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Handel verhalten optimistisch für 2005

18.01.2005


"Der Großhandel setzt trotz negativer Wachstumsimpulse vom Konsumgüterhandel seine Erholung fort. Allerdings konnten die Umsatzeinbußen aus den Jahren 2001 und 2002 noch nicht annähernd kompensiert werden. Die maßgeblichen Impulse gehen vom Produktionsgüterhandel aus, der von der Dynamik bei den Im- und Exporten profitiert." Dies erklärt Anton F. Börner, Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), bei der Vorstellung der Ergebnisse des BGA-Großhandels-Indikators sowie seiner jüngsten Unternehmensbefragung.

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Für das Jahr 2005 rechnet der BGA mit einem weiteren Großhandelswachstum von nominal zwei Prozent und preisbereinigt einem Prozent, nachdem der Großhandel im vergangenen Jahr um nominal drei und real 0,5 Prozent zulegen konnte. Für die Gesamtwirtschaft rechnet der BGA mit einem leichten Wachstum des Bruttoinlandprodukts um ein einviertel Prozent in 2005.

Verhaltene Zuversicht im Großhandel


Der Großhandelsklima-Indikator setzt seinen Aufwärtstrend fort. Beide Teilkomponenten des Indikators, also die aktuelle und die zukünftige Geschäftslage, verbesserten sich, allerdings mit deutlich abgeschwächter Dynamik. Für das erste Halbjahr 2005 herrscht verhaltene Zuversicht. Trotz negativer Effekte von der schwachen Binnenkonjunktur ist der Großhandel optimistisch, als Importeur der deutschen produzierenden Wirtschaft von einem Wachstum der Importe zu profitieren.

"Deutschland steckt noch immer in einer Wachstumsklemme. Der Schlüssel zu mehr Wachstum sind Investitionen. Die Reformen aus dem Jahr 2004 haben jedoch nicht einmal dazu gereicht, den Rückgang bei den Investitionen zu stoppen" erklärt der BGA-Präsident und mahnt bessere Rahmenbedingungen an. "Kein Konjunkturprogramm wird zu einer nachhaltigen Belebung bei den Investitionen führen. Nicht einmal der Außenhandelsüberschuss von über 150 Milliarden Euro - das ist sieben Mal mehr, als der Staat an Nettoinvestitionen tätigt!!!! - hat die Binnenwirtschaft aus ihrer Starre reißen können."

Die Maßnahmen der Agenda 2010 seien als Kurswechsel zu begrüßen. "Ohne weitere Reformen wird jedoch der ’Abschwung auf Raten’, der Deutschland seit den neunziger Jahren erfasst hat, weitergehen" so der BGA-Präsident.

Investitionen Schlüssel zu mehr Wachstum und Beschäftigung Deutschland müsse wieder Standort für Investitionen aus dem Inland und dem Ausland werden, fordert Börner. Im Großhandel wurden im vergangenen Halbjahr bei lediglich fünf Prozent der Unternehmen Erweiterungsinvestitionen, die besonders beschäftigungsintensiv sind, getätigt. Im kommenden Halbjahr wird sich diese Rate auf zwei Prozent verschlechtern.

Das Beschäftigungsklima im Großhandel hat sich nach der jüngsten BGA- Unternehmensbefragung zu Beginn von 2005 wieder verschlechtert. In den kommenden Monaten planen zwar nur noch 14 Prozent der Unternehmen einen Stellenabbau und es werden auch bei 10 Prozent neue Stellen geschaffen, die Lage bleibt aber dennoch unbefriedigend. "Unsere Unternehmen brauchen mehr Flexibilität, um neue Stellen zu schaffen und flexibel auf den steigenden Wettbewerb auf den internationalen Märkten reagieren zu können", fordert Börner. Äußerst positiv entwickelt hat sich hingegen die Ausbildungssituation. So wurden im vergangenen Jahr 9,2 Prozent Ausbildungsverträge für Kaufleute im Groß- und Außenhandel mehr abgeschlossen. Der Zuwachs liegt weit über den Zuwachsraten des Handels insgesamt (4,6 Prozent) und der gesamten Wirtschaft (2,8 Prozent).

Wachstumsbremsen sind nach Ansicht der Unternehmer neben den regiden Regelungen des Arbeitsmarktes weiterhin die hohen Kosten der sozialen Sicherungssysteme. 93 Prozent der Unternehmen erwarten weitere Finanzierungsprobleme und einen Anstieg der Lohnnebenkosten trotz bisheriger Reformschritte.

Auch das Steuerrecht bremst nach Überzeugung der Befragten die wirtschaftliche Dynamik. 89 Prozent der befragten Unternehmen glauben nicht, dass die letzte Stufe der Steuerreform der wirtschaftlichen Dynamik Auftrieb gibt. Zwar sei die Senkung der Spitzensteuersätze auf 42 Prozent (Einkommensteuer) und etwa 39 Prozent (Körperschaften) anzuerkennen. "Diese Grenzsteuersätze bringen jedoch kein Plus an Investitionen. Länder um uns herum sind vielfach mutiger und entschlossener ans Werk gegangen, wie dies das Beispiel Österreich zeigt" erklärt Börner.

Bei der letzten Stufe der Steuerreform dürfe es deshalb nicht bleiben. "Und auch nicht, dass wir erst im Jahr 2008 - wenn die Gesetzesmaschinerie nach der Bundestagswahl aktiv wird - wissen, ob und in welche Richtung eine Reform geht. Wir brauchen heute Klarheit über die weiteren Schritte, die das deutsche Unternehmensteuerrecht international voranbringen" so der BGA-Chef. Die Unternehmen des Großhandels können sich eine Absenkung in Richtung 30 Prozent durchaus vorstellen, wenn Regelungen vereinfacht werden und Subventionen abgebaut werden. Fast zwei Drittel der Unternehmen sprechen sich für eine Senkung der Steuersätze bei einer Verbreiterung der Bemessungsgrundlage aus.

Investitionen hingen eng mit der Innovationsfähigkeit einer Wirtschaft zusammen. Diese werde in den mittelständischen Unternehmen durch Regelungsdichte und ausufernde öffentliche Verwaltung beeinträchtigt, warnt Börner. Die nachlassende Innovationsdynamik zeige dringenden Handlungsbedarf an. Dazu gehöre auch die Erneuerung des Bildungssystems. Börner abschließend: "Ausgaben für Bildung sind keine Kosten, sondern Investitionen in die Zukunft."

André Schwarz | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.bga.de

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