Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Innovation aus Tradition: Verband- und Verbindungstechnik aus Neuwied

20.07.2001


Als der Kaufmann Julius Lüscher am 7. Juli 1851 in Frankfurt am Main eine "Handlung in Material-Waaren" anmeldete, ahnte er nicht im Entferntesten, das er den Grundstein für ein Großunternehmen gelegt hatte. 150 Jahre später gehört die aus den späteren "Wattefabriken Lüscher & Bömper" entstandene Lohmann-Gruppe zu den eher unbekannten Größen Deutschlands mit 4500 Mitarbeitern weltweit und 1,2 Milliarden Mark Umsatz (vor Konsolidierung). Stammsitz ist seit mehr als 100 Jahren Neuwied am Rhein.

Ob Pflaster, Gipsbinden oder Sportbandagen, ob Gepäckbänder, Badezimmerhaken, Handys oder Autohimmel - in Tausenden von Produkten des modernen Lebens steckt Lohmann drin, obwohl selten Lohmann drauf steht. "Wir sind vor allem in medizinischen Fachkreisen bekannt, außerdem als klassischer Zulieferbetrieb für die verarbeitende Industrie", blickt der geschäftsführende Gesellschafter Dr. Martin Barth zurück. Die vergangenen 50 Jahre seit dem Wiederaufbau nach einer 80prozentigen Zerstörung des Stammwerkes in Neuwied wenige Tage vor Kriegsende gehörten der Innovation und Internationalisierung. Früh hatte der damalige Komplementär Dr. G.A. Barth erkannt, dass der in Friedenszeiten stagnierende Verbandmittelbereich alleine vor einer schwierigen Zukunft steht. Lohmann diversifizierte - und entwickelte aus der Erfahrung im Umgang mit Fasern, Geweben und im Beschichten von Trägermaterialien mit Haftklebstoffen vier inzwischen selbstständige Kernbereiche.

Heute finden sich Produkte des Medical-Bereiches von Lohmann & Rauscher rund um den Erdball in Krankenhäusern, Arztpraxen und im medizinischen Fachhandel. Wirkstoffpflaster von LTS-Lohmann helfen weltweit Herz- und Schmerzkranken, werden in abgewandelter Form als Trägersysteme für die Schönheitspflege genauso wie für die Schädlingsbekämpfung im Garten eingesetzt. Klebebänder und Folien von Lohmann finden sich in Handys von Nokia ebenso wieder wie in Computertastaturen, dienen der Befestigung von Badezimmerspiegeln und von Zierleisten an Millionen von Autos. Vliesstoffe von Lohmann werden längst nicht mehr nur für die Wundauflage genutzt, sondern auch als Reinigungstücher, als weiche Deckschicht in Babywindeln oder als Kern von Gepäcktransportbändern. "Der Ehrgeiz von Lohmann bestand darin, eigene Lösungen für praktische wie lebensverbessernde Produkte zu finden", betont Martin Barth, gemeinsam mit seinem Bruder Peter die vierte Generation der Lohmann-Familie im Management. Die Lohmann KG gehört heute 76 Kommanditisten, größter Einzelgesellschafter ist mit knapp zehn Prozent die Lohmann Partner AG, an der 700 ehemalige und aktive Mitarbeiter beteiligt sind. Zur Unternehmensgruppe gehören eigene Werke in Deutschland, Europa, den USA und Asien.

In den vergangenen 150 Jahren gingen zahlreiche Lohmann-Erfindungen um die Welt. Nachdem August Lohmann - er trat 1869 in die damalige Firma "Lüscher & Bömper" ein - Ende des 19. Jahrhunderts in Fahr am Rhein die Produktion von Wundwatte aufnahm, waren es vor allem medizinische Produkte, die zum Patent angemeldet wurden. Die Meilensteine: 1924 erfindet in Neuwied-Fahr der Chemiker Georg Teske die erste elastische Pflasterbinde, genannt "Elastoplast". 1930 gelingt mit der Entwicklung der fixierten Gipsbinde ("Cellona") ein medizinischer Durchbruch. Während des Krieges wird das erste atmungsaktive Pflaster ("Poroplast") patentiert. 1957 wird mit "Metalline ", einem aluminiumbedampften Vliesstoff, der erste Verbandstoff auf den Markt gebracht, der nicht mit offenen Wunden verklebt. In der 80er Jahren beginnt bei Lohmann die Ära der Wirkstoffplaster. Gemeinsam mit der pharmazeutischen Industrie wird ein transdermales Nitroglycerinpflaster zur Serienreife entwickelt, das seine Wirkstoffe über einen längeren Zeitraum unter die Haut von Herzpatienten bringt und so der gefürchteten "Angina pectoris" vorbeugen soll. Wenige Jahre später können sich Millionen Raucher mit LTS-Lohmann-Pflastern das Qualmen abgewöhnen. Heute gehört das inzwischen selbstständige Unternehmen LTS-Lohmann Theraphie-Systeme AG mit Werken in Andernach/Rhein und in Caldwell/USA zu den weltgrößten Herstellern von Transdermalen Systemen. Um alle Sparten der Unternehmensbereiche strategisch zu stärken ebnete die Lohmann KG als Muttergesellschaft in den vergangenen Jahren die Wege zu neuen Allianzen. Der Medical-Bereich wurde bereits 1998 mit der österreichischen Verbandmittelfirma Rauscher zusammengelegt, Anteile der LTS an die Pharmaindustrie und an Kapitalgesellschaften abgegeben. Das Vliesstoffwerk in Dierdorf/Westerwald ging Anfang Juli 2001 an die TWE-Vliesstoffgruppe, um über neue Vertriebskanäle die Produkte auch direkt an den Verbraucher zu bringen.

Der 150. Geburtstag ist für Lohmann nicht nur Grund für einen Blick zurück in eine lange Familientradition, sondern vor allem auch ein Blick nach vorn. "Hervorragend hat sich das Geschäft mit Klebebändern entwickelt. Der Gesundheitsbereich steckt nach wie vor in schwierigen Zeiten ", betont Martin Barth. Denn: "Unter dem Kostendruck des Gesundheitswesens sollen die Hersteller preiswert liefern, doch die Gesetzeslage behindert nach wie vor die Einführung günstiger wie neuer Produkte. Verbandstoffe werden heute noch nach den Normen aus Kriegszeiten gefertigt." Konflikte bereiten den Verbandmittelunternehmen auch das Anti-Korruptionsgesetze als Folge diverser Medizin-Skandale. Barth: "Vor allem die notwendige Aus- und Weiterbildung der medizinischen Fachkräfte leidet darunter, weil die Industrie eigentlich nicht einmal mehr Kurse anbieten kann, ohne Strafverfahren zu riskieren." Anwendungstechnische Fortbildung, betont der geschäftsführende Lohmann-Gesellschafter, sei aber gerade im Medizinbereich unerlässlich: "Hier wird das Kind mit dem Bade ausgeschüttet."

Dr. Martin Barth | ots
Weitere Informationen:
http://www.lohmann.epaper.rhein-zeitung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Beschäftigung legt weiter zu
29.05.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index sinkt nach März-Hoch
23.05.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligente Sensoren mit System

29.05.2017 | Messenachrichten

Geckos kommunizieren überraschend flexibel

29.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

1,5 Millionen Euro für vier neue „Innovative Training Networks” an der Universität Hamburg

29.05.2017 | Förderungen Preise