Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsche Wirtschaft profitiert von stärkerer Kapitaldeckung aufgrund der Riester-Reform

04.07.2001


Drastische Verschiebungen in der Vermögensstruktur der Deutschen

In ihrer soeben veröffentlichten Studie "Die Märkte für Altersvorsorgeprodukte in Europa" untersuchen die Volkswirte der Dresdner Bank die zu erwartenden Marktvolumina für Altersvorsorgeprodukte in Deutschland und Europa sowie die Herausforderungen und Reformansätze in Zusammenhand mit dem Übergang zu ergänzenden, kapitalgedeckten Formen der Alterssicherung.

"Die Geldvermögensstruktur der Deutschen unterliegt einem dramatischen Wandel, Anlagen an den Kapitalmärkten spielen eine immer wichtigere Rolle", erläuterte Dr. Klaus Friedrich, Chefvolkswirt der Dresdner Bank, die neue Studie. Entfielen 1991 noch 46 % des gesamten Geldvermögens auf Einlagen bei Banken und nur 11 % auf Aktien und Investmentfonds, so lagen die entsprechenden Anteile im Jahr 2000 bereits bei 34 bzw. 23 %. Anleger in Aktien und Investmentfonds erzielten in den letzten fünf Jahren einen Wert-zuwachs auf ihr Erspartes von rund 320 Milliarden Euro.

"Die Geldvermögensanlagen werden in Deutschland bis zum Jahr 2010 auf über 6,4 Billionen Euro anwachsen und damit in zehn Jahren um fast 80 % expandieren", so Friedrich. Schätzungen der Volkswirte der Dresdner Bank zufolge wird der Aktienbestand im Jahr 2010 das Zweieinhalbfache und der Bestand an Investmentzertifikaten sogar das Dreifache gegenüber 2000 betragen. Der Anlagebestand bei Versicherungen werde mehr als doppelt so hoch sein. Der Anteil von Aktien, Fondsanlagen und Versicherungsprodukten am Geldvermögen dürfte 2010 in Deutschland fast 65 % und in den fünf bevölkerungsreichsten EU-Ländern – Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien – über 70 % betragen.

Unter Berücksichtigung der neuen Förderung dürfte sich im Jahr 2010 der Gesamtbestand an Ersparnissen in Altersvorsorgeprodukten in Deutschland auf gut 900 Milliarden Euro (2000: 350 Milliarden Euro) belaufen. Da andere europäische Staaten ebenfalls eine stärkere Kapitaldeckung vorantrieben, könnten die entsprechenden Beträge in der Europäischen Union insgesamt in zehn Jahren mehr als 6 Billionen Euro (2000: 2,6 Billionen Euro) betragen.

Es wird der Einwand erhoben, eine stärker kapitalgedeckte Altersvorsorge sei mit erheblichen demographischen Risiken behaftet. Den Preissteigerungen während der Ansparphase der Babyboom-Jahrgänge stünden entsprechende Wertverluste gegenüber, sobald die Vermögenswerte wieder aufgelöst würden. "Diese Argumentation ist bei globaler Betrachtung des Problems nicht haltbar. Das Kapitaldeckungsverfahren bietet vor allem den Vorteil, dass es eine Loslösung von den demographischen und wirtschaftlichen Trends im Heimatland erlaubt. Angesichts einer möglichen internationalen Diversifikation der Anlagen erwarten wir, dass die Beträge aus zusätzlicher kapitalgedeckter Altersvorsorge zu keinen Verwerfungen an den Weltkapitalmärkten mit ihren gigantischen Volumina führen werden", so die Volkswirte in ihrer Studie.

Weiterhin bestehe auch realwirtschaftlicher Kapitalbedarf, der aus dem Kapitalangebot der Altersvorsorgesparer bedient wird. Die bevorstehende Osterweiterung der EU und die spätere Teilnahme der Beitrittsländer an der Europäischen Währungsunion eröffnen den Unternehmen langfristig attraktive Investitionsmöglichkeiten im eigenen Währungsraum. Hinzu kommt, dass die meisten anderen OECD-Länder eine günstigere demographische Entwicklung aufweisen als Deutschland. Insoweit ist also nicht mit einer Belastung der Kapitalmärkte zu rechnen.

Eine stärkere Kapitaldeckung begünstigt auch den absehbaren Strukturwandel in Deutschland in den nächsten Jahrzehnten. Im Ausland über Direkt- oder Portfolioinvestitionen angelegtes Kapital schaffe Eigentumsansprüche am dortigen Kapitalstock und finanziere zusätzliche Produktionsmöglichkeiten. Wenn dann zukünftig weniger Erwerbstätige einer steigenden Anzahl von Rentnern gegenüberstünden, könnten deren Konsumwünsche leichter durch Importe erfüllt werden. Damit stünden den heutigen Kapitalströmen zukünftige Güterströme in umgekehrter Richtung gegenüber.

Die Volkswirte der Dresdner Bank erwarten, dass die betriebliche Altersvorsorge ein Schwerpunkt bei Tarifverhandlungen wird und dass sich die Tarifpartner auf einen schnellen Einstieg in diese Vorsorgeform einigen werden. Den neu geschaffenen "Pensionsfonds" wird dabei eine bedeutende Rolle zufallen. Insgesamt rechnen die Volkswirte der Dresdner Bank damit, dass drei viertel der im Zuge der Riester-Rente geschaffenen Mittel in Formen der betrieblichen Altersvorsorge fließen werden.

| Presseservice

Weitere Berichte zu: Altersvorsorge Kapitaldeckung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Arbeitslosigkeit sinkt verhaltener
27.07.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index bleibt aufwärts gerichtet
20.07.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie