Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsche Konjunktur wieder moderat aufwärts gerichtet

08.03.2005


Die deutsche Konjunktur hat sich in der zweiten Jahreshälfte 2004 deutlich abgekühlt. Bei anhaltend schwacher Inlandsnachfrage war hierfür eine nachlassende Exportdynamik verantwortlich. Zugleich erhöhten sich die Einfuhren, so dass sich der Außenbeitrag verringerte. Im Jahresdurchschnitt wuchs das BIP um 1,6 %; im vierten Quartal sank es leicht. Manches deutet aber darauf hin, dass dies nur eine kurze Unterbrechung darstellt und sich die Belebung nun fortsetzt. Bereits relativ rasch dürften sich die Ausfuhren erholen. Für die Inlandsnachfrage sehen wir eine nur zögerliche Belebung, da sie zunächst fast ausschließlich von den Ausrüstungsinvestitionen getragen sein dürfte. Erst wenn höhere Exporte und Investitionen zu mehr Beschäftigung führen, werden die privaten Konsumausgaben etwas stärker zulegen. Der Anstieg dürfte trotz der Steuerentlastung zu Beginn dieses Jahres aber schwach bleiben, weil eine leichte Zunahme der Sparquote wahrscheinlich ist und die Haushalte ab der Jahresmitte durch höhere Krankenkassenbeiträge belastet werden. Aus alledem ergibt sich für 2005 ein Wachstum des BIP um 1,0 %. 2006 dürfte die Binnennachfrage erneut an Stärke gewinnen, so dass ein Wachstum von 1,8 % erreicht werden kann. Bereinigt um Kalendereffekte entspricht diese einer Zunahme von 1,2 % bzw. 2,0 % nach 1,0 % 2004.

... mehr zu:
»BIP »Euro-Raum »Rohstoffpreis

Der Anstieg der Arbeitslosenzahl auf über 5,2 Mill. im Februar 2005 ist vor allem darauf zurückzuführen, dass etwa 300 000 erwerbsfähige Sozialhilfeempfänger erstmals als Arbeitslose gezählt wurden. Aber auch ohne diesen Effekt hat die Arbeitslosigkeit saisonbereinigt leicht zugenommen. Im Prognosezeitraum dürfte sich die Lage nur wenig verbessern: Zwar wird die Zahl der Erwerbstätigen voraussichtlich zunehmen, um 300 000 in diesem und 400 000 im kommenden Jahr, im Wesentlichen aber bedingt durch Ein-Euro-Jobs und Minijobs. Wir erwarten, dass die Zahl der registrierten Arbeitslosen im Jahresverlauf spürbar zurückgehen wird. Im Jahresdurchschnitt dürfte sie aber um 200 000 über der von 2004 liegen und erst 2006 um etwa 300 000 sinken.

Das Preisklima dürfte bei dem erwarteten leichten Rückgang der Rohstoffpreise und geringen Lohnsteigerungen in der kurzen Frist ruhig bleiben (2005 und 2006: 1,4 %). Als Risiko bleibt der im Euro-Raum weiterhin hohe Liquiditätsüberhang. Die Lage der öffentlichen Haushalte wird sich im Prognosezeitraum voraussichtlich nur wenig verbessern. Für 2005 zeichnet sich eine geringe Rückführung des Defizits auf 75 Mrd. €(3,4 % in Relation zum nominalen BIP) ab, und das vor allem, weil Sonderfaktoren den Haushalt entlasten. 2006 dürfte die Defizitgrenze des Stabilitätspakts allenfalls knapp eingehalten werden.


Eckwerte der Prognose für 2005 und 2006

2004 bis 2006
2004 2005p 2006p
Bruttoinlandsprodukt1, Veränderung in % 1,6 1,0 1,8
Erwerbstätige2, in 1 000 0,3 0,8 1,0
Arbeitslose3, in 1 000 4 381 4 730 4 400
Arbeitslosenquote4, in % 10,2 10,9 10,1
Verbraucherpreise, Veränderung in % 1,6 1,4 1,4
Lohnstückkosten6, Veränderung in % -1,1 -0,5 -0,4
Finanzierungssaldo des Staates7
in Mrd. €
in % des BIP

-80,3
-3,7
-75
-3,4
-69
-3,0
Leistungsbilanzsaldo8, in Mrd. ¤ 77,9 80 85

Eigene Berechnungen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes, der Deutschen Bundesbank und der Bundesagentur für Arbeit; Veränderung jeweils gegenüber dem Vorjahr. - 1In Preisen von 1995. - 2Im Inland. - 3Nationale Abgrenzung. - 4Bezogen auf inländische Erwerbspersonen. - 5Arbeitnehmerentgelte je Beschäftigten bezogen auf das reale BIP je Erwerbstätigen. - 6In der Abgrenzung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen. - 7In der Abgrenzung der Zahlungsbilanzstatistik. -pEigene Prognose.

Die starke Reaktion der Konjunktur auf die relativ leichte außenwirtschaftliche Abschwächung zeigt, dass der Wachstumspfad in Deutschland nach wie vor zu flach verläuft. Hauptaufgabe der Wirtschaftspolitik ist es daher, das Wachstum zu stärken. Erste Schritte sind mit der Reform des Arbeitsmarkts gemacht; auch die Lohnabschlüsse waren im Vergleich zu früher moderat. Weitere Schritte, etwa in Richtung auf eine Flexibilisierung der Arbeitszeit, auf Lohndifferenzierung, aber auch im Bereich der Minijobs, sind gleichwohl erforderlich. Defizite gibt es insbesondere in der Finanzpolitik: Die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte kommt nicht voran, und die Struktur der Ausgaben ist nach wie vor wenig wachstumsfreundlich.

Weltwirtschaft expandiert nur wenig schwächer als zuvor

Das Wachstum der Weltwirtschaft hat sich in der zweiten Hälfte von 2004 verlangsamt, ist aber im längerfristigen Vergleich immer noch recht kräftig. Insbesondere in den Entwicklungs- und Schwellenländern blieben die Zuwächse hoch, zum Teil weil sich ihre Erlössituation im Außenhandel aufgrund der hohen Rohstoffpreise verbesserte. In den Industrieländern hingegen bremsten die hohen Rohstoffpreise die Konjunktur. Besonders deutlich war die Abschwächung in Japan und im Euro-Raum, weniger in den USA. Zur Differenzierung trug auch die Aufwertung von Euro und Yen gegenüber dem Dollar bei.
Wir erwarten, dass sich die Expansion 2005 noch etwas abschwächt, für 2006 sehen wir eine leichte Beschleunigung. In den USA dürfte das Wachstum 2005 und 2006 jeweils etwa 3,5 % betragen. Japan wird wohl zu einem moderaten Wachstum zurückfinden (1,1 % bzw. 2,2 %). Der Euro-Raum wird schon im ersten Halbjahr 2005 auf einen Wachstumskurs zurückkehren (1,6 % bzw. 2,3 %). Für die neuen EU-Länder gehen wir davon aus, dass sich das Wachstum auf 4,5 % bzw, 4,3 % leicht verlangsamt. Gleichwohl expandiert die Wirtschaft weiterhin schneller als in der EU15, so dass sich die Konvergenz fortsetzt.

Für das Welt-Sozialprodukt ergibt sich aus unserer Prognose ein Zuwachs von etwa 3¼ % in diesem und im nächsten Jahr nach 3,9 % im Vorjahr. Der Welthandel wird um etwa 7 % zunehmen.

Eckwerte zur internationalen Konjunktur

2004 bis 2006; Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %
2004 2005 p 2006p
Bruttoinlandsprodukt1
Euro-Raum 2,0 1,6 2,3
Großbritannien 3,1 2,8 2,5
Vereinigte Staaten 4,4 3,6 3,4
Japan 2,6 1,1 2,2
Industrieländer insgesamt 3,2 2,5 2,8
Verbraucherpreise
Euro-Raum 2,0 1,9 1,8
Großbritannien 1,3 1,6 1,7
Vereinigte Staaten 2,7 2,4 2,7
Japan -0,1 0,0 0,3
Industrieländer insgesamt 2,0 1,9 2,0
Welthandel2 9,5 7,0 7,5
Rohölpreis (Brent, $/b) 3 36,3 40 35
Dollarkurs ($/¤)3 1,24 1,30 1,30
Eigene Berechnungen nach Angaben der OECD, von Eurostat und nationalen Statistikämtern. - 1Real. - 2Waren, in Preisen und Wechselkursen von 2000. - 3Jahresdurchschnitt. - pEigene Prognose. (veröffentlicht in "RWI : Konjunkturberichte", Heft 2/2004)

Ihre Ansprechpartner dazu:
Dr. Roland Döhrn, Tel.: (0201) 81 49-262
Joachim Schmidt (Pressestelle), Tel.: (0201) 81 49-292

Joachim Schmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwi-essen.de

Weitere Berichte zu: BIP Euro-Raum Rohstoffpreis

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index weiter aufwärts gerichtet
23.03.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht RWI erhöht Konjunkturprognose für 2017 leicht auf 1,3 Prozent
15.03.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise