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Aktienmarkt: Warten auf Entwarnung

14.08.2001


Eine ernüchternde Quartalsbilanz der US-Unternehmensergebnisse, die inzwischen parallele Wirtschaftsabschwächung in Amerika, Europa und Asien, Schwellenländerprobleme sowie fehlende EZB-Zinsimpulse haben an den internationalen Börsen weitere Terrainverluste provoziert. Auch hierzulande mussten herbe Rückschläge aus dem Unternehmenssektor (Baycol-Rücknahme von Bayer, Anteilsverkäufe in Deutsche Telekom) hingenommen werden, die vorhandene Lichtblicke (Metro, BMW, Schering) weit in den Schatten stellten. Im Indexvergleich zeigt seit Jahreshalbzeit lediglich der Dow Jones Stehvermögen (-2 Prozent). Einmal mehr enttäuschte der Neue Markt (nochmals minus 20 Prozent, dagegen Nasdaq, Nikkei und DAX zwischen 7 und 9 Prozent im Minus).

Die Hoffnungen der Investoren richten sich primär darauf, dass das Nachfrage-Zugpferd USA die Talsohle bald erreicht. Ungeachtet aggressiver Zinssenkungen, steilerer Zinskurve und anlaufender Steuerentlastungen musste aber die amerikanische Notenbank zuletzt in ihrem Konjunkturbericht (Beige Book) weiterhin fehlende konjunkturelle Schubkraft konstatieren. Für die Industrie fielen die Aufträge im Juni mit minus 2,4 Prozent erneut schwach aus. Dagegen haben die mit Spannung erwarteten Produktivitätsziffern die in den letzten Jahren erzielten Effizienzgewinne der amerikanischen Wirtschaft trotz Abstrichen bestätigt. Schwächen sind jedoch angesichts steigender Personalfreisetzungen auch beim bislang relativ robusten Konsum nicht auszuschließen (Juli-Verbrauchervertrauen 116,5 nach 118,9 Punkte).

In Europa wächst derzeit mit zunehmender Schrumpfung der bislang über den USA liegenden Wachstumsperspektiven die Nervosität besonders stark. Im laufenden Jahr ist eine Expansion mit einer Zwei vor dem Komma - nach 3,4 Prozent in 2000 - keineswegs sicher, nicht zuletzt da für den wichtigen Export der Rückenwind angesichts globaler Nachfrageschwäche sowie zinsbedingt gestärkter Gemeinschaftswährung abnimmt. Das von der EU-Kommission ermittelte Industrievertrauen der Eurozone sank im Juli auf minus 9 (nach minus 7), in 2000 lag der Durchschnitt noch bei plus 5. Speziell Deutschland liefert schwache Signale (Juni-Auftragseingang für das verarbeitende Gewerbe vor allem wegen nachlassender Binnennachfrage minus 2,5 Prozent).

Unter dem Strich sind angesichts der negativen Nachfragedynamik Zeitpunkt und Ausmaß einer Ertragswende für die Unternehmen in 2002 deutlich unsicherer geworden. Somit dürfte es schwerfallen, das vorherrschende Bärenmarktszenario auf Sicht zu überwinden. Umgekehrt verbessern die EZB-Zinssenkungshoffnungen, die zum Jahresende basisbedingt günstiger zu erwartenden Zahlen sowie hohe Cash-Positionen bei institutionellen Anlegern sukzessive das Chance-Risiko-Verhältnis. Übereilte Engagements bei den Dividendentiteln drängen sich derzeit nicht auf, vorzuziehen sind selektive Positionen beispielsweise in BASF, Deutsche Bank, Schering, Hannover Rück oder Bilfinger Berger.

Hans Beth | ots

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