Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unternehmen sehen Basel II zunehmend als Chance zur Verbesserung

01.12.2004


Studie zeigt Diskrepanz zwischen Wissen und Umsetzung / Mehr als 40 Prozent der Firmen noch nicht gut vorbereitet / Unterneh-men fordern mehr Informationen und Beratung von den Banken



Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft gegenüber Basel II hat sich verbessert. Dies ist das Ergebnis einer Befragung unter rund 500 Unternehmen in Deutschland, die die Deutsche Postbank AG jetzt in Frankfurt am Main vorgestellt hat. 47 Prozent der befragten Firmen begreifen die Neuregelung bei der Kreditvergabe inzwischen als Chance, die eigene Organisation und ihre Prozesse fit für den Wettbewerb zu machen. Ein Drittel erwartet durch Basel II eine Verschlechterung der Bankbeziehung. 2001 sahen laut einer Studie der KfW noch 74 Prozent der Unternehmen Basel II als Risiko. Bei der Vorbereitung auf Basel II ist die Hausbank nach wie vor der wichtigste Ansprechpartner. Ein Drittel der Unternehmen will zur Vorbereitung auf das Ende 2006 in Kraft tretende Regelwerk zusätzlich externe Hilfe in Anspruch nehmen.

... mehr zu:
»Kreditvergabe


Stefan Jütte, Vorstand Kredit bei der Postbank, bewertet die Ergebnisse der Studie als Chance für Unternehmen und Banken in Deutschland. „Basel II verlangt von den Unternehmen mehr Transparenz im Verhältnis zu ihren Kapitalgebern. Damit können wir unsere Kreditgespräche künftig auf eine sachlichere, überprüfbare Grundlage stellen. Das ist ein Fortschritt für beide Seiten, es beinhaltet aber auch eine Bringschuld der Banken. Die Unternehmen können sich auf Basel II nur adäquat vorbereiten, wenn sie von ihrer Bank Informationen bekommen, welche Kriterien für das Rating entscheidend sind und wie sie gewichtet werden.“

Bankbeziehung wird wichtiger – Kreditwettbewerb steigt

Auch wenn die Hausbank für knapp 64 Prozent der Befragten ein zentraler Ansprechpartner bleibt, wird der Wettbewerb um Kreditkunden insgesamt zunehmen. 30 Prozent der Unternehmen werden sich bei einem Kreditantrag zukünftig an mehr Banken wenden als bisher. Eine langjährige Verbundenheit zur Bank wirkt sich in den meisten Fällen aber positiv auf das Rating aus. „Es lohnt sich, aktiv auf seine Bank zuzugehen und eine offensive Informationspolitik gegenüber Kapitalgebern zu betreiben“, so Stefan Jütte. Neben Investor-Relations werden die Unternehmen zukünftig auch verstärkt Creditor-Relations entwickeln müssen.

Mit der Zahl der Bankverbindungen steigt das Wissen um Basel II und die Güte der Vorbereitung. Die Unternehmen erwarten von ihrer Bank Unterstützung und Offenheit. Für 65 Prozent der Unternehmen ist eine intensive Betreuung durch die Bank im Vorfeld des Ratings besonders wichtig. Ebenfalls 65 Pro-zent fordern in erster Linie eine offene Kommunikation und ein transparentes Rating. Fast ebenso wichtig ist eine ausführliche Diskussion der Ergebnisse.

Befürchtungen teils unbegründet

Die befragten Unternehmen äußerten auch konkrete Befürchtungen. 65 Prozent erwarten ein verlängertes Prozedere der Kreditvergabe. 61 Prozent befürchten steigende Kreditkosten. Einige der Ängste sind aus Sicht von Experten jedoch unbegründet. „Basel II bringt eine relative Besserstellung der kleinen und mittleren Unternehmen gegenüber Großunternehmen durch mittelstandsfreundliche Sonderregelungen. Dazu zählt etwa die Ausweitung der anerkennungsfähigen Kreditsicherheiten“, so Prof. Ulrich Hommel, Rektor der European Business School, der die Studie wissenschaftlich begleitet hat. Profitieren werden aus seiner Sicht auch Unternehmen guter bis mittlerer Bonität.

Schwächen in der Vorbereitung

Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen hat noch keine konkrete Vorstellung darüber, was an Kosten durch Basel II auf sie zukommt. Und auch die Anforderungen und Folgen des neuen Regelwerkes werden oft falsch eingeschätzt. 54 Prozent der Unternehmen glauben, dass Basel II von einer Person bewältigt werden kann, was auf Grund des erhöhten informativen Aufwandes bezweifelt werden muss.

37 Prozent der Firmen haben dies bereits erkannt und entsprechende Teams gebildet. 9 Prozent haben noch keinen Verantwortlichen definiert.

Die Umsetzung wird insgesamt schlechter bewertet als das Wissen um die Neuregelung der Kreditvergabe. 62 Prozent der Unternehmen sind eigenen Angaben zufolge gut oder sehr gut über Basel II informiert, elf Prozent schlecht oder sehr schlecht .

Voraussetzungen und Methoden der Befragung

Die repräsentative Studie wurde von Europressedienst Research im September 2004 durchgeführt. Wissenschaftlicher Berater war die European Business School. Insgesamt 3.600 Unternehmen wurden zum Informationsstand, dem Status der Vorbereitung und den Erwartungen zu Basel II befragt. Die Auswahl der Unternehmen erfolgte nach einem Branchenschlüssel. Mit 55 Prozent liegt der Schwerpunkt auf kleinen und mittleren Betrieben mit einem Jahresumsatz von 2,5 Mio. € bis 50 Mio. €. Großunternehmen mit einem Umsatz über 50 Mio. € sind mit 17 Prozent vertreten. In die Untersuchung gingen 501 vollständig beantwortete Fragebögen ein. Ansprechpartner waren Ge-schäftsführer, Verantwortliche aus dem betrieblichen Rechnungswesen sowie – falls vorhanden – spezifische Ratingabteilungen bzw. die Ratingverantwortlichen.

Der Berichtsband „Basel II – Unternehmensstudie 2004“ ist ab sofort zum Download unter www.postbank.de/presse verfügbar.

| Deutsche Postbank AG
Weitere Informationen:
http://www.postbank.de/presse

Weitere Berichte zu: Kreditvergabe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index setzt Anstieg fort
22.06.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Beschäftigung legt weiter zu
29.05.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften