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Abgeschwächte Euphorie in der PE-Branche - Zurückhaltung im VC-Markt

05.07.2005


Unentschieden zur Halbzeit - Deloitte Private Equity Umfrage Q2 2005

Gedämpfte Erwartungen in der PE Branche: Die aktuellen Ergebnisse der Deloitte Private Equity Umfrage und des Venture Capital Barometers bestätigen eine deutlich verhaltene Stimmung für die kommenden sechs Monate. Gefragt wurde unter anderem nach Trends in Zukunftsmärkten und -branchen sowie nach den Auswirkungen der aktuellen Kapitalismuskritik für Investitionsentscheidungen im deutschsprachigen Raum.

Private Equity

Allen guten Aussichten des ersten Quartals zum Trotz ist der Positivtrend des Stimmungsindikators vorerst gestoppt. Bezeichnend ist der Indexstand mit 117 Punkten - das entspricht einer Differenz von zehn Punkten zum Vorquartal. Wie auch im Vorjahr zeichnet sich eine Kehrtwende im zweiten Quartal ab, erstmals seit zwei Quartalen setzt sich somit ein Negativtrend durch.

Ausschlaggebend für den Rückgang war eine deutliche Zunahme an zurückhaltenderen Erwartungen der Fondsmanager. Die Mehrheit der Umfrageteilnehmer sieht keine Veränderungen bezüglich gesamtwirtschaftlicher Entwicklung, Zugänglichkeit zu Fremdkapital oder auch durchschnittlichen Transaktionsvolumina. In diesem Sinne ist der Rückgang eher als eine Normalisierung des Rekordniveaus des ersten Quartals (127 Punkte) zu interpretieren.

Bezüglich Unternehmensaktivitäten und Exit Strategien ergibt sich im Wesentlichen ein unverändertes Bild. Nach wie vor bilden Neuinvestitionen mit 72 Prozent der Stimmen die Toppriorität bei Unternehmensaktivitäten, ebenso wie Trade Sales (87 Prozent) und Secondary Buy-outs (67 Prozent) bei Exit Strategien. Auffällig bei Unternehmensaktivitäten war allerdings eine proportionale Zunahme von Desinvestitions- und Fundraisingvorhaben. Das weist auf das fortgeschrittene Alter der Fonds hin.

Die PE- Branche ist alarmiert. Das ist nicht unbedingt als Signal für eine negative Trendwende aufzufassen, sicherlich wird aber von der bis dato allgegenwärtigen Euphorie vorerst Abstand genommen.

Fazit: Die deutsche PE-Branche hat deutlich an Reife gewonnen und blickt realistisch auf die kommenden sechs Monate.

Schwerpunkt der aktuellen Umfrage war das Thema "Zukunftsmärkte und -branchen". Im Hinblick auf den aktuellen China-Boom, war es interessant, diese Märkte auf Attraktivität und Risiken für PE-Investitionen zu untersuchen. Überraschend war das relativ schlechte Abschneiden Chinas und generell des asiatischen Raums im Vergleich zu Ost- oder Westeuropa. "Der wesentliche Grund warum PE Investitionen in China relativ unattraktiv sind, sind die bestehenden Devisenverkehrskontrollen und Beschränkungen bei Zuteilung der Gewinne, schließlich ist China nicht an einer Kapitalflucht interessiert.", so Karsten Hollasch, Partner im Bereich Transaction Services bei Deloitte. "Des Weiteren sind durch die bestehenden Investitionsbeschränkungen so manche Industrien für ausländische PE Investoren tabu. Gleiches gilt für den Exit, bei dem strenge Zulassungsvorschriften einen Börsengang ungemein erschweren. Grund für die Unattraktivität sind somit politisch-rechtliche Beschränkungen und nicht der Mangel an attraktiven Targets."

Die Grafik bildet die regionale Marktpräferenz der Fondsmanager ab. Deutlich zu sehen ist, dass Manager Osteuropa als attraktivsten Zukunftsmarkt betrachten, noch vor Asien und Westeuropa. China liegt in der Gunst der Investoren etwas unerwartet sogar hinter etablierten Märkten wie Westeuropa.

Venture Capital

Auch der VC-Markt zeichnet sich durch eine Ergebnis-Halten Strategie aus: die Fondsmanager der VC Branche sehen keine wesentlichen Veränderungen für die kommenden sechs Monate. Analog zur PE Branche ist allerdings ein deutlicher Rückgang optimistischer Meinungen zu beobachten. So dominiert bei der Einschätzung des gesamtwirtschaftlichen Klimas oder der Rahmenbedingungen für das Auflegen neuer Fonds eine indifferente Haltung, was die Zukunftsaussichten betrifft.

Auf die Frage nach den Auswirkungen der Kapitalismuskritik in der Branche, antwortete das Gros der Befragten erfreulicherweise, dass diese weder nennenswerte negative Impulse auf die VC-Branche (56 Prozent) noch auf die Investitionsentscheidungen (80 Prozent) haben wird.

Hinsichtlich Investmentfokus sind die Meinungen relativ unverändert. Nach wie vor sehen die Investoren Potenziale in den Branchen Nanotechnologie, Sicherheitstechnik/-software sowie Bio- und Gentechnologie. Der Bereich Medizintechnik/Life Science gerät aktuell wieder stärker in den Blickpunkt der VC Manager. Bezüglich Investitionsphasen zeichnet sich bei der Mehrheit der Befragten eine Präferenz für die Expansionsphase ab (41 Prozent).

Aber auch die Seed-Phase konnte in der Gunst der Investoren zu legen. Sie verzeichnet die höchste Quote innerhalb der letzten 24 Monate (14 Prozent). "Dies ist eine erfreuliche, aber auch notwendige Entwicklung", so Steffen Säuberlich, Leiter Corporate Finance bei Deloitte in Berlin, "denn nur wenn die Unternehmen bereits in der Seed Phase auch nichtstaatliche Unterstützung erfahren, wird es mittel- und langfristig interessante Wachstumskandidaten geben."

Fazit: Die Umfragedaten geben hinsichtlich des deutschen, schweizerischen und österreichischen VC-Marktes weder Anlass zu Euphorie noch zu Besorgnis.

Die Umfragedetails

Das Private Equity- und Venture Capital-Team von Deloitte untersucht die Erwartungen und Aussichten der beiden Branchen durch zwei sektorspezifische und regelmäßig vierteljährlich durchgeführte Studien, die Private Equity-Survey und das Venture Capital Barometer. Zu ihren Markteinschätzungen für die nächsten zwei Quartale wurden mehr als 1.800 Investmentmanager der Venture Capital- und Private Equity-Branche mittels Fragebogen befragt. Deloitte Private Equity- und Venture Capital-Umfragen erscheinen in den Ländern Australien/Neuseeland, USA, Deutschland, Österreich, Schweiz, Großbritannien, Hong Kong/China, Israel, Italien, Kanada, Niederlande, sowie für Central Europe in Ländern wie Polen, Tschechische Republik, Ungarn.

Die Umfrage ist als pdf-Datei erhältlich (deutsch oder englisch).

Deloitte Deutschland

Deloitte ist eine der führenden Prüfungs- und Beratungsgesellschaften in Deutschland. Das breite Leistungsspektrum umfasst Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Consulting und Corporate Finance-Beratung. Mit über 3.200 Mitarbeitern in 18 Niederlassungen betreut Deloitte seit mehr als 90 Jahren Unternehmen und Institutionen jeder Rechtsform und Größe aus fast allen Wirtschaftszweigen. Über den Verbund Deloitte Touche Tohmatsu ist Deloitte mit 120.000 Mitarbeitern in nahezu 150 Ländern auf der ganzen Welt vertreten.

Deloitte bezieht sich auf Deloitte Touche Tohmatsu, einen Verein schweizerischen Rechts, dessen Mitgliedsunternehmen einschließlich der mit diesen verbundenen Gesellschaften. Als Verein schweizerischen Rechts haften weder Deloitte Touche Tohmatsu als Verein noch dessen Mitgliedsunternehmen für das Handeln oder Unterlassen des/der jeweils anderen. Jedes Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig, auch wenn es unter dem Namen "Deloitte", "Deloitte & Touche", "Deloitte Touche Tohmatsu" oder einem damit verbundenen Namen auftritt. Leistungen werden jeweils durch die einzelnen Mitgliedsunternehmen, nicht jedoch durch den Verein Deloitte Touche Tohmatsu erbracht.

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Ada Vorkauf | Deloitte & Touche
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