Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kleinstgründungen weiter auf dem Vormarsch

03.06.2005


KfW-Gründungsmonitor 2005: 1,4 Millionen Gründungen im vergangenen Jahr

Im vergangenen Jahr haben sich in Deutschland rund 1,4 Millionen Personen selbständig gemacht und damit 200.000 weniger als im Vorjahr. Während die Zahl der Vollerwerbsgründungen nahezu unverändert blieb (2004: mehr als 670.000; 2003: 680.000), waren die Nebenerwerbsgründungen stark rückläufig: 760.000 Menschen machten sich 2004 im Nebenerwerb selbständig, damit etwa 22 % weniger als im Vorjahr. Der Grund hierfür: in der derzeitigen schwierigen konjunkturellen Lage verzichten oder verschieben Menschen in abhängiger Beschäftigung häufiger ihre Pläne für eine selbständige Nebentätigkeit. Die Gründerquote, d.h. der Anteil der Gründer an der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter, fiel von 2,3 % im Jahr 2003 auf 2,0 % im vergangenen Jahr. Dies ergab der KfW-Gründungsmonitor 2005, eine repräsentative Analyse über das Gründungsgeschehen in Deutschland, die der Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe, Dr. Norbert Irsch heute in Frankfurt vorstellte.

Die hauptberufliche Selbständigkeit ist weiterhin eine interessante Alternative zur abhängigen Beschäftigung. "Viele Gründer wollen ihre Ideen in die Tat umsetzen und lassen sich vom konjunkturellen Umfeld nicht beeindrucken. Andere gründen, auch das ist ganz deutlich, aus Mangel an Erwerbsalternativen", sagte Dr. Irsch. "Unsere Aufgabe ist es, die Ergebnisse unsere Forschung in unsere Programmgestaltung einfließen zu lassen: Die KfW Mittelstandsbank unterstützt deshalb Gründer mit spezifischen Programmen von Kleinstgründungen im Dienstleistungssektor über traditionelle Gründungen im Handwerk bis zu wachstumsstarken Start-Ups im High-Tech-Bereich. Neben der Finanzierung wird auch das Thema Beratung immer wichtiger, da viele Menschen ohne entsprechende Vorkenntnis und Erfahrung auf die Unternehmerseite wechseln."

Die wichtigsten Ergebnisse des KfW Gründungsmonitors im Überblick:

Jeder dritte Existenzgründer startete 2004 aus der Arbeitslosigkeit. Dies sind im Vergleich zum Vorjahr rund 2 Prozentpunkte mehr. Unter den Vollerwerbsgründern war sogar jeder zweiter zuvor arbeitslos.

In den neuen Bundesländern waren 53 % der Gründer vor dem Start in die Selbständigkeit ohne Arbeit, in den alten Bundesländern lag dieser Anteil bei 28 %. Dreiviertel aller Arbeitslosen, die sich im Vollerwerb selbständig gemacht haben, erhielten Leistungen der Bundesagentur für Arbeit (Überbrückungsgeld o. Existenzgründerzuschuss). Diese Nachwuchsunternehmer starten tendenziell kleiner als nicht von der BA geförderte Gründer: weit überwiegend beginnen sie als ein Mann-Unternehmen (über 70 %) und haben auch nur einen sehr geringen Finanzierungsbedarf.

Der Trend zu Kleinstgründern hält damit weiter an: rund 60 % aller Gründer benötigten 2004 weniger als 5.000 EUR für den Schritt in die Selbständigkeit. Das sind 10 % mehr als im Vorjahr. 32 % haben sogar überhaupt keinen Finanzierungsbedarf (2003: 26 %).

Die Anzahl der Gründer mit Finanzierungsschwierigkeiten hat abgenommen: 2003 stieß noch jeder vierte Gründer auf Probleme bei der Finanzierung, im vergangenen Jahr war es jeder fünfte.

Zum ersten Mal wurde im diesjährigen Sonderteil des KfW Gründungsmonitors das Thema "Motivation der Unternehmensgründer" untersucht: 90 % aller Gründer gaben an, dass sowohl Chancen, als auch "Not-Motive" bei der Entscheidung zur Selbständigkeit eine Rolle gespielt haben. Diejenigen, bei denen ausschließlich "Chancen"-Überlegungen im Vordergrund standen, gründeten i. d. R. größer als diejenigen aus reinen "Not-Motiven". Die Auswertungen belegen aber auch, dass Gründungen aus der Arbeitslosigkeit nicht pauschal mit "Not-Gründungen" gleichgesetzt werden dürfen. Immerhin rund ein Drittel der Gründer, die ausschließlich Chancen-Motive angeben, waren zum Zeitpunkt der Gründung arbeitslos.

Neben den Motiven wurde im Sonderteil untersucht, wovon die Beschäftigtenzahl zum Gründungszeitpunkt abhängt. Das Humankapital des Gründers - also seine Ausbildung, Berufserfahrung, Beschäftigungsstatus - hat einen signifikant positiven Einfluss auf die Anzahl der Mitarbeiter. Daneben hängt sie von weiteren Einflussfaktoren, wie etwa der Branche, ab. Im Vergleich zum Verarbeitenden Gewerbe starten besonders die Dienstleistungen und der Handel mit einer geringeren Zahl an Beschäftigten. Das Geschlecht des Gründers hingegen hat keinen Einfluss auf die Größe des Unternehmens zum Gründungszeitpunkt.

Sonja Höpfner | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.kfw.de

Weitere Berichte zu: Finanzierungsbedarf Kleinstgründung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr nahe Null
18.01.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht WSI-Tarifarchiv: Tariflöhne und -gehälter 2016: Reale Steigerungen von 1,9 Prozent
05.01.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Latest News

Helmholtz International Fellow Award for Sarah Amalia Teichmann

20.01.2017 | Awards Funding

An innovative high-performance material: biofibers made from green lacewing silk

20.01.2017 | Materials Sciences

Ion treatments for cardiac arrhythmia — Non-invasive alternative to catheter-based surgery

20.01.2017 | Life Sciences