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Virtuelles Gesetzbuch für die Wirtschaft

01.08.2001


Prof. Dr. Klaus Peter Berger


Bisher war das Internet vor allem als Datenhighway bekannt, nun wird es zum "Gesetzbuch" für die internationale Wirtschaft. Im Zeitalter der Globalisierung ist die unübersehbare Zahl nationaler Gesetze oft nur noch bedingt geeignet, sachgerechte Regelungen für internationale Handelsbeziehungen anzubieten. Demnächst können sich Anwälte, Unternehmensjuristen und international tätige Kaufleute im Internet darüber informieren, welche transnationalen Rechtsgrundsätze auf die von Ihnen geschlossenen Verträge anzuwenden sind. In einem mehrjährigen Forschungsprojekt hat das "Center for Transnational Law" (CENTRAL) an der Juristischen Fakultät der Universität Münster eine Online-Datenbank zum transnationalen Wirtschaftsrecht entwickelt. Das weltweit erste Projekt dieser Art wird vom nordrhein-westfälischen Bildungsministerium gefördert. Es beruht auf der Idee, das Internet nicht nur als Informationsmedium, sondern auch als Mittel zur "Rechtssetzung" einzusetzen. Obwohl die Datenbank wie in einem Gesetzbuch gesetzesähnlich formulierte Rechtsgrundsätze enthält, darf diese "schleichende Kodifizierung" nicht mit dem Erlass normaler Gesetze verwechselt werden. Die Nutzer der Datenbank erhalten Zugang zu über 800, zum großen Teil im Volltext-Format verfügbaren Dokumenten aus der ganzen Welt. Vielfach handelt es sich um sehr seltene Materialien, an die sonst nur mit großem Aufwand heranzukommen ist. Dies gilt etwa für die erste wissenschaftliche Arbeit aus diesem Rechtsbereich, ein englisches Buch aus dem Jahre 1622. In der Datenbank ist dieses Buch mit seinem Original-Frontispiz abgebildet. Die Datenbank wird im Rahmen einer internationalen Konferenz am 26. Oktober 2001 in Münster der Fachöffentlichkeit vorgestellt. Der wissenschaftliche Leiter des CENTRAL, Professor Dr. Klaus Peter Berger, erwartet, "dass die Datenbank nach ihrer Vorstellung von internationalen Vertragsjuristen und internationalen Schiedsgerichten auf der ganzen Welt für die tägliche Arbeit genutzt werden wird". Es sei beabsichtigt, die Datenbank weiter auszubauen und so langsam zu einem echten "Gesetzbuch der internationalen Wirtschaft" werden zu lassen.

Norbert Frie | idw
Weitere Informationen:
http://www.transnational-law.de/

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