Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Strengere gesetzliche Vorschriften und höhere Risiken zwingen Finanzdienstleister zur Prävention

03.01.2005


Deloitte-Umfrage bestätigt wachsende Bedeutung des Risikomanagements


Mega-Fusionen, Offshoring, Outsourcing, strengere gesetzliche und aufsichtsrechtliche Vorschriften sowie höhere Kreditsummen bestimmen das Geschäft von Finanzdienstleistungsunternehmen. Die Risiken steigen. Laut der aktuellen Studie "Global Risk Management Survey" von Deloitte ist bereits bei 81 Prozent der weltweit größten Finanzinstitute ein Chief Risk Officer (CRO) für das Management möglicher existenzgefährdender Risiken verantwortlich. Seit Deloittes letzter Umfrage im Jahr 2002 bedeutet das einen deutlichen Anstieg, denn vor zwei Jahren existierte eine solche Funktion nur in 65 Prozent der befragten Institute. Dabei berichten drei Viertel der CROs direkt an die Unternehmensleitung (CEO und Board of Directors).

Ergebnis: 25 Prozent mehr Unternehmen als vor zwei Jahren sehen das Risikomanagement als unmittelbare Chefsache an.


Doch obwohl die Risikovorbeugung deutlich mehr ins Bewusstsein gerückt ist, haben viele Institute noch immer kein ganzheitliches, unternehmensweites Risikomanagement (Enterprise Risk Management, ERM). Weniger als ein Viertel der Befragten fühlt sich in der Lage, Risiken Kategorie übergreifend nach Risikotyp, Geschäftsbereich oder Standort zu identifizieren. Sie konzentrieren sich beim ERM auf die Quantifizierung wirtschaftlicher Risiken wie Kredit-, Marktpreis, Liquiditäts- oder operationelle Risiken. Während 38 Prozent der Befragten angaben, bereits über eine Organisationsstruktur zu verfügen, die integriertes Risikomanagement ermöglicht, konnten nur knapp 16 Prozent Fortschritte bei der Integration von Verfahren, Daten und Systemen bestätigen.

Laut Umfrage haben strengere gesetzliche Vorschriften und die verstärkte Überwachung von Finanzinstituten nach dem Enron-Skandal wesentlich zur Priorisierung des Risikomanagements beigetragen. Als Konsequenz daraus hat die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) dieses Jahr eine neue Eigenkapitalvereinbarung (Basel II) verabschiedet, die zukünftig das seit 1988 geltende Regelwerk ersetzen wird. Basel II fordert unter anderem überarbeitete Bewertungsmaßstäbe für Kreditrisiken und führt neue Verfahren zur Messung von operationellen Risiken und damit zusammenhängender Kapitalkosten ein.

Gleichzeitig haben der Sarbanes-Oxley Act in den USA und ähnliche kapitalmarktrechtliche Bestimmungen in anderen Ländern die Bedeutung von Corporate Governance, internen Kontrollen und Offenlegung von Unternehmensdaten erhöht. Bei Nichteinhaltung dieser Vorschriften droht strafrechtliche Verfolgung.

"Die Notwendigkeit effektiven Risikomanagements rückt immer stärker ins Bewusstsein der Finanzinstitute", so Jörg Engels, Partner und Leiter der Service Line Financial Risk Solutions. "Sie reagieren damit auf die gestiegenen Erwartungen des Gesetzgebers, ihrer Kunden und Geschäftspartner, der Öffentlichkeit und anderer Interessensgruppen. Sie alle fordern einen verantwortungsbewussten Umgang mit Risiken.

Die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen ist selbstverständlich. Große Institute erkennen die neue Rechtslage aber zusätzlich als Chance, um zu einem neuen Kapitalverständnis zu kommen und ihre Funktionen sogar neu zu definieren", erklärt Engels. "Allerdings könnten die neuen Strategien der Global Player kleine und mittlere Institute unter Druck setzen. Inwieweit solche Strategien in diesem Umfeld überhaupt anwendbar und praktikabel sind, muss sich noch zeigen."

Weitere Umfrageergebnisse

Kreditrisiken

Im Bereich Kreditrisikomanagement konnten die Befragten seit 2002 wesentliche Fortschritte verzeichnen. Die Auswirkungen von Basel II, Probleme auf dem Handelskreditmarkt und angestiegene Kreditvolumina (bedingt durch niedrige Verbraucherzinsen) haben die Aufmerksamkeit des Managements verstärkt auf die Steuerung von Kreditrisiken gelenkt. In den kommenden ein bis zwei Jahren planen 61 Prozent der Befragten bei Unternehmenskrediten und 53 Prozent bei Verbraucherkrediten hohe oder mäßige Investitionen. Außerdem wurden Verbesserungsmaßnahmen in Kernbereichen wie dem Benchmarking interner Ratings sowie im Portfolio-Management und bei der Nutzung von Kreditrisikominderungstechniken verstärkt.

Marktrisiken und Asset/Liability-Management

Die Umfrage zeigt, dass sich viele Institute durch Nutzung zusätzlicher Produke wie ABS-Transaktionen gegen Marktrisiken zu schützen versuchen. Sie setzen verstärkt moderne Verfahren zur Prognose beziehungsweise Modellierung ereignisspezifischer Risiken ein und führen mehr Stresstests durch. Diese Maßnahmen deuten darauf hin, dass die Finanzdienstleister aktuellen Marktrisikoanalysen stärkere Beachtung schenken. Im Bereich Asset- und Liability-Management setzen die Unternehmen auf bereits vorhandene Analysesysteme und -verfahren und/oder bauen diese aus.

Operationelle Risiken

Operational Risk Management (ORM) ist weiterhin eine vergleichsweise neue und sich noch entwickelnde Disziplin des Risikomanagements. Bei der Mehrheit der Befragten ist ein entsprechendes Steuerungssystem erst in Ansätzen implementiert. Allerdings zeigt die Umfrage, dass gegenüber 2002 mehr Institute ORM-Programme gestartet haben. Für eine deutliche Mehrheit der Befragten stellt die Kapazität von ORM-Systemen weiterhin ein Problem dar. Sie wünschten sich eine leistungsstärkere Funktionalität.
Systeme und Technologie

Obwohl Informationstechnik als wichtigste Komponente einer Risikomanagement-Architektur betrachtet wird, berichten zahlreiche Befragte immer noch von großen Schwierigkeiten bei der Entwicklung angemessener Risikosysteme. Mehr als die Hälfte (52 Prozent) stuft mangelnde Systemintegration als gravierendes Problem ein, bei 42 Prozent rangiert sie als kleineres Problem. Ungenügende Flexibilität und Erweiterungsfähigkeit wurden als weitere Herausforderungen genannt.

Funktionserweiterungen zur Einhaltung aufsichtlicher Anforderungen, die Implementierung von Risikomanagementsystemen für operationelle Risiken sowie der Ausbau des Kreditrisikomanagements standen auf der Prioritätenliste der befragten Unternehmen in diesem Jahr ganz oben.

Outsourcing (Extended Enterprise Solution, EES)

IT- und Anwendungsmanagement sind die einzigen Bereiche, in denen die Mehrheit (61 Prozent) der Befragten eine unternehmensübergreifende Lösung vorweisen kann. Diese Lösung deckt Offshoring-, Nearshoring- und Outsourcing-Arrangements über zahlreiche Unternehmensfunktionen hinweg ab. Etwas weniger als die Hälfte verwendet EES für Call Center oder Backoffice-Anwendungen.

Antonia Wesnitzer | presseportal

Weitere Berichte zu: Kreditrisiko Risikomanagement

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index bleibt aufwärts gerichtet
20.07.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Frühwarninstrument zeigt „grün“ - IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr bleibt gering
19.07.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten