Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Damit weniger Unternehmen in die demographische Falle tappen

08.08.2001


Der Arbeitsmarkt der Zukunft: immer weniger junge Fachkräfte, immer mehr Rentner


Wissenschaftler aus Chemnitz und Halle helfen Fachkräftemangel vorzubeugen

Viele ostdeutsche Unternehmen klagen schon heute über einen bedrohlich steigenden Mangel an Fachkräften. Und in Zukunft wird sich die Situation noch verschärfen: Für eine junge Fachkraft, die im Jahr 2012 auf den Arbeitsmarkt kommt, gehen gleich zwei Erfahrungsträger in den Ruhestand. Schuld daran sind geburtenschwachen Jahrgänge der Nachwendejahre und die ungünstigen Altersstrukturen in vielen Betrieben. Die wichtigste Ressource eines jeden Unternehmens - der Mensch - wird immer knapper.

Doch es schimmert ein kleines Licht am Ende des Tunnels: Mit dem Projekt GENIUS unterstützt die Technische Universität Chemnitz in Kooperation mit dem Zentrum für Sozialforschung Halle die kleinen und mittelständischen Unternehmen, die im Kampf gegen die drohende demographische Falle besonders benachteiligt sind. GENIUS heißt "Generationenaustausch in industriellen Unternehmensstrukturen" und wird seit zwei Jahren durch die Professur Personalwesen und Führungslehre an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften entwickelt. Das Projekt soll den befürchteten Fachkräftemangel vermeiden helfen. In Zusammenarbeit mit der Wirtschaft werden im Rahmen einer Aktionsforschung unterschiedliche Strategien und Instrumente entwickelt, um geeignete präventive Maßnahmen zu finden. GENIUS will bis zum Jahr 2002 vor allem in drei Schwerpunktbereichen Ergebnisse vorweisen:

1. Der Nachwuchskräftepool

Er soll in erster Linie verhindern, dass es in Zukunft zu einem Mangel an gut ausgebildeten Mitarbeitern kommt. Sieben Unternehmen der Chemie-Branche haben bisher ihre personelle und finanzielle Unterstützung für dieses Vorhaben zugesagt und ein gemeinsames Gremium gegründet. Eine Zeitarbeitsfirma übernimmt die Koordination dieses Pools. Derzeit werden weitere Chemiebetriebe geworben und die rechtlichen Rahmenbedingungen abgesteckt. Die jungen Fachkräfte sollen ab 2002 für drei Jahre die Möglichkeit erhalten, in verschiedenen regional ansässigen Chemieunternehmen erste berufliche Erfahrungen zu sammeln. Danach wird ihnen die Übernahme in eines der Partnerunternehmen zugesichert. Vom Nachwuchskräftepool zieht jede Seite ihren Nutzen: Zum einen lernen die jungen Laboranten oder Verfahrenstechniker ihren späteren Arbeitgeber genau kennen und wissen, was sie erwartet. Zum anderen profitieren die beteiligten Unternehmen, weil sie sich schon heute ein "Polster" für die Zeiten zulegen können, in denen kaum mehr junge Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt zu finden sind. Darüber hinaus lässt sich die Produktion mit diesem Instrument flexibler organisieren: Einerseits stehen bei Produktionsspitzen genügend qualifizierte Mitarbeiter zur Verfügung, andererseits können Qualifizierungsmaßnahmen für die Stammbelegschaft besser geplant werden.

2. Wissenstransfer von Senior zu Junior

Ein weiteres wichtiges Ziel des GENIUS-Projektes besteht darin, die Weitergabe von Erfahrungswissen zwischen älteren und jüngeren Fachkräften in geregelte Bahnen zu lenken. Angesichts des bevorstehenden Generationenwechsels und des damit verbundenen Wissensabflusses aus den Unternehmen lässt sich nicht darauf vertrauen, dass Erfahrungswissen im Selbstlauf erworben und weiterentwickelt wird. Vielmehr ist es notwendig, Wege zu finden, wie das benötigte Erfahrungswissen systematisch vermittelt werden kann. Im Sinne eines angewandten Wissensmanagements heißt das für die betroffenen Unternehmen, das Erfahrungswissen älterer Fachkräfte zu identifizieren und über neue "Lernwege" anderen Mitarbeitern und dabei besonders den jungen Fachkräften zugänglich zu machen. In diesem Zusammenhang sollen Jungfacharbeiter angeregt werden, Lerntagebücher zu führen.

... mehr zu:
»Fachkräftemangel

3. Bessere Bindung ans Unternehmen

In einem dritten thematischen Bereich geht das Projekt GENIUS der Frage nach, wie qualifizierte Fachkräfte an ein Unternehmen gebunden werden können. Denn mit einem fortschreitenden Fachkräftemangel steigt auch die Gefahr, dass Mitarbeiter abwandern und ihr erworbenes Fachwissen mitnehmen. Um schon im Vorfeld eine gute Informationsbasis über die Stimmung in der Belegschaft zu haben, bietet sich das Instrument der Mitarbeiterbefragung an. Mittels eines Arbeitszufriedenheits-Indexes kann ermittelt werden, wie es um das Arbeitsklima bestellt ist und welche Zusatzleistungen sich die Mitarbeiter vom Unternehmen wünschen. Da kleine und mittlere Betriebe häufig nicht die Gehälter zahlen können, die bei Großunternehmen üblich sind, sollten sie andere Wege gehen, um ihre Mitarbeiter langfristig an sich zu binden. Die so genannte Bindequalität kann sich beispielsweise erhöhen, wenn die Entscheidungsspielräume des Einzelnen vergrößert werden, wenn ihm die Möglichkeit zur Projektarbeit geboten wird oder er die Arbeitsinhalte aktiv gestalten kann. Auch eine betriebliche Altersvorsorge wird von vielen Mitarbeitern als attraktive Zusatzleistung gesehen.

Alexander Friebel | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-chemnitz.de/wirtschaft/bwl6/index.html

Weitere Berichte zu: Fachkräftemangel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index sinkt nach März-Hoch
23.05.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr bleibt niedrig
19.05.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten