Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Zinsrichtlinie: Ein Durchbruch?

28.09.2004


Untersuchung des IFSt zur EU-Politik bezüglich der Besteuerung privater Auslandszinsen



Die vom Rat der Europäischen Union am 3.6.2003 erlassene Zinsrichtlinie soll ebenso wie die ergänzenden Abkommen mit der Schweiz, Liechtenstein und anderen Drittstaaten vom 1.7.2005 an in allen beteiligten Staaten und damit auch in Deutschland angewendet werden. Das hat der EU-Ministerrat am 28.6.2004 beschlossen. Der Geltungsbereich der Richtlinie erstreckt sich ausschließlich auf solche Zinserträge, die eine in einem EU-Staat ansässige natürliche Person in einem anderen EU-Staat oder einem abkommensmäßig "miteingebundenen" Drittstaat (z.B. der Schweiz) bzw. Drittgebiet (z.B. den Kanalinseln) erzielt hat.



Zunächst wird ein gespaltenes System eingeführt: Alle EU-Staaten mit Ausnahme von Belgien, Luxemburg und Österreich melden künftig dem jeweiligen EU-Wohnsitzstaat des Kapitalanlegers "automatisch" dessen Zinserträge. Belgien, Luxemburg und Österreich - voraussichtlich auch die angeschlossenen Drittstaaten (wie z.B. die Schweiz) und Drittgebiete - geben einstweilen keine Meldungen ab; statt dessen erheben sie eine Quellensteuer von zunächst 15 v.H., ab 1.7.2008 20 v.H. und ab 1.7.2011 35 v.H. Langfristig ist jedoch eine Beteiligung aller EU-Staaten an dem automatischen Informationsaustausch vorgesehen.

Gegenstand der vom Institut "Finanzen und Steuern" e.V. (Bonn) herausgegebenen IFSt-Schrift Nr. 418 sind Entstehung, rechtlich-politischer Rahmen und Einzelinhalt der neuen Regelung. Ergänzt wird dies durch eine kritische Bewertung der jetzt nach jahrelangen Diskussionen gefundenen Lösung. Das Urteil fällt - bei aller Anerkennung, dass überhaupt ein Kompromiss möglich wurde - im Endergebnis negativ aus.

Auch das neue grenzüberschreitende Kontrollregime bietet trotz des hohen bürokratischen Aufwandes, der allen Beteiligten, insbesondere den Banken, zusätzlich abverlangt wird, keine Gewähr dafür, dass der Bezug von Auslandszinsen von nun an durchgängig steuerlich erfasst wird. Grund dafür sind schwerwiegende strukturelle Lücken und Schwachstellen der Neuregelung, die wohl auch in Zukunft kaum beseitigt werden können. Gefordert wird in der Arbeit daher ein Strategiewechsel. Nicht immer mehr Kontrolle - statt dessen sollte die Beseitigung der entscheidenden Ursache für das verbreitete Nichtdeklarieren von Auslandszinsen das Ziel sein. D.h., die hohe inländische Steuerlast auf Zinseinkünfte muss gesenkt werden. Modell könnte die Einführung einer moderaten Abgeltungssteuer sein, wie es sie schon in vielen EU-Staaten gibt.

Clemens Esser | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifst2.de/publikationen/418/inhalt.html

Weitere Berichte zu: Auslandszins Drittgebiet Drittstaat Zinsrichtlinie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Der Dauerläufer: Starke Binnennachfrage macht diesen Aufschwung robuster als seine Vorgänger
17.10.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht Positiv für die Volkswirtschaft: Die Zahl der Betriebsgründungen von Hauptniederlassungen steigt weiter
12.10.2017 | Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise