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Nach Zwischenhoch wieder Eintrübung der Konjunktur

21.04.2005

Das Jahr 2004 brachte für die chemische Industrie in Hessen wegen der anhaltend guten Exportentwicklung ein leichtes Wachstum bei Produktion und Umsatz. Im Auslandsgeschäft nahmen die Umsatzerlöse um 2,7 Prozent zu, im Inland gab es dagegen ein Minus von 1,7 Prozent. "Für 2005 sind unsere Unternehmen "verhalten zuversichtlich" und bewerten die aktuelle Wirtschaftslage lediglich mit "befriedigend", erklärte Karl-Hans Caprano, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes HessenChemie anlässlich der Frühjahrspressekonferenz in Frankfurt. Nach dem Zwischenhoch Ende 2004 und Anfang 2005 trübt sich die Lage nach Einschätzung des Verbandes aufgrund zunehmender konjunktureller Risiken wieder ein.

Grundlage für die Beurteilung der konjunkturellen Situation stellt eine Umfrage unter Mitgliedsunternehmen dar, an der 96 Unternehmen mit über 80 Prozent der 92.000 Chemiearbeitnehmer im Verbandsbereich teilgenommen haben. In den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres gab es nach den neuesten statistischen Daten für die chemische Industrie in Hessen ein Umsatzplus von gut 4 Prozent, was im Wesentlichen auf gestiegene Produktpreise zurückgeführt wird. "Aus heutiger Sicht erwarten wir aber im Jahresschnitt für die hessische Chemie allenfalls wieder geringe Zuwächse bei Produktion und Umsatz, die sich in einer ähnlichen Größenordnung wie im vergangenen Jahr bewegen", prognostiziert Caprano.

Dabei wies er auf die in den letzten Wochen wieder zunehmenden Risiken für eine nachhaltig Konjunkturbelebung hin: 37 Prozent der Unternehmen stuften die Lage des Inlandsgeschäfts immer noch als "nicht befriedigend" ein. Zugleich verliere die weltwirtschaftliche Entwicklung an Dynamik, die die Grundlage für die Exporterfolge der Branche sei.

Der durch die Ölpreisexplosion ausgelöste Anstieg der Rohstoff- und Energiekosten hält nach Einschätzung der Chemieverbände an. Hier rechnen viele hessischen Chemieunternehmen in den kommenden Monaten noch mit weiteren Verteuerungen.

Außerdem drohen für die Branche weitere Belastungen der Rahmenbedingungen. Die chemische und pharmazeutische Industrie gehöre schon heute zu den am meisten regulierten Wirtschaftsbranchen. Ein prominentes Beispiel sei der Vorschlag der Europäischen Kommission zur Reform der Stoffpolitik ("REACH"). Sollte der Vorschlag Realität werden, würde dies nicht nur die Chemie, sondern den gesamten Industriestandort Hessen ohne Not zusätzlich belasten. "Im Übrigen bleiben wir bei den Chemie-Arbeitskosten im internationalen Vergleich unverändert an der Spitze", die erforderliche Entlastung bei den Personalnebenkosten sei nicht in Sicht. Mit Blick auf die unmittelbar bevorstehende Tarifrunde in der chemischen Industrie forderte Caprano von den Tarifpartnern: "Die geschilderten Risiken dürfen bei den Verhandlungen nicht außer Acht gelassen werden - wir erwarten von der Tarifrunde einen nachhaltig wirkenden Stabilitätsbeitrag."

Jürgen Funk | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.hessenchemie.de

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