Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Billige Indexfonds mit verborgenen Risiken

24.02.2005


Chemnitzer Börsen-Experte warnt: Die niedrigen Verwaltungsgebühren bei Exchange Traded Funds sind ein Kaufargument, allerdings können sie zu Lasten der Dividende gehen - Forderung nach mehr Transparenz und "ALDI"-Qualitäten

Börsennotierte Indexfonds, so genannte Exchange Traded Funds, haben im vergangenen Jahr große Erfolge verzeichnet. Im harten Wettbewerb der Banken wurden die schon niedrigen Jahresgebühren von rund 0,4 Prozent in diesem Jahr weiter auf unglaubliche 0,15 Prozent gesenkt. Im Vergleich dazu müssen die Anleger bei üblichen Fonds mit ein bis zwei Prozent Gebühren plus einmalige Ausgabeaufschläge von drei bis sechs Prozent rechnen. "Die Entwicklung ist wirklich sensationell", sagt Prof. Dr. Friedrich Thießen. Allerdings sei das, was billig ist, nicht immer auch gut, bewertet der Chemnitzer Professor für Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre. Er warnt: "Die niedrigen Gebühren werden teilweise dadurch erzielt, dass die Banken risikoreichere Management-Techniken anwenden und Verluste von der Dividende abziehen, ohne dass es der Kunde bemerkt."

In den Mittelpunkt seiner Analyse stellt Börsen-Experte Prof. Thießen das Management von Indexfonds. In einem Näherungsverfahren, dem "Proxy-Hedging", wird hierbei das verfügbare Fondsvermögen nicht völlig identisch mit dem Index angelegt, sondern es werden nur 95 bis 97 Prozent des Indexes nachgebildet. Dieses Proxy-Portfolio wird so zusammengestellt, dass seine Wertentwicklung dem Index voraussichtlich möglichst nahe kommt. "Dadurch werden Verwaltungskosten verringert, weil das Fonds-Management weniger Positionen verwaltet und eine erhebliche Anzahl von Transaktionen einsparen kann", so Prof. Thießen. Was aber, wenn sich unter den drei bis fünf Prozent der Aktien, die quasi außen vor bleiben, besonders erfolgreiche Werte befinden? "Das wäre Pech für die Anleger, denn sie haben nichts davon. Im Gegenteil: Relativ zum Index kommt es im verfügbaren Fonds-Vermögen zu Verlusten, die vollkommen zu Lasten der Anleger gehen", erläutert der Finanzwissenschaftler der TU Chemnitz. "Die Banken schließen in ihren Verkaufsprospekten ordnungsgemäß aus, dafür aufzukommen. Sie garantieren nicht, den Index auch wirklich zu erreichen, sondern versprechen nur, sich zu bemühen."

Grundsätzlich sei gegen das kostensparende "Proxy-Hedging" rechtlich und kaufmännisch nichts einzuwenden, findet Prof. Thießen. Aber er bemängelt fehlende Transparenz. Um schlechte Indexfonds herauszufiltern, könnte sich der Anleger zwar ein eigenes Bild davon machen, wie der Zusammenhang zwischen eigentlicher Index- und tatsächlicher Fonds-Entwicklung in der Vergangenheit gewesen sei und somit solche Fonds, die häufig hinter dem Index zurückblieben, meiden. Die großen Internet-Finanzportale lassen solche Analysen ganz einfach zu. "Doch diese Überprüfung ist nicht einfach, denn zumeist sehen die Verkaufsprospekte vor, dass negative Wertentwicklungen des Fonds durch Abzweigungen von den jährlichen Dividenden aufgefüllt werden. So sieht der Kurs im Nachhinein immer hervorragend aus. Dass der Anleger dies mit dem Verzicht auf Dividenden selbst bezahlt hat, steht dann nur im Rechenschaftsbericht."

Wer sich also für Indexfonds interessiert, sollte zunächst einen Blick in den jeweiligen Rechenschaftsbericht werfen, empfiehlt der Chemnitzer Professor für Finanzwissenschaft und Bankbetriebslehre. Und er fordert: "Indexfonds-Anbieter sollten in Zukunft nicht nur über die Verwaltungskosten, sondern auch über die Ausschüttungsquoten berichten." So manchem Anleger wären seiner Meinung nach etwas höhere Verwaltungskosten lieber, wenn dafür das Risiko, dass die Dividende ausfällt, geringer wäre. Ob die Indexfonds so etwas wie "ALDI"-Qualitäten mitbringen, sei noch offen: "Früher galten ALDI-Produkte häufig als billig und schlecht, heute gelten sie oft als billig und gut. Bei der Beurteilung der Indexfonds scheint diese Frage noch nicht ganz geklärt zu sein."

Dipl.-Journ. Alexander Friebel | Technische Universität Chemnitz
Weitere Informationen:
http://www.tu-chemnitz.de

Weitere Berichte zu: Indexfond

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index bleibt aufwärts gerichtet
20.07.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Frühwarninstrument zeigt „grün“ - IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr bleibt gering
19.07.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Robuste Computer für's Auto

26.07.2017 | Seminare Workshops

Läuft wie am Schnürchen!

26.07.2017 | Seminare Workshops

Leicht ist manchmal ganz schön schwer!

26.07.2017 | Seminare Workshops