Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wirtschaftswissenschaftler untersuchen die Besteuerung von Konzernen in Europa

19.07.2005


Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert Projekt - Optionen für einheitliche Bemessungsgrundlage



Die Besteuerung von Konzernen in Europa untersuchen Wirtschaftswissenschaftler der Universität Göttingen in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt. Die Forscher am Institut für deutsche und internationale Besteuerung wollen Optionen für eine einheitliche konsolidierte Bemessungsgrundlage für grenzüberschreitend tätige Konzerne in der Europäischen Union entwickeln. Zugleich werden sie die damit verbundenen Konsequenzen für die Steuerbelastung von Unternehmen sowie die zwischenstaatliche Verteilung des Steueraufkommens abschätzen. Im Rahmen der auf fünf Jahre angelegten Untersuchung kooperiert das Team unter der Leitung von Prof. Dr. Andreas Oestreicher mit Wissenschaftlern der Universitäten Hamburg und Gießen sowie Experten des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim. Für den ersten zweijährigen Projektabschnitt stellt die DFG Personalstellen sowie Sachmittel in Höhe von 22.600 Euro zur Verfügung.



Das deutsche Steuersystem kennt wie auch das Steuerrecht der europäischen Nachbarn keine eigenständige Konzernbesteuerung. Vielmehr werden die einzelnen Unternehmen nach unterschiedlichen Regelungen separat besteuert. "Das Nebeneinander der unterschiedlichen Systeme verzerrt Standort-, Investitions- und Finanzierungsentscheidungen und behindert die grenzüberschreitende Geschäftstätigkeit von Unternehmen innerhalb der EU", erläutert Prof. Oestreicher. Hindernisse bilden zum Beispiel die unterschiedliche Ermittlung des zu versteuernden Einkommens in den Mitgliedstaaten und die Notwendigkeit von Verrechnungspreisen für den konzerninternen Liefer- und Leistungsverkehr. Die Europäische Kommission hat deshalb vorgeschlagen, die Besteuerung auf einer konsolidierten Basis durchzuführen. Dazu müssen die auf der Ebene der einzelnen Konzernunternehmen ermittelten Gewinne zu einem Konzerngewinn zusammengefasst werden, um diesen anschließend auf die Unternehmen zu verteilen, die an der Entstehung dieses Gewinns beteiligt waren.

Im ersten Teil des Forschungsprojektes beschäftigen sich die Wissenschaftler mit qualitativen Aspekten. Dabei geht es um die Fragen, wie die steuerliche Gewinnermittlung europaweit vereinheitlicht werden kann, welche Konsolidierungstechnik anzuwenden ist und wie die steuerlichen Gewinne eines Konzerns auf die beteiligten Unternehmen zu verteilen sind. Prof. Oestreicher: "Darüber hinaus untersuchen wir, welche weiteren Anpassungen der nationalen Steuerrechtsordnungen jenseits der Besteuerung nach einer gemeinsamen Bemessungsgrundlage erforderlich sind." Ein damit verbundener Wechsel des Besteuerungssystems wäre nicht ohne Auswirkungen auf die Steuerbelastung der Unternehmen und das Steueraufkommen. Um diese Konsequenzen bestimmen zu können, werden die Forscher typische Konzernstrukturen, das in europäischen Unternehmen vorhandene Verlustpotenzial sowie Art und Umfang der Liefer- und Leistungsbeziehungen innerhalb eines Konzernes ausloten.

Aus den Ergebnissen dieser Untersuchungen wollen die Wissenschaftler Optionen für eine Besteuerung von Unternehmen in der EU auf konsolidierter Basis entwickeln. Eine Wirkungsanalyse auf der Grundlage von Simulationen erfolgt in dem darauf aufbauenden zweiten Teilprojekt.

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Andreas Oestreicher
Georg-August-Universität Göttingen
Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
Institut für deutsche und internationale Besteuerung
Platz der Göttinger Sieben 3, 37073 Göttingen
Telefon (0551) 39-7308, Fax (0551) 39-7874
e-mail: andreas.oestreicher@uni-goettingen.de

Marietta Fuhrmann-Koch | idw
Weitere Informationen:
http://idib.wiwi.uni-goettingen.de
http://www.uni-goettingen.de/

Weitere Berichte zu: Wirtschaftswissenschaftler

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index tritt auf der Stelle
24.11.2016 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Lemgoer Wissenschaftler wollen smarte Banknote realisieren
08.11.2016 | Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie