichungen von der bundesdeutschen Entwicklung fallen vor allen Dingen das Münsterland, Ostwestfalen-Lippe und das Rheinland ins Auge.

Zieht man in die Betrachtung außerdem die Entwicklung wissensintensiver Dienstleistungen ein, so weisen zwar alle Regionen in NRW positive Beschäftigtenentwicklungen auf, die Wachstumsschwäche des nördlichen Ruhrgebiets und des Bergischen Landes wird allerdings auch hier deutlich. In allen untersuchten, bundesweit als Wachstumsträger geltenden Querschnittsbranchen weisen die beiden Regionen teilweise erhebliche Wachstumsrückstände auf.

Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://www.iatge.de

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